MELLRICHSTADT

Expertenblick in den Mischvorwärmer

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ddd Foto: Peter Federlein

Die Stadt stand am Sonntag ganz im Zeichen der Eisenbahn und des Bahnhofs. Zum dritten Mal fand das Bahnhofsfest statt. Bürgermeister Eberhard Streit ist froh, dass Mellrichstadt über einen leistungsfähigen Bahnanschluss verfügt und dass die Züge im Stundentakt halten. Deswegen können man mit Fug und Recht einen Aktionstag feiern. Bei strahlendem Sonnenschein, der allerdings von kühlen Temperaturen begleitet war, haben sich viele Besucher dieses Bahnhofsfest nicht entgehen lassen.

Seit dem ersten Fest 2008 bestehen Kontakte von Mellrichstadt zur Erfurter Bahn (EB), woraus eine Zusammenarbeit für die Zukunft entstanden ist. Streit erinnerte an die „Shuttle-Taufe“, als ein Triebwagen der EB den Namen „Stadt Mellrichstadt“ erhielt. Auch das Rhön-Zügle war wieder beteiligt. Unter der Aufsicht von Betriebsleiter Heinz Wehner pendelte Lokführer Michael Ostermeier und sein Team mit nahezu voll besetzten Waggons zweimal nach Ostheim. Unter den Ehrengästen war auch Karsten Eck aus Würzburg, der Geschäftsführer des Zweckverbandes Fränkisches Freilandmuseum Fladungen, sowie Michael Hecht, Geschäftsführer der EB.

Hauptattraktion war die Dampflokomotive aus Meiningen, die 503501; zumal man mit ihr im Führerstand im Bahnhofsbereich mitfahren konnte; die Warteschlange am Einstieg riss während des ganzen Tages nicht ab. Die heutige Werklok des Meininger Dampflokwerkes wurde 1940 als eine von mehr als 3000 Maschinen der Baureihe 50 in Dienst gestellt. Mit dieser Maschine begann 1957 das umfangreiche und auch überaus erfolgreiche Rekonstruktionsprogramm der damaligen Deutschen Reichsbahn in der ehemaligen DDR. Unter anderem erhielt die Dampflokomotive einen neuen leistungsfähigen Kessel und einen sogenannten Mischvorwärmer, der kaltes Wasser, das vom Tender in den Kessel gepumpt wird, zuvor erwärmt. Auf diese Weise ist eine Einsparung von bis zu 15 Prozent des sogenannten Speisewassers möglich.

Neben Wasser braucht die Dampflok auch Kohle. Und weil sich die Genobank mit Kohle auskennt, hat sie die Betriebskosten und die Streckengebühr für die Meininger Lok übernommen, wofür sich der Stadtchef ausdrücklich bedankte. Streit würdigte dabei die Entscheidung seines Vorgängers Helmut Will. Denn die Stadt hatte seinerzeit die nördlichen Weichen im Bahnhof übernommen. Diese machen erst die Einfahrt der Museumsbahn in den Mellrichstädter Bahnhof möglich. Streit dankte allen Helfern und Vereinen, die beim Bahnhofsfest unterstützend mitgewirkt haben.

Das gute Verhältnis von der Stadt zur Bahn hob der Bürgermeister hervor und hofft, dass demnächst beabsichtigte Fahrplanänderungen keine nachteiligen Auswirkungen auf Mellrichstadt haben.

Auch der gesamte öffentliche Nahverkehr hat sich am Bahnhof präsentiert: die DB Regio Unterfranken, der öffentliche Personen-Nahverkehr (ÖPNV), der Omnibusverkehr Franken (OVF) und das Omnibusunternehmen Sum. Diese Unternehmen stellten ihre Leistungen Angebote vor. Neu ist zum Beispiel das Mobile Tagging der Bahn. Hier können von einem internetfähigem Handy über einen Barcode an Haltestellen die Abfahrtszeiten der nächsten Busse abgefragt werden.

Mit zwei Ausstellungen haben sich die Eisenbahnfreunde Mellrichstadt am Fest beteiligt: eine Modellbahnausstellung mit -börse in der Oskar-Herbig-Halle sowie in der Bahnhofs-Schalterhalle mit einer Foto-Dokumentation des Bahnhofsareals mit den zwei Stellwerken vergangener Jahre. Und auch ein Modell im Maßstab 1:87 vom früheren Bahnhof ist bereits begonnen.

Zu den dampfgetriebenen Schienen-Oldtimern trafen auch straßentaugliche Oldtimer ein. Die Obermaßfelder „Freunde des alten Blechs“ sind mit historischen Maschinen aus der Produktion zu DDR-Zeiten nach Mellrichstadt gekommen. Neben Maschinen der Marke MZ und EMW waren hauptsächlich die legendären AWO-Motorräder zu bestaunen. Die AWO 425 wurde 1948 in Suhl bei Simson auf Befehl der russischen AG „Awtowelo“ entwickelt. Aus dem russischen „Awtomobil“ und „Welozipjed“ entstand der Markenname AWO. 425 bedeutet: Viertaktmotor und 250 ccm. Der Einzylinder leistet 12 PS; der Antrieb erfolgt über ein Vierganggetriebe und Kardanwelle.

Neben einigen Wartburg und Trabant war auch Paul Neugebauer aus Hendungen mit einem metallic-blauen Opel Kadett B in der nicht so häufig vorkommenden viertürigen Version in Mellrichstadt. Manfred Koch aus Stedtlingen war mit seinem seltenen Wartburg Cabrio bereits zum zweiten Mal beim Bahnhofsfest. Koch lud Bürgermeister Eberhard Streit und Gattin zu einer Rundfahrt in dem eleganten Gefährt ein, was sich diese natürlich nicht entgehen ließen.

Auch ein Traktor hatte sich sich zu den Oldtimern gesellt. Dieter Zimmer aus Bad Königshofen kam mit seinem Lanz Baujahr 1936; die Ähnlichkeit dieses „Bauernbulldogs“ mit der „einzylindrigen Straßenlokomotive“ ist noch deutlich zu erkennen.


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