MELLRICHSTADT

Feuriges Spektakel im Dunkel der Stadt

Die Familie Schwanzer verkaufte originelle Leuchtutensilien und demonstrierte sie gleich am eigenen Leib.
Die Familie Schwanzer verkaufte originelle Leuchtutensilien und demonstrierte sie gleich am eigenen Leib. Foto: Fred Rautenberg

Es war gegen 21.45 Uhr. Da konnte sich Brigitte Proß nach einem harten Tag endlich einmal eine Pause gönnen. Man merkte ihr an: Die brauchte sie. Aber wie die Geschäftsführerin des Vereins „Aktives Mellrichstadt“ in ihrem Büro hinter dem Tresen saß, konnte man auch erkennen: Sie war glücklich. Glücklich waren sie und ihre fleißigen Mitarbeiterinnen einschließlich des aushelfenden Martin Drescher.

Denn um diese Zeit war es längst eine Tatsache: Das federführende „am“ in Zusammenarbeit mit der Stadt, dem städtischen Bauhof, den Fachgeschäften und den vielen anderen Aktiven hatte wieder ein Highlight im Veranstaltungskalender Mellrichstadts geschaffen.

So was misst sich, wenn auch keineswegs ausschließlich, am Publikumszuspruch. Und der war überwältigend. Klar, das optimale Herbstwetter hatte die Erlebnisnacht begünstigt. Aber der Erfolg war auch eine Konsequenz der vorausgegangenen Lichternächte, die diese Mellrichstädter Nacht der Nächte weit und breit bekannt gemacht und Erwartungen geweckt hatten.

Die Veranstalter dürfen sich getrost sagen: Auch die neue Erlebnisnacht wurde ihrem Ruf gerecht, ja, sie überbot eigentlich noch die vorausgegangenen Erlebnisnächte durch ein noch breiteres, vielfältigeres, bunteres Angebot.

Den spektakulären, unüberhörbaren Auftakt machten wieder die Künstler mit den Trommelschlägeln von der Truppe „Schlagartig“ unter ihrem Leiter Frank Stäblein. Vom Pulverturm zogen sie zum Marktplatz, dicht gefolgt von einer nun wirklich fantastischen Kostümgruppe, genannt „Danza Venezia“ aus Bad Neustadt, die Fantasiekostüme des venezianischen Karnevals trugen und wie Erscheinungen aus einer anderen Welt wirkten.

Am Marktplatz eröffnete Mellrichstadts Bürgermeister Eberhard Streit die Erlebnisnacht mit ihren tausenden Lichtern, welche Straßen und Mauern in einer endlosen Kette säumten. Im Brügel und vor der Verwaltungsgemeinschaft hatten Schüler der Mahlbach-Grundschule mit bunten Lichtern Figuren nachempfunden und damit einen wesentlichen Beitrag zum Gesamteindruck dieser Lichternacht geleistet.

Lichtergirlanden überall, wandernde Scheinwerferfinger und Lichteffekte an den Häuserfassaden, beleuchtete Buden und Stände, Schalen mit Holzfeuer und natürlich die pyrotechnischen Vorführungen standen im Kontrast zu der Nacht und stellten eine zauberhafte Atmosphäre in der ganzen Hauptstraße, im Brügel und im Fronhof her. Erstmals auch ausgeprägt im Stadtpark, wo mit hunderten Lichtern ein Labyrinth ausgelegt war, das viele Besucher zu einem Gang durch die lichtergesäumten Kurven herausforderte.

Zudem: Überall klang und sang es, im Bühnenpavillon auf dem Marktplatz, in den Höfen an der Hauptstraße, am Linsenbrunnplatz. Im Carl-Fritz-Haus sangen die Chorwürmer unter ihrer neuen Leiterin Jeanette Keil, am Roßmarkt spielte eine Dudelsackpfeiferin schottische und andere Weisen, zwei junge Liedermacher aus Gotha fesselten die Passanten am Brügel-Eck, ein Leierkastenmann erfreute die Besucher und die fidele Truppe vom Sängerverein zog durch die ganze Flaniermeile und machte immer wieder einen Zwischenstopp, um die Leute mit fröhlich-frechen Liedern zu unterhalten.

Und natürlich waren alle Versprechungen hinsichtlich Schlemmen und Probieren erfüllt worden. Lange Schlangen von Hungrigen und Durstigen standen bei den entsprechenden Verkaufsständen an, Leckereien gab es heiß und kalt, süße Düfte und verführerische Bratengerüche füllten die Straße.

Menschen stauten sich auch in den Fachgeschäften. Zum Reiz der Erlebnisnacht trugen besonders auch die vielen Aktionsstände bei: Roulette konnte man spielen, seine Reaktionsfähigkeit testen, ein Filmklassiker wurde am Jakobsplatz gezeigt, die Kinder hatten ihren Spaß bei Karussellfahren, Basteln im Bürgerhaus und beim Flechten von Zierkörbchen, und wer einen stabilen Magen hatte, konnte sich auch mal beim Bungee-Jumping am Marktplatz versuchen.

