Bad Neustadt

Fairtrade Town: Auf die Bühne im Kampf gegen Kinderhandel

Mitglieder der Steuerungsgruppe Fairtrade Town Bad Neustadt und die Referenten. Das Bild zeigt (von links): Bettina Schindler, Miriam Richter, Rogers Williams Mpaata Otako, Susanne Richter, Michael Feiler. Foto: Harald Richter

 Zu einem besonderen Vortrag hatte die Fairtrade Town Steuerungsgruppe Bad Neustadt eingeladen. Das Thema, in das Michael Feiler, Geschäftsführer des Tourismus- und Stadtmarketing, bei seiner Begrüßung einführte, war der Kinderhandel in Uganda. Referent war der Schauspieler und Theaterpädagoge Rogers Williams Mpaata Otako, unterstützt von Miriam Richter, Projektkoordinatorin eines interkulturellen Projektes in Marburg und Mitarbeiterin in den Projekten gegen Kinderhandel in Uganda.

Otako Mpaata eröffnete das Thema mit einem kleinen Sprachkurs in Luganda, einer der Landessprachen in Uganda. Alle Teilnehmer lernten, wie sich Männer und Frauen begrüßen und übten es auch gleich. Übersetzt von Miriam Richter vermittelte Otako auf englisch Informationen über den Kinderhandel in Uganda. Kinder arbeiten in Steinbrüchen, auf Märkten, in der Landwirtschaft. Viele von ihnen sind weit fort von zuhause, manchmal mit dem Einverständnis der Eltern, manchmal wurden sie durch falsche Versprechungen von Menschenhändlern ihren Familien entrissen. Einige landen in größeren Städten wie der Hauptstadt Kampala auf der Straße, wo sie gezwungen sind zu betteln oder sich zu prostituieren. Illegale Adoption oder das Verheiraten von jungen Mädchen zählen ebenso zu häufigen Formen von Kinderhandel in Uganda.

Bedrückende Fakten

Die Folgen für die Kinder und Jugendlichen sind gravierend. Immer wird ihnen der Zugang zu Bildung erschwert, in vielen Fällen erleiden sie körperliche und seelische Traumata. Oft rutschen sie von einer Form des Kinderhandels in die nächste, die fast immer zu körperlicher oder sexueller Ausbeutung führt.

Doch der Vortrag blieb nicht bei der Vermittlung dieser bedrückenden Fakten stehen. Der Schwerpunkt war der Bericht über die kreative und leidenschaftliche Arbeit der Kampagne gegen Kinderhandel, die durch Theater das Leben von Kindern und Jugendlichen nachhaltig verändert und ugandische Gemeinschaften im Kampf gegen das globale System Kinderhandel unterstützt.

Die Kampagne gegen Kinderhandel existiert seit 2015. Ihr Ziel ist es, flächendeckend in Uganda über Kinderhandel aufzuklären, Kinder zu stärken und einen Wechsel in der ugandischen Gesetzgebung anzuregen. Die Kampagne setzt auf die Mitarbeit von Gemeinden und Gemeinschaften.  Vereine, Lokalpolitiker, Gesundheitszentren, Schulen und Polizeistationen werden gezielt angesprochen, und deren Mitarbeiter für das Thema sensibilisiert.

100 000 Teilnehmer

Besonders stehen die Kinder und Jugendliche im Mittelpunkt. Mithilfe von Theater, Tanz, Film und anderen kreativen Ausdrucksmethoden stellen sie Kinder Formen von Kinderhandel dar, wie sie sie selbst in ihrer unmittelbaren Umgebung erleben. Sie sind es, die die Erwachsenen aufklären und sie über ihre Rechte informieren. Der Ansatz der Kampagne hat sich als großer Erfolg erwiesen, bislang haben über 100 000 Menschen in Uganda teilgenommen.

Das Zentrum der Projektarbeit ist das „Arts for Change Center“ am Stadtrand von Kampala, ein großes Grundstück mit mehreren Gebäuden, Platz für Tanz und Theater und einem Gemeinschaftsgarten. Dort treffen sich Kinder und Jugendliche des Stadtteils, dort studieren Schauspieler und Tänzer ehrenamtlich mit ihnen Theaterstücke ein, die ihnen das Wissen und den Mut vermitteln, sich gegen Kinderhandel zu wehren. Von dort aus gehen Ehrenamtliche in Schulen der Umgebung und gründen „school clubs“, in denen die Kinder sich gegen Kinderhandel engagieren können.

Bilder und kurze Video-Clips vermittelten im Vortrag einen und lebendigen Eindruck  über die Projektarbeit. Immer wieder wurden die Zuhörer durch den lebendigen Vortragsstil des Referenten mit einbezogen. Die ausführliche Diskussion am Ende zeigte das Interesse am Thema. Dabei wurde deutlich, dass Menschenhandel ein globales Problem ist, das auch in Europa und Deutschland existiert.

Die Kampagne gegen Kinderhandel und das Arts for Change Center finanzieren sich aus Projektgeldern und Spenden. Der  deutsche Verein Arts for Change als Partnerorganisation wird gerade gegründet. Informationen dazu können per Mail unter artsforchange@gmx.de angefragt werden. Infos gibt es auch unter https://www.facebook.com/artsforchangecentre oder auf www.facebook.com/EndChildTraffickingUG/

Schlagworte

  • Bad Neustadt
  • Adoption
  • Familien
  • Illegale
  • Kinder und Jugendliche
  • Kinderhandel
  • Menschenhandel
  • Menschenhändler
  • Mädchen
  • Theaterpädagogen
  • Tänzer
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!