BAD KÖNIGSHOFEN

Die Wildkatze ist zurück im Grabfeld

Wildkatzen sind kräftiger gebaut als Hauskatzen, haben einen buschigeren Schwanz mit dunklen Ringen und einem stumpfen, schwarzen Ende. Dieses Bild entstand im Wildpark Tambach bei Coburg. Foto: Anton Reinhardt

Die Liebe zur Natur wurde ihm sozusagen in die Wiege gelegt. Schon in frühester Kindheit nahm sein Onkel und Wildhüter Edgar Damm den 1945 in Breitensee Geborenen mit in die Natur und machte ihn mit ihr vertraut.

Immer in der Natur

Heute ist der ehemalige Bad Königshöfer Geschäftsmann Bernd Ress seit fast 40 Jahren in der Natur unterwegs. Er betreut mittlerweile über 300 Nistkästen, die er in den Wäldern rund um die Ortschaften Herbstadt und Breitensee aufgehängt hat. Außerdem besitzt er in diesem Gebiet vier Waldparzellen mit einer Gesamtfläche von sieben Hektar, in denen er akribisch darauf achtet, dass die Natur ungestört „ihren Lauf“ nehmen kann. Nur wenn absolut notwendig, wie beispielsweise bei einer massiven Schädlingsbedrohung, greift er aktiv ein. Es vergeht praktisch kein Tag, an dem er nicht in Sachen Natur in Wald und Flur rund um die beiden Ortschaften Breitensee und Herbstadt mit seinem Caddy unterwegs ist.

Katze ging in die Fotofalle

Ein alles andere als alltäglicher Schnappschuss gelang ihm vor kurzem: An einem der von ihm betreuten Futterplätze tauchte eine Wildkatze auf, wie eine Aufnahme auf seiner „Fotofallenkamera“ dokumentierte. Bereits früher hatte ihm eine Jägerin aus Herbstadt berichtet, dass sie in ihrem Revier eine ungewöhnlich große Katzenart mit einem auffälligen buschigen und kurzen Schwanz, vermutlich eine Wildkatze, gesehen habe. Die äußerst scheuen Tiere bekommt man nur ganz selten zu Gesicht.

Diplombiologe Jürgen Thein, mit dem Ress schon seit mehr als zehn Jahren Kontakt hat, ist im Auftrag des Bundes Naturschutz für die Wiedereingliederung der Wildkatze bayernweit verantwortlich. Er betreut seit 2004 das Wildkatzenprojekt im fachlich-wissenschaftlichen Bereich. Die Wildkatze sei im 18. und 19. Jahrhundert als Raubtier gejagt worden und praktisch ausgerottet gewesen. „Tatsächlich ernährt sie sich fast ausschließlich von Mäusen und hatte – wie im 18./19. Jahrhundert vordergründig dargestellt – absolut nichts mit einem Angriffstier gemein. Das falsch verbreitete Bild vom Raub- und Angriffstier wurde damals vorgeschoben, hauptsächlich als Begründung zur Befriedigung des Jagdtriebs. In der intensiven Bejagung ist auch der Hauptgrund für das ausgeprägt scheue Verhalten des Tieres zu erklären. Nur die scheuesten haben überlebt und Vorsicht und Zurückgezogenheit haben sich so als genetische Eigenschaften dominant vererbt“, so der in den Hassbergen ansässige Biologe.

Zuwanderungen aus Thüringen

An einem Futterstand in einer der im Besitz von Bernd Ress befindlichen Waldparzellen entstand vor kurzem diese Nachtaufnahme. Gut zu erkennen der buschige und für die Wildkatze typische dreifach schwarz geringelte Schwanz. Foto: Bernd Knahn

Seit den 80er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts versucht man durch Auswilderungsmaßnahmen die Wildkatzenpopulation wieder anzuheben. Zuwanderungen für das geschützte Tier sowohl für Rhön-Grabfeld und für die Hassberge sind aus Thüringen zu verzeichnen. Dort gibt es mit dem 16 000 Hektar großen Naturschutzgebiet Hainich das größte zusammenhängende Waldgebiet Deutschlands, das sich zu einem „Eldorado“ für die Wildkatze entwickelt hat.

„Die Wildkatze bevorzugt ein strukturreiches Gelände mit großen zusammenhängenden Waldgebieten, wie es auch Rhön und Hassberge bieten und wo sie Deckung und Schutz findet. Gebiete mit ähnlichen Strukturen zu schaffen und diese untereinander durch Wald- oder Grünkorridore zu vernetzen und so den Lebensraum der Wildkatze zu erweitern, ist eine der Hauptaufgaben des Wildkatzenprojektes“, sagt Thein.

Etwa 100 Wildkatzen in Rhön/Grabfeld

Der Herbstädter Naturschützer Bernd Ress kontrolliert regelmäßig seine Fotofalle. Über die Jahre hat er schon hunderte von außergewöhnlichen Tieraufnahmen gesammelt, unlängst die von einer Wildkatze. Foto: Bernd Knahn

Vorsichtige Schätzungen gehen in Bayern mittlerweile von ca 500 Tieren, davon allein 100 im Rhön-Grabfeld, aus. Eines davon war vor kurzem in einer der Waldparzellen von Bernd Ress zu Gast, der von einem männlichen Einzelexemplar ausgeht. Als „Lockvogel“ diente ein mit Baldrian getränkter Holzstab, an dem sich das Tier gescheuert hat. So konnte die DNA und das Geschlecht ermittelt werden. Wenn die vom Diplombiologen Thein angestrebten Vernetzungen von für Wildkatzen geeigneten Gebieten realisiert werden, wäre es sicher nicht unmöglich, dass das von Bernd Ress fotografierte Exemplar nicht alleine bleiben und möglicherweise einen weiblichen Partner finden wird. Ob das gelingen wird, und ob sich so auch innerhalb des Gradfelds eine größere Wildkatzenpopulation entwickeln wird, bleibt eine spannende Frage.

Sicher wäre es ganz im Sinne des engagierten Herbstädter Naturliebhabers und -schützers, wenn sich die Wildkatze in den Wäldern in und um Breitensee und Herbstadt wieder vermehren würde.

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