Im rammelvollen Raum der Kreisgalerie fesselten Schauspieler der einheimischen Truppe METTheater mit drei Sketchen, in der Kirche St. Kilian hatte der junge Organist Elias Mack einen völlig anderen musikalischen Akzent gesetzt. Der Schafhof hatte in der Bauerngasse geöffnet, und die Spitalkapelle suggerierte fast mystisch Entspannung und innere Einkehr.

Im Fronhof spielte sich wieder westernähnliches Leben mit Line-Dancing und Countrymusik ab. Nicht zu vergessen: Bürgermeister Eberhard Streit zusammen mit Brigitte Proß, Peter Wukowojac und zwei Glücks-Elfchen zogen am Marktplatz die Gewinnlose der großen Jubiläumstombola des „am“. Den Schlusspunkt setzten die Vorleser mit den Mitternachtsspitzen im Verwaltungsgemeinschafts-Keller. Peggy Geßner und David Henkes hatten für gut sechzig Minuten unterhaltsame Erzählungen ausgesucht und damit, neben dem Austorkeln in der Torkelstube, den würdigen Schlusspunkt im Programm dieser fantastischen Nacht gesetzt.

Die Trommler von „Schlagartig“, vom nördlichen Stadteingang durch die Hauptstraße ziehend, haben auch im Fronhof die inzwischen 13. Erlebnisnacht angeschlagen. Line-Dance-Vorführungen nach Country- und Western-Rhythmen waren hier angesagt. Natürlich war das Salzhaus geöffnet. Und unter'm Dach las Rudolf Mauder aus dem Mellrichstädter Sagenkranz vor. Die Sagen wurden von Max Schweser (1899 bis 1981) zusammengetragen. Mauder würdigte Schweser, der unter anderem Lehrer, Schulleiter, Schriftsteller und Heimatforscher war. Schweser hat sich um Mellrichstadt verdient gemacht und ist mit der Ehrenbürgerwürde ausgezeichnet.

Mauder ist fasziniert von den Sagen, denn sie schweben zwischen Märchen und Tatsachen. Mauder las aus den „Sieben in den Hecken“. Nach einer verheerenden Pest-Epidemie wurden sieben neugeborene Kinder in Hecken gefunden. Diese wurden auf Mellrichstädter Familien verteilt. Vage Hinweise lassen darauf schließen, dass diese Geschichte sogar wahr sein könnte.

Mit dem Feuer hat das Greifenpack aus Würzburg gespielt. In der unteren Hauptstraße kämpften zwei Rabauken mit brennenden Schwertern furchterregend um eine Horde Hexen. Seit einigen Jahren immer bei der Erlebnisnacht: Flammentänzerin Regine Behlert aus Suhl. Den Feuerwehrleuten dankte Behlert für ihre Wachsamkeit während der Vorführungen.

Ballonfahren macht glücklich. Über die besondere Art der Fortbewegung in der Luft informierte Georg Leupold, Ballonfahrer, Fluglehrer und Luftfahrzeugprüfer aus Bad Königshofen. Vor dem Fronhof war ein kleiner Ballonkorb mit Brenner darin aufgestellt. Gigantisch hohe Feuersäulen aus dem Brenner lockten zahlreiche Zuschauer an den Korb, Flammen die wunderbar wärmten.

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Neugierige Blicke zog auch der alte Brunnen am Marktplatz an: hinunter in eine unterirdische Welt von außergewöhnlichem ästhetischem Reiz. Tausende Besucher genossen die Erlebnisnacht.
Neugierige Blicke zog auch der alte Brunnen am Marktplatz an: hinunter in eine unterirdische Welt von außergewöhnlichem ästhetischem Reiz. Tausende Besucher genossen die Erlebnisnacht. Foto: Fred Rautenberg
Wahrhaft Halsbrecherisch mutete das nächtliche Bungee-Jumping am Marktplatz an.
Wahrhaft Halsbrecherisch mutete das nächtliche Bungee-Jumping am Marktplatz an. Foto: Fred Rautenberg
Gestalten wie aus einer Fantasiewelt der Schönheit: die Damen von Danza Venezia aus Bad Neustadt.
Gestalten wie aus einer Fantasiewelt der Schönheit: die Damen von Danza Venezia aus Bad Neustadt. Foto: Fred Rautenberg
Beeindruckend: Feuer mit einem Ballon-Brenner.
Beeindruckend: Feuer mit einem Ballon-Brenner. Foto: P. Federlein
Immer wieder schön anzuschauen: Kerzen-Bilder.
Immer wieder schön anzuschauen: Kerzen-Bilder. Foto: Fred Rautenberg

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