ALSLEBEN

Die unermüdlichen Wanderer aus „Klein Belfort“

Endlich am Ziel: Die letzten 20 bis 30 Kilometer waren für die Gruppe aus Alsleben am schlimmsten. Foto: Toni Zeislein

Am gemeinsamen Wandern hatten die Männer aus Alsleben schon lange Spaß, jetzt haben sie ihr Bravourstück abgeliefert: Neun Teilnehmer liefen in einem Stück mehr als 100 Kilometer auf dem Rennsteig von Oberhof bis Blankenstein. Mit dabei, damit alle durchhalten, waren zwei Versorger, die an den jeweiligen Etappenzielen für die Verpflegung zuständig waren und auch das Gepäck an Bord hatten.

Dann packte sie der Ehrgeiz

Am Anfang stand die Idee, die von Jochen Kreß ausging. Nachdem die Gruppe, überwiegend Nachbarn aus dem Neubaugebiet in Alsleben, unter Insidern als „Klein Belfort“ bekannt, bereits mehrmals 50 Kilometer zum Kreuzberg unterwegs waren, absolvierten sie im vergangenen Jahr 80 Kilometer in einem Stück. „Dann hat uns der Ehrgeiz gepackt“, berichtet Toni Zeislein, in der Gruppe für Dokumentation und Statistik zuständig. „Wir wollten ausprobieren, ob auch 100 Kilometer möglich sind.“

Keinen Schlaf in der ersten Nacht

Jochen Kreß legte die Tour fest und teilte sie ungefähr in Etappen zu je 20 Kilometern ein, dann folgte jeweils eine Ausruh- und Verpflegungspause. Ausgerechnet bei Tourbeginn regnete es, aber das konnte die Männer nicht abhalten. Auf dem Parkplatz in Oberhof ließen sie ihre Autos stehen und starteten am Freitag um 14 Uhr. Dass sie in dieser Nacht keinen Schlaf haben werden, war allen klar.

Endlich gab es etwas zwischen die Zähne

Um sich im Dunklen nicht zu verlaufen, hatten die Wanderer die Nachtstrecke schon einmal tagsüber absolviert. Der Rennsteig sei jedoch sehr gut ausgeschildert, da sind Irrtümer fast ausgeschlossen, erklärt Zeislein in einem Gespräch. Unterwegs freute sich jeder auf eine warme Mahlzeit, die von den Versorgern Helmut Valtenmeier und Rudi Albert in den Pausen serviert wurde, wenn möglich in einer der Schutzhütten. Ein Campingkocher leistete hier gute Dienste. Einmal kehrten alle in Steinbach in ein Café ein.

Frische Temperaturen gut fürs Wandern

Nachts ging die Temperatur bis auf vier Grad herunter, es war ziemlich frisch, aber zum Laufen besser als zu warm. „Gegen Morgen haben wir ein wenig geschwächelt, aber man bleibt in Bewegung und überwindet den Tiefpunkt“, berichtet Zeislein. Und wie ging es den Füßen? „Blasen hatte eigentlich jeder, aber darauf kann man keine Rücksicht nehmen“, so Zeislein. Jeder habe sein eigenes System. Manche wechseln ihre Schuhe mehrmals, andere nicht. Der eine schwört auf gut eingelaufene Schuhe, der andere hat neue mit dabei. Unterschiede zeigten sich auch beim Musikgeschmack. Ein Teilnehmer war für die Beschallung per W-LAN-Box zuständig, wobei die Meinungen über die Auswahl auseinandergingen. „Insgesamt verlief aber alles sehr harmonisch“, fasste Zeislein zusammen.

Jammern – Ja, aufgeben – Nein

„Am schlimmsten waren die letzten 20 bis 30 Kilometer“, berichtet der Alslebener. „Jeder hat gejammert, aber keiner wollte aufgeben.“ Am Samstag, um 16.20 Uhr erreichten die Wanderer nach exakt 103,6 Kilometern und nach 26 Stunden und 20 Minuten ihr Ziel. Die reine Laufzeit betrug 20 Stunden und 10 Minuten, dabei wurden 3476 Höhenmeter überwunden.

Alle wollten nur noch nach Hause

Im vergangenen Jahr hatten die Ehefrauen alle Teilnehmer in einem Gasthaus mit Applaus empfangen, das entfiel diesmal – alle wollten nur noch nach Hause. „Nie wieder“ sagten sie sich. Am nächsten Tag, nach dem Ausschlafen, sah die Welt schon wieder ganz anders aus und man kann davon ausgehen, dass schon wieder neue Pläne geschmiedet werden.

Die 100-Kilometer-Helden sind zwischen 45 und 56 Jahre alt. Mit dabei waren: Michael Müller, Bernd Roth, Jochen Kreß, Peter Kreß, Jürgen Schneidawind, Toni Zeislein, Klaus Roth, Dirk Wiesner und Helmut Hübner.

Rast in einer Schutzhütte: Auf die warmen Mahlzeiten freuten sich die Teilnehmer besonders. Foto: Toni Zeislein Regina Vossenkaul
Gute Begleiter sind wichtig: Helmut Valtenmeier und Rudi Albert sorgten für die Verpflegung und schliefen ein paar Stunden im Auto. Foto: Toni Zeislein
Rund 500 Kilometer haben die Schuhe von Toni Zeislein schon ausgehalten, den 100-Kilometer-Lauf haben sie auch unbeschadet überstanden. Foto: Regina Vossenkaul

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