EUßENHAUSEN

Ein Steingrab vor dem alten Wachturm

Eine ungewöhnliche Skulptur am ehemaligen Grenzübergang Eußenhausen Henneberg: Jimmy Fell hat ein Grab ausgehoben und zur Erläuterung eine Holztafel aufgestellt, auf der Zeilen eines Gedichts des Schriftstellers J. Jewtuschenko zu lesen sind. Im Hintergrund „der Erschossene“, dahinter der einstige DDR-Wachturm. Foto: Hanns Friedrich

Der Berliner Aktionskünstler Herbert (Jimmy) Fell hat am Skulpturenpark auf der Schanz ein neues Kunstwerk installiert. Am ehemaligen Grenzübergang zwischen Eußenhausen und Henneberg wurde seit der Grenzöffnung eine Vielzahl von Kunstwerken installiert, die sich vorwiegend mit dem Thema „DDR-Regime und DDR-Grenze“ befassen. Da ist die „Goldene Brücke“ direkt auf dem ehemaligen Grenzstreifen gebaut, die Figur des Barbarossa, der Junge mit der Deutschlandfahne oder die beeindruckende Skulptur „Der Erschossene“. Dahinter ragt der ehemalige Wachturm der einstigen DDR-Grenzabsicherung in die Höhe. Ein beeindruckendes Bild, das an die deutsch-deutsche Teilung erinnert.

Nun kommt eine neue, eine außergewöhnliche Skulptur hinzu: ein offenes Steingrab. 1,30 Meter tief und in direkter Verbindung zur Skulptur des Erschossenen und zum Wachturm. „Das ist genau so gewollt“, sagt der aus Niederlauer stammende Aktionskünstler Jimmy Fell. In Gedanken spielt er das Drama eines Flüchtlings ab. Er hat den Wachturm passiert, wird dann aber entdeckt und erschossen. Wenige Meter weiter fällt er zu Boden. „Genau hier könnte das gewesen sein, und deshalb ist hier auch das Grab ausgehoben“, sagt Jimmy Fell. Dann zeigt er auf den angrenzenden Wald, wo ein Schild mit der Aufschrift „Freiheit“ steht. Nur wenige Meter weiter hätte der Flüchtling den Westen und damit die Freiheit erreicht.

Die Steingrab-Skulptur erklärt sich aber jedem Betrachter von selbst, denn rechts davon, in einen Steinhaufen, hat Jimmy Fell folgende Zeilen geschrieben: Meinst Du, die Russen wollen Krieg? Befrag die Stille, die da schwieg im weiten Feld im Pappelhain. Befrag die Birken an dem Rain, dort, wo er liegt in seinem Grab, den russischen Soldaten frag! den deutschen . . ., den französischen . . ., den englischen . . ., den . . . Soldaten frag. Die ersten Sätze stammen aus der Feder des Schriftstellers J. Jewtuschenko, die letzen Zeilen von Jimmy Fell. Sie hat er im Bezug auf die weltweiten Kriege angefügt.

Wie kam es zu dieser neuen, ungewöhnlichen Skulptur am Skulpturenpark? In einer Berliner Zeitung las der Aktionskünstler das Gedicht von Jewtuschenko. „Das hat mich letztendlich auf die Idee gebracht, die Grabskulptur hier zu schaffen.“ Fell hat hart dafür gearbeitet. Denn unter der oberen Grasschicht stieß er auf Stein. Drei Tage lang entfernte er mit dem Meisel Steinplatte um Steinplatte und grub das 1,30 Meter tiefe Grab auf der Schanz. Und Jimmy Fell müsste nicht Jimmy Fell sein, wenn er sich nicht selbst einmal probeweise in das Grab gelegt hat, um zu sehen, ob es wirklich die richtige Größe für einen Menschen hat.

Das Thema „Grabskulptur“ beschäftigt den Künstler schon seit einigen Jahren. Vor allem auch deshalb, weil er in seiner Studentenzeit als Totengräber nebenbei Geld für sein Studium verdiente, wie er verriet. Mittlerweile ist das Grab wieder abgedeckt, „denn es muss erst entsprechend abgesichert werden“. Eine Aufgabe, welche die Landkreise Schmalkalden-Meiningen und Rhön-Grabfeld übernehmen sollen. Er hat sich mit dieser Bitte an die Kreisvertreter gewandt. Erst wenn eine ordentliche Absicherung vorhanden ist, wird er das Grab wieder öffnen und die Skulptur offiziell präsentieren.

1,30 Meter tief: Dreieinhalb Tage hat Jimmy Fell an dem Steingrab gemeißelt. Es hat eine besondere Aussagekraft im ehemaligen Grenzstreifen.

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