Bad Neustadt

Die vielen Spuren des Vilmar Herden

Vilmar Herden feierte seinen 80. Geburtstag. Foto: Martina Harasim

Vor einigen Wochen feierte Vilmar Herden seinen 80. Geburtstag. Ist nun die Zeit gekommen, etwas kürzer zu treten? "Nein, eigentlich nicht", sagt Herden, "mein Terminkalender ist noch genauso dicht wie früher". Das wundert nicht. Vilmar Herden ist ein vielseitig interessierter und engagierter Zeitgenosse. Projekte, die er vor Jahrzehnten angestoßen hat und seither begleitet, wird er jetzt nicht ruhen lassen, nur weil er 80 wurde.

Den Bad Neustädtern wird Herden als der Mann bekannt sein, der 1965 nach Bad Neustadt kam und hier zunächst als Einzelkämpfer die Berufsberatung des Arbeitsamtes auf die Beine stellte. Berufsberater wurde er, nachdem er die Ausbildung zum evangelischen Diakon abgebrochen hatte. Der Grund: Damals durften Diakone erst mit 25 Jahren heiraten. Herden wollte seine Marianne aber schon früher ehelichen und musste sich entscheiden zwischen privatem Glück und beruflichen Zwängen. 

Studium nach der Pensionierung

Seine Chefs vom Arbeitsamt attestierten Herden bei der Verabschiedung in den Ruhestand 2001, er sei ein Individualist, Querdenker und Utopist gewesen. Als Herden bei der Pensionierung ankündigte, Architektur und freie Kunst in Weimar studieren zu wollen, mag das mancher als Utopie abgetan haben. Aber: Er hat tatsächlich sechs Jahre an der Bauhaus-Universität studiert. "Ich habe alle Arbeiten mitgeschrieben, aber keinen Abschluss gemacht", erzählt er in einem Gespräch mit dieser Redaktion.

Manche Bad Neustädter mögen Herden auch aus der Zeit kennen, als er sich politisch für die SPD im Kreis- und Bezirkstag engagierte. 1994 trat er als SPD-Landratskandidat gegen den CSU-Lokalmatador Fritz Steigerwald an. Er unterlag, errang aber immerhin 17,3 Prozent aller Stimmen. Als Kreisrat engagierte Herden sich besonders für junge Leute und Kinder. Der Grund dafür dürfte in seiner eigenen Kindheit liegen.  

Er ist im Waisenhaus aufgewachsen

Vilmar Herden und sein ein Jahr jüngerer Bruder Volker verloren 1943 die Mutter und kurz darauf auch den Vater. Die Jungen kamen ins Waisenhaus in Altdorf in Schlesien. Die Einrichtung wurde von Diakonissen aus dem Diakonissenhaus Friedenshort geführt. Anfang 1945 ging das ganze Heim auf die Flucht, um schließlich 1946 im vollständig heruntergekommenen Schloss in Oberlauringen (Landkreis Schweinfurt) ein neues Domizil zu finden.

14 Jahre lebte Herden in dem Friedenshort. Die Diakonissen waren in seiner Kindheit und Jugend seine Familie, waren für ihn da und boten ihm Geborgenheit, erzählt er. Und da man in einer Familie füreinander einsteht, arbeitet Herden auch heute noch im Leitungsgremium der Einrichtung und hat ein Buch veröffentlicht, in dem er die Geschichte des ehemaligen Mädchenwaisenhauses aufarbeitet und mit seiner eigenen Lebensgeschichte verknüpft. 

Freundeskreis von Yad Vashem

Ein weiteres Projekt Herdens ist der Freundeskreis von Yad Vashem in Deutschland. Der Verein hat sich zum Ziel gesetzt, die Arbeit der Gedenkstätte zu fördern, das Gedenken an den Holocaust und die Lehren, die daraus zu ziehen sind, wach zu halten und zu vermitteln. Die Kontakte knüpfte er 2001, als er als Delegierter des Kreistags Rhön-Grabfeld, der Stadt Bad Neustadt und der evangelischen Kirche in Israel an einer Konferenz teilnahm.

Gärtnern ist seine Leidenschaft

Ein Projekt, von dem er nicht lassen kann, ist das Gärtnern. Eine Leidenschaft, die er mit seiner zwei Jahre älteren Frau Marianne teilt. "Wir sind Gärtner", erzählt er und berichtet von seinem Gartengrundstück an der Els. In der Nähe hat sich ein Biber eingenistet, der fleißig an seinem Damm baut. Pech nur, dass der Biber keinen Respekt vor den Obstbäumen im Garten der Herdens hat. Also hat der Senior die Bäume mit Draht umgeben, um sie vor den Zähnen des Bibers zu schützen. So lebt die Familie Herden nun in friedlicher Koexistenz mit dem Nagetier.   

Wie hält man sich fit für so viele Aufgaben? Mit Sport. Jeden Tag macht der 80-Jährige Zirkeltraining. Und jeden  Morgen läuft er mit seiner Frau um den Grasberg. Und wenn er dann immer noch Energie hat, dann tobt sich der Vater von vier Kindern im Garten seines Sohnes auf. Dieser hat ein Ferienhaus in Schweden. Dorthin sind die Herdens gereist, um den 80. Geburtstag zu feiern. Und weil sie schon mal dort waren, haben Marianne und er den Garten auf Vordermann gebracht. Und dann hat Vilmar Herden noch eine Treppe für die Terrasse gebaut. Das macht er mit links. Die Schreinerei ist schließlich der erste Beruf, den er gelernt hat.    

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