Bad Neustadt

Fastenzeit: Verzicht, Bier und ein mathematisches Problem

Nach dem Trubel der Faschingstage beginnt mit der Fastenzeit die Vorbereitung auf Ostern - für manche auch nur ein bisschen Diät.
Weniger ist manchmal mehr: In der Fastenzeit verzichten viele Menschen auf Genussmittel.
Weniger ist manchmal mehr: In der Fastenzeit verzichten viele Menschen auf Genussmittel.

Foto: Lucia Lenzen

Sich für eine bestimmte Zeit ganz oder teilweise der Nahrung zu enthalten oder auf den Genuss bestimmter Speisen zu verzichten, so definiert der Duden das Verb "fasten".  Das wird jetzt wieder aktuell, denn mit dem Aschermittwoch beginnt nach den närrischen Tagen wieder die Fastenzeit. Ursprünglich eine  rein kirchliche Angelegenheit, bei der die Gläubigen Verzicht üben, ist die Fastenzeit heute für viele so etwas geworden wie eine Diätkur, um den Körper nach den Schlemmereien des Winters wieder in Form zu bringen. 

Trotzdem bleibt die Fastenzeit für die Kirche natürlich, die Zeit, in der man sich durch Verzicht auf das Osterfest vorbereitet, die Feier der Auferstehung Jesu. Für diese Zeit hat die katholische Kirche genaue Regeln aufgestellt: die so genannte Fastenordnung. Da steht zum Beispiel drin, dass aus kirchlicher Sicht durchaus nicht jeder fasten muss. Verpflichtend ist das nur für Gläubige vom vollendeten 18. Lebensjahr bis zum vollendeten 60. Lebensjahr. Kinder und Jugendliche sollten aber langsam an das Fasten herangeführt werden.  

Verzicht - worauf?

Es geht um Verzicht. Aber worauf eigentlich genau? Da galten im Mittelalter ganz harte Regeln. Es ging ums Essen. Gerade einmal drei Bissen Brot und drei Schluck Wasser oder Bier waren da am Tag erlaubt. Die heutige Fastenordnung ist da lockerer und vor allem nicht so präzise. Es gibt  Vorschläge wie den bekannten Verzicht auf Fleisch, spürbare Einschränkungen im Konsum oder den Verzicht auf Genussmittel. Aber auch Werke der Nächstenliebe oder ein Geldopfer für Notleidende erfüllen die Fastenpflicht.

Für manchen stellt die Fastenzeit außerdem ein mathematisches Problem dar. Immer wieder ist von der 40-tägigen Fastenzeit die Rede, angelehnt an die Zeit, die Jesus in der Wüste verbrachte, bevor er mit dem öffentlichen Wirken begann. Aber wer rechnen kann, der stellt schnell fest, dass die Fastenzeit länger als 40 Tage dauert. Von Aschermittwoch bis Karsamstag, den Tag vor Ostern, sind es nämlich 46 Tage.  Ein Rechenfehler in der Bibel? Durchaus nicht. Für diesen Unterschied gibt es eine einfache Erklärung. Die Sonntage sind nämlich fastenfrei. Dann geht die Rechnung auf und es bleiben tatsächlich 40 Fastentage übrig. Es sei denn, es ist wie in diesem Jahr ein Schaltjahr. Das bedeutet einen Fastentag mehr.   

Sonntag der Freude

Dass die Fastenzeit eine harte Zeit sein kann, ist der Kirche bewusst. Dem trägt die katholische Kirche sogar liturgisch Rechnung. Der vierte Sonntag in der Fastenzeit ist bei der katholischen Kirche der so genannte "Sonntag laetare". Laetare ist lateinisch und bedeutet: sich freuen, fröhlich sein. Am vierten Fastensonntag ist die Fastenzeit nämlich zu einem großen Teil geschafft. Das ist übrigens der einzige Sonntag im Jahr, an dem der Priester ein Messgewand in der Farbe rosa trägt.

Und es gibt auch schöne Geschichten zum Thema Fastenzeit. Zum Beispiel die, die erklären soll, warum das Starkbier in der Fastenzeit eine so große Rolle spielt. Demnach soll es so gewesen sein, dass bayerische Mönche vor Hunderten von Jahren als Ausgleich für das harte Fasten ein starkes Bier brauten. Als der Papst im fernen Rom davon erfuhr, wollte er erkunden, ob Bier wirklich fastentauglich sein kann. Er befahl deswegen, ein Fass davon zu ihm in den Vatikan zu bringen. Das war zu der Zeit, als Transporte noch mit Ochsen- oder Pferdefuhrwerken bewerkstelligt wurden. Entsprechend lang dauerte es, bis das Bierfass über die Alpen gerumpelt war. Das wirkte sich ebenso qualitätsmindernd aus wie die stetigen Temperaturschwankungen auf der langen Reise. Als der Papst schließlich einen Schluck von dem weitgereisten bayerischen Gebräu nahm, war es sauer geworden. Die Gesichtszüge des Nachfolgers Petri zogen sich daraufhin zusammen und er formulierte: "Das ist ein wahrer Fastentrank."   

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