BISCHOFSHEIM

Elektroauto: Heizung frisst Strecke

Erfahrungsbericht: Bevor David Roth am Kreuzberg mit seinem Elektroauto zu einer längeren Fahrt startet, muss er die Tankmöglichkeiten erkunden.
Hier darf Strom getankt werden: David Roth bietet diesen Service aus eigener Stromproduktion an. Foto: Regina Vossenkaul

Wenn man zum Kreuzberg hoch fährt, kommt man am Berggasthof Roth vorbei, der in dritter Generation von David und Manuela Roth geführt wird. Die Gaststätte bietet Platz für rund 90 Personen, vom Biergarten aus können noch einmal 30 Ausflügler die schöne Aussicht genießen. Für die Betreiber des Gasthofs auf 828 Metern Höhe ist die Gaststätte die Einnahmequelle der Familie.

Die Energiekosten sind hoch. Oder besser gesagt: waren. Eine Ölheizung war dort eingebaut, als David Roth 1999 den Betrieb übernahm. Er stellte dann auf Flüssiggas um. Gas- und Stromkosten für die Gaststätte und Spritkosten fürs Auto summierten sich auf bis zu 14 000 Euro im Jahr. „Wie kann ich Kosten einsparen?“, fragte sich der Gastronom und lotete alle Möglichkeiten aus. Eine Solar- oder Photovoltaikanlage war nicht sehr rentabel, weil das Hausdach West-Ausrichtung hat, und so kam er auf die Idee, seinen Strom mit Hilfe eines Blockheizkraftwerks (BHKW) selbst zu produzieren. „Der Einbau war unkompliziert“, erinnert er sich in einem Gespräch mit Vertretern der Energie-Initiative Rhön und Grabfeld, die ihn nach seinen Erfahrungen fragten. Das BHKW wird mit Gas betrieben und hatte vom Juli bis Ende Oktober 2016 bereits 54 000 Kilowatt Strom und 130 000 Kilowatt Wärme geliefert.

Gas gehört zwar auch zu den fossilen Energien und ist deshalb bezüglich der Kohlendioxid-Emissionen ein Kompromiss, der für ihn jedoch tragbar ist.

„Die Kosten für meinen Energieverbrauch haben sich drastisch gesenkt, auch wenn ich Gas-, Leasing- und Wartungskosten mit einrechne“, berichtete Roth. Sein damaliger Geländewagen schluckte jede Menge Benzin – ein zusätzlicher Kostenfaktor. Roth verfügte nun über genug Strom zum Eigenverbrauch und wollte außerdem in Unterfrankens Urlaubsregion Nummer eins mit gutem Beispiel vorangehen, obwohl ihn Kritiker für „verrückt“ erklärten. Eine Ladestelle für E-Mobilisten hatte er schon eingerichtet, jetzt kam die er auf Idee, selbst ein Elektrofahrzeug anzuschaffen. Das musste zuverlässig und schnell aufladbar sein, an Steigungen nicht schlapp machen und über den nötigen Laderaum verfügen, weil das Gasthaus auch die Verpflegung für Seniorenheim und Kindergarten kocht und ausliefert und zusätzlich einen Cateringservice betreibt. „Elektrisch rund um den Kreuzberg – das ist auch ein Werbefaktor“, dachte sich Roth.

Spritschlucker ausrangiert

Gesagt – getan: Der Geländewagen wurde vor zwei Jahren ausrangiert, die Wahl des Wirts fiel auf den Kastenwagen Nissan „e-NV 200“ mit 80 Kilowatt. Im Januar 2015 war das Fahrzeug zugelassen worden. „Ich bin voll zufrieden“, so das Fazit Roths. Da er hauptsächlich kurze Strecken fährt, ist die Reichweite für ihn völlig ausreichend, berichtet er. Angegeben war sie vom Hersteller mit 170 Kilometer, im Winter, wenn die Heizung läuft, kommt er nur auf 100 Kilometer. „Ich fahre überwiegend kurze Strecken im Umkreis und bin nach einer halben Stunde an der Ladesäule wieder startklar. Das Fahrzeug hat eine Schnell- und eine Normalladefunktion.“ Fahrten nach Bad Kissingen, Bad Neustadt, Münnerstadt und Mellrichstadt seien kein Problem, sagt Roth. Er bedauert jedoch, dass überall an den Ladestationen andere Karten gelten. Vier Exemplare für die Säulen in der Umgebung hat er immer dabei. Warum es in der Hochrhön noch keine Ladesäulen gibt, findet er unverständlich, schließlich gibt es Pläne, ab 2030 nur noch E-Autos zuzulassen. Vor jedem öffentlichen Gebäude sollten Ladesäulen stehen, die Gemeinden müssten mit gutem Beispiel vorangehen, fordert er.

Abenteuerliche Anfänge

Die Umstellung vom Benziner auf ein E-Fahrzeug war nicht leicht, denn man müsse sich daran gewöhnen, bei längeren Fahrten zuerst die Tankmöglichkeiten zu erforschen. Das gelinge per App ganz gut, und der 51-Jährige denkt nur noch mit einem Schmunzeln an den holprigen Start als E-Mobilist. Da er in Heidelberg das Fahrzeug mit der passenden Ausstattung gefunden hatte, fuhr er dorthin, um das Vehikel abzuholen. Unterwegs nachladen, das wurde auf der winterlichen Strecke zu einem Abenteuer. Dank Navi fand er unterwegs zu einer Ladesäule, kam dann mit der Ladung bis Münnerstadt und wollte es nicht riskieren, unterwegs Richtung Bad Neustadt liegenzubleiben, weil die Anzeige sich gefährlich Richtung Null bewegte. Dann klingelte er einfach bei einem Elektrogeschäft, um nachzuladen. In Bad Neustadt nutzte er dann die Ladesäule beim Autohändler Vorndran, der übrigens auch Nissan verkauft. Seitdem hat sich Roth an den Umgang mit dem Fahrzeug gewöhnt und er ist stolz darauf, im Rahmen seiner Möglichkeiten etwas für die Umwelt zu tun. „Ich bin hier am Kreuzberg aufgewachsen und weiß als ,Rückkehrer‘ die Umgebung und das Biosphärenreservat zu schätzen“, sagt Roth.

Und das Wichtigste: Die Energiekosten der Gaststätte inklusive Fahrzeug konnte er nach seinen Angaben von 14 000 auf 8000 Euro im Jahr verringern, obwohl er fährt, „was das Auto hergibt“. Für das kleine Unternehmen ist das ein wichtiger Kostenfaktor.

Schnell aufgetankt: Arvid Löflund und Helmut Schwartl von der Energie-Initiative Rhön und Grabfeld erkundigten sich bei ... Foto: Regina Vossenkaul
Das hauseigene Blockheizkraftwerk, an dem der Bischofsheimer Gastwirt David Roth mit seinem Sohn Julian steht, liefert W... Foto: Regina Vossenkaul

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