UNTERWALDBEHRUNGEN/MALLORCA

Ein Besengauer unter Spaniens Topköchen

Seine Fernsehlaufbahn hat Marcel Ress seiner Küchenmannschaft zu verdanken. Foto Archiv Ress

Marcel Ress hat sich entschieden: Bis 30 will er „Vollgas geben“ und es dann ruhiger angehen lassen. Nun ist der Unterwaldbehrungener 27 und Chefkoch des Spitzenrestaurants Simply Fosh in Mallorcas Hauptstadt Palma. Ganz nebenbei macht er bei einer spanischen Kochsendung Karriere, als er sich aus Tausenden von Bewerbungen und gegen 180 Spitzenköche durchgesetzt hat und nun in der Endrunde um den Sieg kämpft.

Die Weichen waren bei ihm schon früh gestellt, erzählt Marcel Ress während der Mittagspause im Telefonat von der Ferieninsel. Schon in seiner Kindheit habe er viel beim Kochen zugeschaut. Ein Foto zeige ihn als Achtjährigen, wie er mit seiner Oma am Herd herumwerkelt. Damals war für ihn schon klar: „Wenn ich groß bin, werde ich Koch“. Als junger Bursche hat er dann schon in der Dorfwirtschaft ausgeholfen, und nach der Schulzeit tat er alles, um sein Versprechen einzulösen.

Mit 15 hatte er in der Küche des Rhön-Klinikums ein Praktikum absolviert und ist dort auch zunächst geblieben. Nach der Lehre zog es ihn die Ferne, erst ging er nach Österreich, wo er in mehreren Sternerestaurants Erfahrung sammelte. Durch Zufall lernte er 2008 seinen jetzigen Chef kennen und wechselte für einen kurzen Zeitraum nach Mallorca, um dort auch mit dem inzwischen in Deutschland gut bekannten Fernsehkoch Nils Egtermeyer zusammenzuarbeiten. Er kehrte noch einmal für kurze Zeit nach Deutschland zurück, ehe er sich dann doch für Mallorca entschied.

Inzwischen ist er Küchenleiter im Simply Fosh, einem Sternerestaurant in Palmas Altstadt, und macht im Fernsehen Karriere. Seine erste Sendung in einem spanischen Privatsenders war „Mein Lokal, dein Lokal“, bei der sich Spitzenköche gegenseitig bewerten mussten und die er als Sieger beendete.

Seine neueste Herausforderung ist die in Spanien äußerst beliebte Kochshow „Top Chef“ auf Antenea 3. Zur Teilnahme habe ihn seine Crew im Restaurant fast genötigt, sagt er lachend. Beim Casting hatte er sich gegen 180 Chefköche durchgesetzt und kämpft nun als einziger Deutscher in der Endrunde gegen 15 Kandidaten. Insgesamt sind in der dritten Staffel des Wettbewerbs 15 Folgen vorgesehen. Nach jeder Sendung scheidet ein Teilnehmer aus. Die Sendung läuft jeden Mittwoch um 22.30 Uhr und wurde am 9. September zum ersten Mal ausgestrahlt.

Angesichts des vollen Programms ist Freizeit nahezu ein Fremdwort. Schon die täglich Arbeitszeit von etwa 10 bis 15.30 Uhr und 18.30 bis 24 Uhr lasse kaum die Möglichkeit für ein Privatleben. Wenigstens einen Tag pro Woche versuche er sich freizuhalten, was während der Aufzeichnungen für die Kochshow von Mai bis Juli kaum möglich gewesen sei. Ständig reiste die Crew herum und er war nur noch unterwegs. Da er derzeit solo ist, konnte er sich das erlauben, eine Partnerschaft würde in seiner derzeitigen Situation wahrscheinlich nicht überleben, meint der junge Mann.

Doch demnächst will er neue Wege gehen. Seine bisherige Arbeitsstätte will er verlassen und sich neu orientieren. Ob er ein eigenes Restaurant eröffnet, lässt er noch offen. Die Sendung werde auf jeden Fall für ihn einen Karriereschub bedeuten. Natürlich hofft er aber auf ein gutes Abschneiden - „und dann mal sehen wie es weitergeht“.

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