BAD KÖNIGSHOFEN

Familienunternehmen Erhard beliefert viele Autozulieferer

In den letzten Jahren stetig gewachsen: Das Erhard-Firmengelände am östlichen Stadtrand von Bad Königshofen. Links oben die 2013 errichtete neue Produktions- und Lagerhalle. Derzeit beschäftigt das Familienunternehmen 190 Mitarbeiter. Foto: Erhard

Dass sie selbst eine leidenschaftliche Autofahrerin ist, passt sehr gut ins Bild: Seit 20 Jahren leitet Karin Erhard einen Familienbetrieb, der sich auf die Anfertigung von Kunststoffteilen für die Automobil- und Elektroindustrie spezialisiert hat.

„Es gibt viele Teile im Auto sowohl im Antrieb als auch im Interieur, die in unserer Firma hergestellt werden“, weiß die Bad Königshöferin, die seit 2013 Geschäftsführerin von Kunststoffspritzgusstechnik Erhard ist. „Hauptsächlich Premiummarken wie Audi, BMW, Mercedes, Porsche oder auch Edelkarossen wie Rolls Royce sind darunter.“

Aufschwung

Als Karin Erhard in die Leitung des Unternehmens eintrat, war nicht abzusehen, welchen Aufschwung der in den 1930er-Jahren von ihrem Opa Wilhelm als Autowerkstatt gegründete Betrieb einmal nehmen sollte. Um die 80 Mitarbeiter hatte die Firma Mitte der 1990er-Jahren, heute sind es mit 190 fast doppelt so viele.

Auch baulich hat sich auf dem Betriebsgelände am östlichen Stadtausgang einiges verändert. „Unsere letzte große Erweiterung war der Bau einer neuen Produktions- und Lagerhalle vor gut vier Jahren“, erzählt die 47-jährige Geschäftsfrau.

Mehrere Millionen investiert

Ein paar Millionen Euro habe man in das 2600 Quadratmeter große Gebäude, in neue Maschinen und Anlagen und in neue Technik investiert. „Mittlerweile ist das neue Gebäude sehr gut ausgelastet, sodass der Schritt der Erweiterung unumgänglich war“, deutet Karin Erhard an.

In Zahlen ausgedrückt: Das Auftragsvolumen ist seit 2013 um rund 25 Prozent gestiegen, die Zahl der Mitarbeiter von 150 auf 190 angewachsen, darunter 13 Auszubildende. Im September werden vier weitere Lehrlinge eingestellt. „Wir haben jetzt das Problem, dass für Vergrößerungen kaum noch Platz auf unserem Betriebsgelände ist“, so Erhard. An eine Abwanderung, zum Beispiel nach Thüringen, denkt die Unternehmerin trotzdem nicht, dafür liegt ihr ihre Heimatstadt Bad Königshofen viel zu sehr am Herzen. „Wenn wir in der nähren Umgebung eine Lagerhalle anmieten oder kaufen könnten, müssten wir zumindest zurechtkommen“, meint die Betriebswirtin des Handwerks, die seit 30 Jahren im väterlichen Betrieb tätig ist.

Karin Erhard ist stolz auf ihre vielen, zum Teil langjährigen Mitarbeiter, die im Werkzeugbau und in der Kunststofffertigung mit 50 Spritzgussmaschinen und in vielen anderen Bereichen des Unternehmens wie zum Beispiel in der Qualitätssicherung, der Logistik oder der Instandhaltung arbeiten. „Ohne das große Engagement unserer Belegschaft würden wir heute nicht so gut dastehen“, sagt sie. Dass fast 30 Prozent einen Migrationshintergrund haben und die Frauenquote bei gut 40 Prozent liegt, sieht die Unternehmerin nicht als Nachteil, sondern dem Verlauf der Zeit angepasst.

Es wird immer schwieriger, Fachkräfte zu bekommen

Der in den letzten Jahren in der Industrie zu verzeichnende Aufwärtstrend und annähernde Vollbeschäftigung haben unter anderem einen Nachteil: Es wird immer schwieriger, Fachkräfte zu bekommen. „Wir setzen deshalb schon seit gut 20 Jahren auf unseren eigenen Nachwuchs, den wir nach der Ausbildung in der Regel übernehmen“, so die Bad Königshöfer Unternehmerin. „Außerdem tun wir vieles dafür, dass sich unsere Mitarbeiter bei uns wohlfühlen, indem wir ihnen zum Beispiel Angebote im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements machen.“

Kunststoffteile für Autos

Die Firma Erhard wurde 1932 von Wilhelm Erhard, dem Großvater der heutigen Chefin Karin Erhard, als Autowerkstatt gegründet.

Durch einen Auftrag im Jahr 1968 bei Preh in Bad Neustadt entstanden die ersten Kontakte zur Industrie mit der Folge, dass die ersten Spritzgussteile hergestellt wurden. Das Unternehmen produziert neben Werkzeugen vor allem Kunststoff-Spritzgussteile. 65 Prozent der Produkte, darunter Bordnetze, Kabelkanäle, Schaltungen und Sichtteile, ordern Autozulieferer wie Preh, ZF, Jopp oder Leoni. 30 Prozent der Produktion geht in die Elektrobranche wie zum Beispiel zu B/S/H Hausgeräte, Siemens oder Regiolux.

Die Autozulieferer bedienen ihrerseits die Automobilindustrie, und zwar nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Kunststoffteile aus Bad Königshofen finden sich deshalb in vielen Automobilen.

Beim Spritzgießen handelt es sich um ein Urformverfahren, das hauptsächlich in der Kunststoffverarbeitung eingesetzt wird. Dabei wird mit einer Maschine der jeweilige Werkstoff verflüssigt und dann unter Druck in eine Form, das Spritzgießwerkzeug, eingespritzt. Im Werkzeug geht der Werkstoff durch Abkühlung oder auch eine Vernetzungsreaktion wieder in den festen Zustand über und kann nach dem Öffnen des Werkzeugs als Fertigteil entnommen werden. Bei Erhard in Bad Königshofen sind heute Teile in einem Gewichtsbereich von wenigen Zehntelgramm bis zu einer Größenordnung von 1,2 Kilogramm herstellbar.

Es gibt viele Autos, in dem Spritzgussteile aus Bad Königshofen verbaut sind: Firmenchefin Karin Erhard mit einem Bauteil, das für das Panorama-Dach eines VW bestimmt ist. Foto: Alfred Kordwig
So teuer wie ein Einfamilienhaus: Kunststoff- und Meßtechniker Daniel Glückstein (von links), Andreas Hildmann, Leiter der Qualitätssicherung, und Projektleiter Felix Wirsing an einer neuen Messmaschine mit einer Genauigkeit von bis zu einem Tausendstel Millimeter. Foto: Alfred Kordwig

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