WILLMARS

Diskussion in Willmars: Zehn Asylbewerber sind willkommen

Finden Asylbewerber bald eine Unterkunft in Willmars? Bei der Bürgerversammlung war die Mehrheit der Bürger damit einverstanden, es zunächst mit zehn Asylbewerbern zu versuchen. Sie sollen nach Möglichkeit in die Dorfgemeinschaft integriert werden, um Langeweile und Frust (Symbolbild) vorzubeugen. Foto: Jens Büttner/dpa

Ein heikles Thema brachte Bürgermeister Reimund Voß beim Bürgerforum aufs Tapet: In Willmars sollen Asylbewerber untergebracht werden. Die Meinungen zu dem Thema sind zwiegespalten.

Die ehemaligen Grenzerhäuser in der Waldstraße gehören dem Freistaat Bayern. Bis zur Wiedervereinigung haben dort Grenzbeamte gewohnt und ihren Dienst verrichtet. Die Häuser wurden später zum Kauf angeboten, jedoch hatte sich kein Interessent gefunden. Jetzt sucht die Regierung von Unterfranken nach Möglichkeiten, Asylbewerber unterzubringen. Im Landkreis halten sich derzeit etwa 110 Asylbewerber auf, 65 in einer Gemeinschaftsunterkunft in Bad Königshofen, weitere 20 in Ostheim, jeweils zehn in Salz und Oberelsbach, dazu weitere Personen auf kleinere Einheiten verteilt, wusste Reimund Voß zu berichten.

Die Überlegungen der Regierung gingen nun dahin, mindestens 30 Personen in den Zollgrenzhäusern unterzubringen. Angepeilt werden aber eher mehr: Ins Auge gefasst wurden acht Wohnungen, von denen jede mit sechs Personen belegt werden könne, so Voß. Derzeit sind aber nur fünf Wohnungen frei. Doch wenn sich die verbleibenden Mietparteien andere Wohnungen suchen, könnten rechnerisch 48 Asylbewerber unterkommen.

Fürsorge fürs Kinderheim

„Dagegen sind Landrat Thomas Habermann und ich Sturm gelaufen“, versicherte das Ortsoberhaupt. Man habe als Argument angeführt, dass im Dorf das Kinderheim Nicolhaus untergebracht ist und die Zöglinge besondere Fürsorge genießen. Eine große Anzahl an weitgehend unbeaufsichtigten Fremden könnte da kontraproduktiv wirken, so Voß. Die einzige Betreuung der zumeist männlichen Asylbewerber wäre durch einen teilzeitbeschäftigten Hausverwalter gegeben und durch zwei Sozialarbeiter des Diakonischen Werks, die von Schweinfurt aus die Landkreise Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld betreuen.

Voß und Habermann hätten bei der Regierung vorgebracht, dass das Dorf höchstens eine Anzahl von zehn Asylbewerbern verkraften könne. Eine größere Anzahl an Fremden sei nur schwer zu integrieren. Nach den Vorschriften sei die Regierung verpflichtet, Asylbewerber in Gemeinschaftsunterkünften unterzubringen. Gemeinschaftsunterkünfte fangen begrifflich dann an, wenn mindestens 30 Asylbewerber in einer Einrichtung untergebracht sind, so Voß. Um über diese Klippe hinwegzukommen, könnten die 20 in Ostheim ansässigen und die zehn für Willmars vorgesehenen Bewerber eine Gemeinschaftsunterkunft bilden, eine als Hauptstelle, die andere als Filiale. Die Hauptstelle sollte in Willmars sein, weil das Objekt mehr Platz hat und bei der Unterbringung von Asylbewerbern auch ein Verwaltungsraum mit einem Hausverwalter vorhanden sein sollte, der in Teilzeit im Auftrag der Regierung die Verwaltung übernimmt, so Voß. Er habe das Interesse der Gemeinde bekundet, diesen Hausverwalterposten mit Kostenersatz durch die Regierung zu besetzen. Dagmar Geier ist zurzeit Hausmeisterin für die Grenzerhäuser, „sie wäre für mich die erste Wahl“.

In Vereine integrieren

Die Asylbewerber könnten auch Nutzen für das Dorf bringen, meinte er. Die untergebrachten Leute bekämen Lebensmittelgutscheine, die sie dann im Dorfladen einlösen könnten. Das wiederum könnte den Laden stabilisieren. Zur Integration wäre es schön, wenn die Vereine auf die Menschen zugehen würden. „Ich habe bereits beim Sportverein darum geworben, die Leute in die bestehenden Sportangebote einzubeziehen“, sagte der Bürgermeister. Dagegen hätte kein Willmarser etwas einzuwenden gehabt.

Obgleich, so fügte Voß an, man nicht auf das Versprechen der Regierung vertrauen werde, nur zehn Asylbewerber zu schicken. Es bestehe die Möglichkeit, dass die Zahl nach und nach anwachsen werde. Deswegen sollen seiner Meinung nach im Rahmen dieses politischen Kompromisses die Häuser in das Eigentum der Gemeinde Willmars übergehen, „so dass uns nicht fremdbestimmt etwas aufgedrückt wird“, wie Voß sagte.

Probleme hochgespielt?

Reinhold Herbst merkte an, dass er bisher gut mit Ausländern zurechtgekommen sei und das Ganze hochgespielt werde. Er fragt, ob es Sinn mache, wenn die Gemeinde Gebäude kauft, wo sie schon genug zu unterhalten habe. Jürgen Bohn sah das Problem darin, dass die Asylbewerber in Deutschland nicht arbeiten dürfen. Egal, wie viele kämen, wenn sie nicht integriert werden und nicht arbeiten können, werde es kritisch: „Bei Langeweile entstehen Probleme.“ Bei zehn Personen könnte es klappen, bei 30 sei man überfordert. Dieser Ansicht war auch Horst Baumbach.

Einem anderen Besucher zufolge sollte erst eine kleinere Gruppe im Ort untergebracht werden, um zu sehen, ob die Integration gelinge. Dann könne man sich weiter öffnen. Bürgermeister Reimund Voß bestätigte, dass während des Asylverfahrens ein Arbeitsverbot bestehe, jedoch könnten die Bewerber bei der Gemeinde Ein-Euro-Jobs wahrnehmen. Sobald Asylbewerber als Flüchtlinge anerkannt würden, dürften sie arbeiten.

Helga Seidel-Barthelmes war der Meinung, dass die bayerische Regierung versuche, den Asylbewerbern den Aufenthalt nicht angenehm zu machen. Es wäre gut, wenn sie auf dem Land besser integriert würden. Erika Barthelmes findet es unchristlich, 50 Leute in den Grenzerhäusern unterzubringen und sich dann nicht um sie zu kümmern. Wenn zwei Familien angesiedelt würden, könnte man das in Willmars durchaus verkraften. Sie sei jederzeit bereit, unterstützend mitzuwirken.

Eine weitere Besucherin stellte fest, dass es nur funktionieren könne, wenn die Rahmenbedingungen stimmten. Eine bestimmte Anzahl an Asylbewerbern dürfte nicht überschritten werden. Man müsse aber sehen, dass sie gut betreut würden. Sie findet den vorgeschlagenen Weg der Gemeinde gut. Der überwiegender Tenor der Anwesenden war, dass man es zunächst mit zehn Asylbewerbern in Willmars versuchen und dann weitersehen solle.

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