BAD KÖNIGSHOFEN

Eine Währungsreform a la Grabfeld

Hier gibt es das neue Regionalgeld: Alle Bürger sind dazu eingeladen, an der festlichen Ausgabe der ersten „Grabfelder“-Scheine am Montag, 18. Juni, um 18 Uhr in Bad Königshofen teilzunehmen. In der FrankenTherme bei den freundlichen Damen am Infoschalter ist eine der Ausgabestationen, hier Peter Picciani mit (von links) Hanna Wagner, Melanie Feist und Jessica Gensler. Foto: Regina Vossenkaul

Am Montag, 18. Juni, ist es so weit: Der „Grabfelder” kommt. Die Erstausgabe des Regionalgeldes wird um 18 Uhr im Großen Kursaal der FrankenTherme festlich gestaltet. Mit dabei sind neben Initiator Peter Picciani und den Vereinsmitgliedern des „Grabfelder e.V.“ auch Landrat Thomas Habermann und Bürgermeister Thomas Helbling, die jeweils ein Grußwort sprechen werden. Die musikalische Umrahmung übernehmen der Chor „Taktzente“ und die Gruppe „Landleben“.

Eine intensive Arbeitsphase hat der Verein hinter sich. vieles musste organisiert und gestaltet werden, es wurden Sponsoren für die Anfangsinvestitionen gesucht und es musste sehr viel Überzeugungsarbeit geleistet werden. An vielen Informationsabenden hat Peter Picciani das Regionalgeldsystem erklärt, über die Vorteile diskutiert und dazu ermuntert, durch den „Grabfelder“ die regionale Wirtschaft zu unterstützen. Das Ziel, Gewerbetreibende, Gastronomen, Handwerksbetriebe und Dienstleister zu fördern, damit sie nicht übermächtigen Billiganbietern zum Opfer fallen, leuchtet immerhin schon 40 Geschäftspartnern (Stand Anfang Juni 2012) ein, die sich inzwischen angeschlossen haben. Das vielfältige Angebot, das jetzt noch in der Region vorhanden ist, soll erhalten und gestärkt werden, dazu trägt das neue Regionalgeld bei.

Wertschöpfung in der Region

„Bewusstsein schaffen“ ist eines der Schlagworte, die Picciani immer wieder benutzt. Er hat in seinen Vorträgen die Geldwirtschaft dargestellt, die hauptsächlich eine Richtung kennt: weg aus der Region. „Es sind kleine Schritte, die den Trend umkehren und die der Verbraucher bewusst gehen sollte“, so der Initiator. Man kauft seinen Kuchen dort, wo er noch handwerklich hergestellt wird; man verschenkt Produkte aus der Region; man geht zum Gastronom, der seine Gerichte möglichst aus regionalen Zutaten kocht: Der „Grabfelder“ hilft, sich mit der Region zu identifizieren.

„Wer mit dem Grabfelder bei einem der Geschäftspartner bezahlt, kann sicher sein, dass dieser Umsatz der eigenen Heimat und wegen der kurzen Transportwege auch der Umwelt zu Gute kommt“, so Picciani.

Das Prinzip der neuen Regionalwährung „Grabfelder“ ist schnell erklärt: Es ist ein vereinsinternes Gutscheinsystem für den regionalen Einkauf, das durch Euro-Einzahlung gedeckt ist. Ausgabestellen befinden sich am Infoschalter in der FrankenTherme und in der Sparkasse Bad Königshofen. Es gibt sechs unterschiedliche, fälschungssichere Scheine (1, 2, 5, 10, 20 und 50 Grabfelder), die schon an ihrer Farbe erkennbar sind. Die Vorderseite zeigt einen Teil eines Gebäudes, den jeweiligen Standort findet man auf der Kartendarstellung auf der Rückseite. Da die Herstellung von kleinen Münzen zu teuer ist, werden Centbeträge durch Münzen aus dem Eurosystem abgedeckt.

Der Kunde bekommt beim Eintausch von Euro in Grabfelder einen Bonus, der von Juni bis Oktober vier Prozent beträgt. Er erhält in der Ausgabestelle für 100 Euro 104 Grabfelder, hat also durch den Grabfelder eine höhere Kaufkraft (die Europreise im Laden gelten 1:1 für den Grabfelder). Ab November sinkt der Bonus stufenweise ab, aber selbst im Dezember 2013 gibt es beim Eintausch noch ein Prozent Bonus. Die Kaufkraft ist also stets höher als beim Euro. Die Erstausgabe der Grabfelder-Gutscheine ist bis Ende 2013 gültig. Ab Januar 2014 gibt es neue Scheine.

Alte Grabfelder können nach Ablauf der Gültigkeit in neue Grabfelder umgetauscht werden, dafür wird eine Umtauschgebühr von 4 Prozent erhoben. Gleichzeitig kann der Grabfelder jederzeit in Euro zurückgetauscht werden mit einer Rücktauschgebühr von sechs Prozent. Mit den Gebühren werden die Kosten für den Druck der Scheine finanziert,

Überschüsse fließen in gemeinnützige, soziale, kulturelle und ökologische Projekte und Vereine. Wer die Rücktauschgebühren sparen will, sollte also den Grabfelder lieber ausgeben. Dieser „Hebel“ setzt eine Dynamik in Gang, die bewirkt, dass das Regionalgeld fließt und drei- bis viermal schneller als der Euro weitergegeben wird.

Bei der Erstausgabe am 18. Juni können die druckfrischen Grabfelder auch gleich ausgegeben werden, denn im Großen Saal der FrankenTherme werden Geschäftspartner einen kleinen Markt gestalten und die neue Regionalwährung annehmen. Der Startschuss für die „Gemeinwohlwirtschaft“ wird in Zukunft noch größere Wellen schlagen, denn geplant ist, den Grabfelder mit der „Buchone“, die im Bereich Fulda gerade entsteht, kompatibel zu machen.

ONLINE-TIPP

Mehr Infos unter: www.der-grabfelder.de

Schlagworte

  • Chöre
  • Geschäftspartner
  • Kaufkraft
  • Landleben
  • Thomas Helbling
  • Währungsreformen
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!