Wechterswinkel

Faszinierend, brillant, einfach unvergesslich

Anne Riegler bereitete den Besuchern einen unvergesslichen Klavierabend im Kloster Wechterswinkel.
Anne Riegler bereitete den Besuchern einen unvergesslichen Klavierabend im Kloster Wechterswinkel. Foto: Klaus-Dieter Hahn

Große Werke berühmter Komponisten faszinierend, ja brillant dargeboten von einer jungen Künstlerin aus der Region. Anne Riegler begeisterte bei ihrem Klavierabend im Kloster Wechterswinkel das Publikum mit ihrem gekonnten, traumhaft virtuosen Spiel. Noch so jung an Jahren ist sie doch schon weit mehr als nur ein großes Talent. Als wahre Meisterin am Steinway-Flügel und versiert bei der interessanten Vorstellung der Werke und deren Komponisten präsentierte sich die in Bad Neustadt aufgewachsene Künstlerin an diesem Abend vor einer Rekordkulisse im ausverkauften Konzertsaal des Kreiskulturzentrums.

Ihr "Heimspiel" - im Kloster Wechterswinkel hatte Anne Riegler vor einigen Monaten ihre erste CD aufgenommen - geriet zum Triumphzug. Stehende Ovationen und minutenlanger Applaus waren der verdiente Lohn für eine "phänomenale Leistung", wie ein Besucher am Ende kurz und prägnant feststellte. Sophia Mohr von der Kreiskulturagentur hatte schon bei der Begrüßung auf Anne Rieglers Sonderstellung in der Reihe "von hier - für hier", also von jungen Künstlern, die aus der Region stammen und hier ihre musikalischen Wurzeln haben, hingewiesen.

Das Adagio berührt die Besucher

Anne Rieglers Klavierkunst ist das Resultat harter und intensiver Arbeit. Hoch konzentriert nimmt sie vor dem Flügel Platz, schließt die Augen, atmet tief durch, wirft den Kopf nochmals nach hinten und lässt ihre Finger auf den Tasten tanzen. Sie kommt dabei gänzlich ohne Noten aus. Sie scheint sich mental in Wolfgang Amadeus Mozart, Ludwig van Beethoven und Sergej Wassiljewitsch Rachmaninov hineinzuversetzen, ihre musikalischen Gedanken und Gefühle zu erfassen und im Spiel umzusetzen. Der erste Satz der Mozartschen Sonate KV 332, F-Dur, erklingt stimmungsvoll, fröhlich, ja neckisch. Dagegen berührt das Adagio des zweiten Satzes den Zuhörer, gibt sich verträumt, geht ins Herz. Ganz beschwingt, virtuos, mit rasanten Tastenläufen kommt der dritte Satz schließlich daher.

Temperamentvoll, gewürzt mit ein wenig Dramatik, aber auch Melancholie. Mit der Sonate op. 111, c-moll lässt Anne Riegler auf Mozart dann Beethovens letzte Klaviersonate  folgen, ein Werk, das der große Komponist geschrieben hat, als er schon völlig taub war. Obwohl die Sonate nur zwei Sätze umfasst, ist es doch "eine sehr runde, extrem geschlossene Komposition", wie Anne Riegler findet. "Ein ganz besonderes Werk der Musik", fügt sie an.

Starke Zerrissenheit und große Spannung

Die Künstlerin lässt die Besucher dann auch gleich im ersten Satz die sehr starke Zerrissenheit und die große Spannung, die über dem Klanggemälde liegt, spüren. Es folgt mit dem zweiten Satz ein Variationssatz, der sich sehr langsam gibt, aber auch ein zweiteiliges Thema behandelt. Man kann Anne Riegler nur zustimmen, wenn sie betont, dass der zweite Satz beim Zuhörer das Gefühl entwickelt, die Musik ist nicht mehr von dieser Welt. Sie scheint entrückt, völlig zu entschweben.

Bewundernswert die Konzentrationsfähigkeit und die Kondition der Künstlerin, die den 20-minütigen Satz problemlos und wahrhaft meisterlich darbietet. Nach der Pause, die man Anne Riegler nach ihrem kräfteraubenden Spiel gerne gönnt, ist der zweite Teil des Klavierabends dem Komponisten Rachmaninov und dabei vorwiegend seinen "Preludes" vorbehalten. Aus op. 23 präsentiert Anne Riegler sechs in sich geschlossene Stücke. An diesem Komponisten fasziniert sie besonders, dass er  "wahnsinnig tolle Höhepunkte baut".

Teilweise recht kraftvoll, energisch und temperament-, aber auch gefühlvoll . Bevor die junge Künstlerin mit dem op.33 aus den "Etudes-Tableaux" von Rachmaninov ihr Gastspiel in Wechterswinkel beschließt, bringt sie noch eine Mini-Analogie zu Mozart, das "Gänseblümchen" aus "Romanzen, op.38" mit kraftvollem Anschlag zu Gehör. Den reichen Beifall am Ende dankt sie mit einer "klitzekleinen Uraufführung" einer von ihr selbst geschriebenen étude.

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