Sternberg

Die zwölf heiligen Nächte in Rhön und Grabfeld

Das Breitenseer Christkind ist heute noch ein einmaliger Brauch in Bayern. Das Christkind, der Hirte, ein König und der Sternträger gehen an Heiligabend durch das Dorf und beschenken dort die Kinder. Zuvor werden sie an Heiligabend in der Ortskirche ausgesandt. Foto: Hanns Friedrich

Seit vielen Jahren sammelt Kreisheimat- und Archivpfleger Reinhold Albert (Sternberg) Bräuche. Dazu gehören natürlich die, rund um die Advents- und Weihnachtszeit. Die findet man unter anderem in seinem Buch mit dem Titel „Silberstrauß und Ringelein, silbern ist das Mägdelein!“ Das Buch  ist im Buchhandel sowie bei der Druckerei Mack in Mellrichstadt erhältlich. Besonders bekannt sind heute noch die zwölf Heiligen Nächte. Dass sie nicht mehr die Bedeutung, wie früher haben, ist klar, aber es ist immer wieder interessant, zu erfahren, wie man in früheren Zeiten die unzähligen Bräuche in Rhön und Grabfeld unterschiedlich erlebte. Der Kreisheimatpfleger erzählt von Rothausen, wo einst während der sogenannten Christnächte keine Linsen gekocht werden durften, da die Leute sonst im kommenden Jahr Geschwüre bekämen.

In Großbardorf stellten die Kinder Weihnachten, wenn das Christkind kam, Teller auf den Herd. Sie mussten in die Stube, um zu beten. Danach nahm die Mutter in der Küche die Ofengabel und stocherte im Kamin herum, so dass es ein ordentliches Getöse gab. Die Kinder wussten jetzt, dass das Christkindlein zum Kamin hereinfuhr, sprangen in die Küche, holten ihre gefüllten Teller  und trugen sie in ihre Zimmer. Anschließend wurde der Christbaum unter großem Jubel geschmückt. In der Christnacht nach der Mette wurde in Großbardorf einst die größte Wurst im Kreise der Familie gegessen. Aus Herbstadt, aber auch aus Unterweißenbrunn ist überliefert, dass während der Christmette zwölf Zwiebelhäute aufgestellt wurden. In jede wurde eine kleine Menge Salz gegeben. Die Menge der Feuchtigkeit, die sich zeigte, wurde als Hinweis betrachtet, wie die Witterung der kommenden zwölf Monate sein würde.

Das Vieh steht auf

Aus Mittelstreu ist überliefert, dass das Vieh beim Läuten zur Christmette aus Ehrfurcht vor dem neugeborenen göttlichen Kind aufstand. Nachts um  halb Elf Uhr riefen in der kleinen Haßberggemeinde Aub im Grabfeld die Glocken zur Christmette. Man erzählte sich, das Vieh stehe um Mitternacht auf, wenn das „Te Deum“ läutet und hauche in den Barren. Es wolle damit das Christkind wärmen.

Aus Saal ist das Sprichwort überliefert: „Weiße Weihnachten, grüne Ostern, grüne Weihnachten, weiße Ostern.“ Im Volk glaubte man weiter, dass niemand während der Weihnachtsmette in den Stall durfte, da ansonsten im folgenden Jahre in der Familie jemand stürbe. Häufig war im Grabfeld früher der Brauch anzutreffen, dass an Weihnachten manche Bauern unter der Mette dem Vieh eine Tränke mit Kleie und Salz bereiteten. Dazu gegeben wurde aus dem Würzbüschel, der an Maria Himmelfahrt (15. August) in der Kirche geweiht worden war und auch Wermut. Rund um die Lederhecke im südöstlichen Grabfeld hatten vor allem die zwölf Nächte eine besondere Weihe und Bedeutung. Keine Hausfrau wagte es, die große Wäsche in diese Tage zu verlegen. Die großen Wäschestücke, die beim Aufhängen die Nacht über gefroren und in diesem Zustande einer aufgehängten und steif gewordenen Kuhhaut nicht unähnlich sahen, deuteten auf Unglück im Stall.

Fruchtbarkeit der Obstbäume

Auch die Fruchtbarkeit der Obstbäume wusste in Sulzdorf ein alter Brauch um diese Zeit vorauszusagen. Beim Zweiuhrläuten am Nachmittag des Heiligabend ging man in den Obstgarten und umband die Bäume mit je einem dünnen Strohseil. Das sollte vor Frost und Raupenfraß schützen und würde Obst in Hülle und Fülle bringen, wusste der Volksglaube.

In Sternberg im Grabfeld vollzog der Haushaltsvorstand jeweils in den sogenannten drei heiligen Nächten, an Heiligabend, Silvester und einen Tag vor Dreikönig, folgendes Ritual: Abends wenn das Vieh gefüttert war, suchte er den Stall auf, streute in die Tröge geweihtes Salz, das am „Goldenen Sonntag“ (jeweils erster Sonntag im Monat) in der Kirche geweiht worden war. Außerdem besprengte er den Troginhalt mit Weihwasser. An den Stalltüren und der Haustür wurde zusätzlich in der Nacht vor Dreikönig mit Bleistift ein Kreuz aufgezeichnet, und dieses ebenfalls mit Weihwasser besprengt. Durch diese Handlung sollte das Glück in Haus und Hof gewährleistet sein.

Ausblick auf das Erntejahr

Während der Mette mussten im Hofraum Säcke, Stofffetzen und ähnliches aufgeräumt sein, ist aus Wülfershausen überliefert. Diese Gegenstände mussten unter Dach und Fach gebracht sein, damit der „böse Geist“ keine Gewalt über Haus und Hof bekam. Auch war folgendes Sprichwort zu hören: „Dunkle Mette - helle Scheuer, helle Mette - dunkle Scheuer!“. Das bedeutete, dass bei einer klaren Christnacht die Scheune im kommenden Jahr randvoll aufgefüllt werden könne, es also ein gutes Erntejahr geben würde.  Am Heiligen Abend vor dem Mettengang nahmen heiratslustige Mädchen ein Holzsscheit und stießen damit gegen den Hühnerstall, denn: „Gackert der Hahn, kommst bald dran, gackert die Henn', wer weiß wenn!“. . Ebenso beschreibt er den Verlust oder die Aufgabe einer Tradition, eines Brauches..

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