Bad Königshofen

Ein wirklich vorbildliches Kirchturm-Denken

Die evangelische Kirchengemeinde des kleinen Dorfes Irmelshausen musste 100 000 Euro zusammenbringen, um den maroden Kirchturm zu retten. Wie sie das geschafft haben.
Weithin sichtbar war drei Jahre lang der eingerüstete Kirchturm der vor 500 Jahren erbauten St. Jakobuskirche. Der Turm musste dringend saniert werden.
Weithin sichtbar war drei Jahre lang der eingerüstete Kirchturm der vor 500 Jahren erbauten St. Jakobuskirche. Der Turm musste dringend saniert werden. Foto: Beate Hofmann-Landgraf

Glauben kann Berge versetzen, wie eine biblische Weisheit sagt. Um in diesem Bilde zu bleiben, vor drei Jahren stand der Kirchenvorstand quasi vor einem Mount Everest. 100 000 Euro sollten aufgebracht werden als Beitrag für die rund 1,2 Millionen Euro teuere Sanierung des Kirchturms, der tiefe Risse im Mauerwerk aufwies und dessen Wände sich zwar immer noch zur Seite neigen, jetzt aber stabil sind. Und das alles, obwohl man schon bei der wenige Jahre zurückliegenden Orgel- und Innensanierung bis an die Grenze des finanziell Möglichen gegangen war. Doch fester Glaube macht auch erfinderisch, wie sich zeigte. Was das zur Mittelbeschaffung eigens gegründete Fundraising-Team alles auf die Beine stellte, hat jedenfalls Zeichen gesetzt - und das nicht nur in Irmelshausen.  

Das Fundraising-Team mit: Beate Hofmann-Landgraf, Isolde Dippert, Anneliese Mauer, Peter Reutelshöfer, Monika Naber, Claudia Filbry, Karl-Georg Hey, Anitra Sturdza, Ralf  Fritz, Alexandra Röhner, Adrian Müller und Eva Geiss.
Das Fundraising-Team mit: Beate Hofmann-Landgraf, Isolde Dippert, Anneliese Mauer, Peter Reutelshöfer, Monika Naber, Claudia Filbry, Karl-Georg Hey, Anitra Sturdza, Ralf Fritz, Alexandra Röhner, Adrian Müller und Eva Geiss. Foto: Christine Uhlein

Die Begeisterung, mit der das zwölfköpfige Team zu Werke ging, wirkte so ungemein ansteckend, dass Pfarrerin Beate Hofmann-Landgraf noch jetzt tief gerührt ist, wenn sie sich die Geschichte vor Augen führt. Etwa, wenn sie an die Frau denkt, die einen Monatslohn ihres 450-Euro-Jobs gespendet hat. Für die Pfarrerin spiegelt sich in solchen Aktionen die tiefe Liebe der knapp 300 Seelen zählenden Kirchengemeinde gegenüber ihrer Kirche wider, wobei es um viel mehr als nur Geld gegangen ist. "Da war das Herz dabei", sagt die Pfarrerin. Mitgemacht haben irgendwie alle, auch Katholiken und Menschen ohne Konfession. Das Anliegen, diesen Kirchturm zu erhalten, ließ alle Grenzen verschwimmen. 

Schweinchen mit Scheinchen mästen bis zum großen Schlachttag

Und was sie sich nicht alles haben einfallen lassen.  Wie wär es mit einem Schlachtfest der besonderen Art? Bei einer Gemeindeversammlung, an der das Vorhaben vorgestellt wurde,  gab es Sparschweine zu kaufen, die zu Hause gemästet werden sollten. Bei einer echten "Schlachtschüssel" wurden dann auch die Porzellan-Schweinchen  geschlachtet. Weinfeste, Adventsbasare, Mundart-Rallyes, ein Weihnachtsmarkt, eine Altpapier- und eine Altkleidersammlung - viele halfen mit, um Veranstaltungen erfolgreich zu gestalten und die notwendigen Erlöse zu erzielen. 

Schwein gehabt: Nicht nur, weil sich die Spardosen zur Turmsanierung füllten, sondern weil die Aufgabe für viele Irmelshäuser zur Herzensangelegenheit wurde. 
Schwein gehabt: Nicht nur, weil sich die Spardosen zur Turmsanierung füllten, sondern weil die Aufgabe für viele Irmelshäuser zur Herzensangelegenheit wurde.  Foto: Beate Hofmann-Landgraf

Unvergessen ist natürlich auch der Auftritt des bayerischen Polizeiorchesters zum Jubiläum des Posaunenchors Irmelshausen-Höchheim. Sogar ein Schnaps  wurde gebrannt und verkauft. In der Aufzählung darf die "Spendenkirche", die ein Gemeindemitglied nach dem Original gebaut hatte, natürlich nicht fehlen. Ebenso nicht vergebens waren die Bitten um Spenden bei ortsansässigen Firmen und Banken sowie ehemaligen Ortsbürgern.      

Nach drei Jahren ist das Geld so gut wie zusammen

So viel Engagement blieb auch außerhalb von Irmelshausen nicht unbemerkt. Zur 500-Jahr-Feier der St. Jakobuskirche im  Juni vergangenen Jahresmachte Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm seine Aufwartung und durfte die gute Nachricht entgegennehmen, dass von den anvisierten 100 000 Euro bereits 80 000 eingenommen wurden.  Jetzt ist die Summe fast zusammen. Im September soll dann der gelungene Abschluss des dreijährigen Marathons gefeiert werden.

Die Schirmherrschaft über die Kirchenrenovierung hat übrigens die ehemalige Patronatsfamilie von Bibra übernommen, deren Vorfahren 1518 die Kirche gebaut hatten. Das Patronat gab der Familie auf, einen Teil des finanziellen Aufwands zu tragen, im Gegenzug dazu durften die von Bibras auch den Pfarrer bestimmen. Yvonne Freifrau von Bibra, die als Sprecherin beim Bayerischen Rundfunk arbeitet, hatte sich unter anderem bereiterklärt, Lesungen in der Kirche zu halten und andere zu animieren, das gleiche zu tun.

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