BAD NEUSTADT

Familien-Netz für Frühförderung

Bildungspartner: Die Initiatoren und Partner der Bildungspartnerschaft Rhön-Grabfeld wollen mit den Schulleitern der Grundschulen in Rhön-Grabfeld Kindern, die aus finanziellen Gründen keine Förderangebote bekommen, mehr Bildungschancen ermöglichen.
Bildungspartner: Die Initiatoren und Partner der Bildungspartnerschaft Rhön-Grabfeld wollen mit den Schulleitern der Grundschulen in Rhön-Grabfeld Kindern, die aus finanziellen Gründen keine Förderangebote bekommen, mehr Bildungschancen ermöglichen. Foto: Astrid Hagen-WeHrhahn

Kinder, denen Bildungschancen verwehrt bleiben, weil ihren Eltern das Geld für gezielte Förderungen fehlen, sind auch in Rhön-Grabfeld ein Thema. Bessere Bildungschancen will ihnen die vor drei Jahren gegründete „Bildungspartnerschaft Rhön-Grabfeld“ bieten, eine Initiative die aus Vertretern des Familien-Netzes Rhön-Grabfeld, der Wirtschaft und der Politik besteht.

Ursprünglich war geplant, in Zusammenarbeit mit Schulen und Schulamt, flächendeckend im Landkreis Bildungsangebote zu ermöglichen. Dies hat jedoch die Projektpartner finanziell und zeitlich überfordert. Sie beschlossen daher zunächst die sechs Grundschulen in Hohenroth, Bischofsheim, Salz, Brendlorenzen, Aubstadt und Bad Königshofen mit Fördermaßnahmen zu unterstützen. An der Grundschule Ostheim wurde ein Bewegungsprogramm finanziert.

Jetzt trafen sich die Projektinitiatoren und –partner, sowie die Schulleiter der ausgewählten Grundschulen im Schulamt. „Unser Anspruch ist, diese Förderung so unbürokratisch wie möglich zu gestalten. Menschen, die Hilfe brauchen, sehen sich immer wieder durch bürokratische Hürden behindert“, betont Bernhard Roth, Leiter der Erziehungsberatungsstelle der Caritas und „Moderator“ der Bildungspartnerschaft. Deshalb sei die Kooperation mit dem Schulamt und den Lehrkräften, die die Kinder aussuchen, wichtige Voraussetzung.

Die Förderung sollte nach seinen Worten so früh wie möglich beginnen. „Mit dieser frühen Hilfe in der Grundschule soll die Basis für eine erfolgreiche Schullaufbahn und Berufsausbildung gegründet werden. Die ersten Jahre sind entscheidend, ob eine Kind später einmal ein selbstständiges Leben führen oder von Transferleistungen des Staates abhängig sein wird“. Roth betont, dass es sich beim Bildungspakt um ein Bürgerprojekt handelt.

Beim Familien–Netz hat man im Landkreis beobachtet, dass die zunehmende Armut am härtesten die Kinder trifft. Gudrun Hellmuth, Stadträtin in Bad Neustadt, hat in ihrem Beruf als Erzieherin erlebt, wie Kinder relativ schnell aufgrund finanzieller Engpässe von Bildungschancen ausgeschlossen werden. Sie ist ebenso vom Projekt überzeugt, wie Schulrätin Ruth Krauß, die sagt: „Auf diesem Wege können wir einen Beitrag zu mehr Bildungsgerechtigkeit leisten. Bildung ist unsere teuerste, aber auch wichtigste Ressource“. Das Projekt braucht finanzkräftige Sponsoren aus der Wirtschaft. So einer ist Stephan Ullmer-Kadierka, Geschäftsführer der Textilreinigungsfirma „ullmer-kompetenz in textil“ und Mitinitiator der Bildungspartnerschaft Rhön-Grabfeld. Er ist überzeugt, dass ein Unternehmen, das in die Bildung von Kindern investiert, immer in die Zukunft investiert und so zur Förderung der Region beiträgt.

Neben dem Caritasverband, der die Spenden kostenfrei verwaltet, ist mit der Gesellschaft zur Förderung der beruflichen und sozialen Integration (GfI) in Schweinfurt, ein weiterer wichtiger Partner an Bord. GfI-Ansprechpartnerin Christine Beckenbauer erarbeitet für jede Schule ein eigenes Förderkonzept und wählt als Koordinatorin das Fachpersonal aus. Ein Beispiel solcher Fördermaßnahmen, die stets in Absprache mit Lehrern und Eltern erfolgt, ist ein spezielles Bewegungsprogramm für Grundschulkinder, das Sportpädagogin Barbara Streit anbietet. Auch Ergotherapeutin Annika Zallmann aus Bad Königshofen bietet einmal pro Woche in Gruppen mit maximal acht Schülern ein Training an, das durch Übungen möglichst viele Vernetzungen im Gehirn bewirken soll. „Wichtig ist uns aber auch die sozialen Kompetenzen der Schüler zu stärken und ihnen Selbstvertrauen zu geben“, sagte Roth. Und Christine Beckenbauer ergänzte, dass es sich bei diesem Förderangebot nicht um Nachhilfe im klassischen Sinne handelt, sondern um ganzheitliche Förderung.

Wenn es auch nur kleine Schritte sind, so zeigt das Bildungsangebot doch schon Wirkung, bestätigt Schulleiter Waldemar Manger (Grundschule Brendlorenzen). Eine zuvor introvertierte Schülerin habe sich nach der Teilnahme am Förderprogramm mehr geöffnet, berichtet er. Solche Sozialkompetenzen können durchaus Defizite im kognitiven Bereich ausgleichen, so Manger.

Insgesamt wurden nahezu 70 Kinder in den vergangenen beiden Jahren unterstützt. Derzeit stecken die Bildungspartner schon in der Planung für das Schuljahr 2013/14. In den ausgewählten Schulen läuft das Projekt weiter, um Nachhaltigkeit zu gewährleisten. Da die Bildungspartnerschaft aber an allen 24 Grundschulen des Kreises Förderprogramme starten möchte und weitere Förderkonzepte verfolgen will, werden weitere Sponsoren benötigt. „Beim derzeitigen Stand müssten wir jährlich 125 000 Euro an Spenden akquirieren“, sagt Roth, was ihm momentan als unwahrscheinlich erscheint.

Wer Bildungspartner werden möchte, kann sich auf der Homepage www.bildungspratnerschaft-rhoen-grabfeld.de informieren.

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