OBERSTREU

Die Vorteile der Naturverjüngung

Mit Markierungen neben den ein- bis zweijährigen Pflanzen veranschaulichte Förster Julian Grundhuber (vorne) Bürgermeister Matthias Liebst (Fünfter von rechts) und den Oberstreuer Gemeinderäten die Naturverjüngung im Oberstreuer Wald. Foto: Sabine Pagel

Die Mitglieder des Gemeinderats Oberstreu unternahmen mit Revierförster Julian Grundhuber eine Waldbegehung im Bereich des Reviers Hainhof/Scheibe. Grundhuber erklärte Bürgermeister Matthias Liebst und den Bürgervertretern in einer fast zweistündigen Exkursion das Prinzip der Naturverjüngung.

Zunächst einmal brauche es einen entsprechenden Altbestand an Bäumen, die Samen werfen. Aber auch Licht brauchen die jungen Pflanzen, um zu gedeihen. Deshalb ist es wichtig, die vorhandenen Bestände entsprechend auszulichten. Die Vorteile einer Naturverjüngung liegen klar auf der Hand. Die Pflanzen haben eine natürliche Wurzelentwicklung und dadurch ein verringertes Ausfallrisiko. Außerdem gebe es eine hohe Anzahl an Pflanzen, die so durch eine Kultur nie erreicht werde. Dadurch könne man auch eigene Wildlinge, an anderen Standorten einsetzen.

Auch betriebswirtschaftlich habe die Naturverjüngung Vorteile, so der Förster. Zum einen sei sie kostenlos. Es gebe eine große Pflanzenvielfalt, dies sei mit einer Kulturpflanzung nicht möglich. Außerdem werde die Pflege der Naturverjüngung gefördert. Natürlich habe dieses anspruchsvolle Verfahren auch seine Risiken. Man sei dabei abhängig von der Samenproduktion der Altbäume.

Um die Naturverjüngung darzustellen, veranschaulichte Grundhuber dies mit Markierungen neben den ein- bis zweijährigen Pflanzen. Hier waren eine Vielzahl unterschiedlicher Jungpflanzen zu sehen: Linde, Eiche, Ahorn und Buche sowie weitere Arten. In fünf bis zehn Jahren müsse dann noch einmal eine Durchforstung laufen. Ein weiteres Risiko sei der Verbiss durch Rehe. In der derzeitigen Höhe seien die Pflanzen für das Rehwild noch unattraktiv, so der Förster. Angesprochen wurde hier das Thema Zäune. Dies mache allerdings nur auf einer kleinen Fläche Sinn. Forstdirektor Wilhelm Schmalen vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Bad Neustadt machte deutlich, dass hier eine entsprechende Bejagung des Rehwildes notwendig sei.

Gefragt wurde ebenfalls, ob der jeweilige Förster dem Wald nicht immer auch seinen „Stempel“ aufdrücken wolle. Die aktuelle Forstphilosophie sei auch immer ein Spiegelbild der derzeitigen Lebensphilosophie, so Schmalen. Man habe aus früheren Jahrzehnten gelernt. Gerade in den Nachkriegsjahren habe es einen Bedarf an schnell wachsenden Nadelhölzern gegeben. Inzwischen sei man jedoch wieder zu den naturnahen Laubwäldern zurückgekehrt.

An der zweiten Station wurde ein gelungenes Beispiel einer Naturverjüngung gezeigt. Auch wenn es für den Laien eher wie ein wildes Durcheinander aussieht, zeigen die mehr als mannshohen Pflanzen doch, wie gut dieses Prinzip funktioniert. Einen Wermutstropfen gibt es allerdings. In den letzten Jahren ist zunehmend das Eschentriebsterben, eine eingeschleppte Pilzkrankheit, auf dem Vormarsch. Auch im Oberstreuer Forst sind Schäden zu verzeichnen. Allerdings gebe es derzeit noch kein Gegenmittel, die Forschungen laufen erst an, so der Waldfachmann. Daneben war ein Fichtenbestand zu sehen. Im vergangenen Jahr hielt sich der Schaden durch den Borkenkäfer in Grenzen, auch heuer sind noch keine größeren Schäden zu sehen. Hier ist eine Pflanzung mit Buchen aus der eigenen Naturverjüngung vorgesehen.

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