BAD KÖNIGSHOFEN

Fast 3000 bunte Eier stimmen aufs Osterfest ein

Verleiht dem Marktplatz Glanz: Die „Brunnenfrauen“ haben den Vierröhrenbrunnen auf dem Bad Königshöfer Marktplatz wieder österlich geschmückt. Foto: Thomas Hälker

Eines muss man den Bad Königshöfer „Brunnenfrauen“ zugestehen: Weicheier sind sie nicht. Denn wenn der Termin für das Schmücken des Vierröhrenbrunnens erst einmal steht, dann wird er wegen schlechten Wetters nicht auf den nächsten Tag verschoben.

Das war auch in diesem wieder Jahr so. Als einige Bauhofmitarbeiter und Stadtgärtnerin Tanja Gutsmiedl die von Rosemarie Ort, Antje Fecke und fünf weiteren Frauen aus Bad Königshofen vorbereitete Krone am Dienstagvormittag auf den Brunnen aufsetzten, setzte starker Schneefall ein. „Wir schmücken die Krone heute trotzdem“, zerstreute Antje Fecke schnell alle Zweifel, dass das Wetter ihr und ihren Mitstreiterinnen einen Strich durch die Rechnung machen würde.

Brunnenfrauen gibt es seit 16 Jahren

Den Namen „Brunnenfrauen“ hat sich die Gruppe vor einigen Jahren selbst gegeben. Er trifft den Nagel auf den Kopf. Denn es sind ausschließlich Frauen, die seit 16 Jahren ohne Unterbrechung immer in den Tagen vor dem Palmsonntag den Vierröhrenbrunnen auf dem Bad Königshöfer Marktplatz schmücken. Wie immer trugen die Damen im Alter von 61 bis 77 Jahren zunächst frische Zweige zusammen, die dann mit Hilfe eines Traggestells aus Metall zu einer stattlichen Krone geformt wurden.

2880 Kunststoffeier aufgehängt

Das eigentliche Schmücken am Dienstagnachmittag war dann Filigranarbeit und erforderte viel Geduld. Denn, wie in den 15 Jahren zuvor, wurden an der Krone wieder zahlreiche bunte Kunststoffeier als dekorativer Schmuck angebracht. „Es sind genau 2880 Stück“, weiß Rosemarie Ort, der es nichts ausmacht, trotz ihrer 70 Lenze die im Brunnen stehende Leiter hochzusteigen, um die Eier in der Krone zu befestigen. Früher wurden übrigens echte, ausgeblasene Hühnereier zum Schmücken verwendet. Davon ist man aber abgekommen, nachdem zu viele davon kaputtgingen.

Gemeinsam etwas Schönes gestalten

Am späten Dienstagnachmittag war das Werk vollendet. Der Osterbrunnen auf dem Bad Königshöfer Marktplatz erstrahlte im alten Glanz. Bis Ende April können sich Einheimische und Gäste der Stadt nun an ihm erfreuen. Rosemarie Ort ist optimistisch, dass es den Osterbrunnen auch in den kommenden Jahren noch geben wird. „Solange wir gesund bleiben, machen wir weiter, denn es gefällt uns, dass wir gemeinsam etwas Schönes gestalten können.“

Brunnen ist über 400 Jahre alt

Dass sich die Brunnenfrauen den Vierröhrenbrunnen zum Schmücken ausgesucht haben, ist kein Zufall. Er ist nicht so groß wie der auf der anderen Marktplatzseite stehende Luitpoldbrunnen und deshalb einfacher zu schmücken. Dafür ist er wesentlich älter als sein „großer Bruder“: Der Vierröhrenbrunnen wurde in der Regierungszeit des Fürstbischofs Julius Echter von Mespelbrunn (1574 bis 1617) errichtet. Angeblich soll er ein Standbild Echters getragen haben, dass von den Schweden bei deren Einmarsch im Oktober 1631 im Verlauf des 30-jährigen Krieges zerstört wurde. Der vierseitige Obelisk wurde nach dem 30-jährigen Krieg wieder aufgesetzt.

Brauch im ganzen Kreis verbreitet

Dass es nicht nur in Bad Königshofen einen Osterbrunnen gibt, sondern der Brauch sich in den vergangenen Jahrzehnten in der Rhön und dem Grabfeld zunehmend verbreitet hat, ist nicht zu übersehen. In vielen Städten und Gemeinden des Landkreises gibt es geschmückte Osterbrunnen. Der alte Brauch hat seinen Ursprung in Oberfranken, genauer gesagt in den wasserarmen Höhen der Fränkischen Schweiz.

Mitarbeit: Reinhold Albert

Ein kleines Dankeschön für Fotos von den schönsten Osterbrunnen

Osterzeit, Osterbrunnenzeit: Nicht nur in Bad Königshofen, sondern auch in vielen Städten und Gemeinden im Landkreis Rhön-Grabfeld wurden in den vergangenen Tagen Brunnen mit Zweigen und bunten Eiern österlich dekoriert. Wer ein schönes Exemplar entdeckt, kann unter Angabe von Name, Anschrift und Ort ein Foto (mit Namen des Fotografen) an folgende E-Mail-Adresse schicken: redaktion.rhoen-grabfeld@mainpost.de. Die Bilder (jeweils eines von einer Ortschaft) werden im Internet veröffentlicht, die schönsten Aufnahmen werden prämiert und nach den Osterfeiertagen auf einer eigenen Zeitungs-Seite präsentiert. Einsendeschluss ist Dienstag, 3. April.
Wieder vollen Einsatz gezeigt: Antje Fecke (links), Rosemarie Ort (Dritte von rechts) und einige weitere „Brunnenfrauen“ beim Schmücken des Vierröhrenbrunnens am Dienstagnachmittag. Unterstützt wurden sie von Stadtgärtnerin Tanja Gutsmiedl (auf der Leiter stehend, links). Foto: Alfred Kordwig
Balanceakt: Mehrere Bauhofmitarbeiter und Stadtgärtnerin Tanja Gutsmiedl platzierten die Osterkrone am Dienstagvormittag auf dem Vierröhrenbrunnen. Da war es noch trocken. Foto: Alfred Kordwig
Brunnenschmücken bei Schneegestöber: Drei „Brunnenfrauen“ und Stadtgärtnerin Tanja Gutsmiedl ließen sich auch vom schlechten Wetter nicht abhalten, am Dienstagmittag mit dem Schmücken des Vierröhrenbrunnens zu beginnen. Bis zum Nachmittag, als die Eier an der Krone befestigt wurden, hatten sich die Schneeschauer wieder verzogen. Foto: Wolfgang Nenninger

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