Saal

Fit mit 90 in Saal: zwei Äpfel am Tag und Schach auf dem I-Pad

Auch im Alter kann Faschingfeiern noch Spaß machen, wie drei noch sehr rüstige Seniorinnen beweisen.  Die eine war sogar mal mit einem Faschingsprinzen verheiratet.
Immer in Bewegung bleiben: Die drei aktiven 90-jährigen (sitzend, von links) Anna Vatter, Erika Will und Beate Göbel üben mit der Leiterin des Seniorenkreises Doris Schön einen Sitztanz. Foto: Regina Vossenkaul

 "Damals war es schöner als heute, man machte im Dorf viel mehr gemeinsam", darüber sind sich drei 90-jährige Seniorinnen aus Saal einig, die sich an lange Faschingszüge, tolle Kostüme und viele schöne Feste in Saal erinnern. Die drei Saalerinnen sind fit im Kopf und noch einigermaßen gut zu Fuß. Gemeinsam mit der Vorsitzenden des Seniorenkreises, Doris Schön, erinnerten sie sich bei einem Gespräch im Pfarrgemeindehaus an frühere Zeiten, während nebenan die "jüngeren" Senioren, also die U 70-Jährigen ihren Besentanz, den Auftritt beim Seniorenfasching einüben.

Ein Prinzenpaar hat es immer gegeben und die Faschingswagen wurden von Pferden gezogen anstatt von Traktoren, berichten die Seniorinnen. Eugen Will war viele Jahre lang Prinz in Saal, erinnert sich Erika Will, die im November 91 Jahre alt wird. Geheiratet hat der Prinz aber keine der Prinzessinnen, sondern sie. Bauer und Hausmetzger war Eugen Will, da gab es reichlich Arbeit für die Familie. "Wir haben uns viel geplagt", sagt Erika Will.

Beate Göbel kocht noch heute oft für ihre Kinder und Enkel

Aber im Winter blieb Zeit für die Lichtstube und zum Fasching feiern. Das bestätigt die 90jährige Beate Göbel, die mit dem Schlosser Georg Göbel verheiratet war und nebenbei etwas Landwirtschaft hatte. Sie kocht heute noch oft für ihre Kinder und die Enkel gucken auch gern ins Töpfle, berichtet sie. Wenn es das Wetter zulässt, findet man sie auf dem Bänkle in der Kehl, wo sie mit der Erika oder anderen, die gerade vorbeikommen, ein Schwätzchen hält. Anna Vatter ist die Jüngste im Bunde und gerade im Januar 90 geworden. Gemeinsam mit Ehemann Adolf Vatter hat sie einen großen Bauernhof bewirtschaftet.

Die jüngeren Seniorinnen üben einen Besentanz für den Fasching ein. Foto: Regina Vossenkaul

Beim Sitztanz "Die kleine Schaffnerin" machen die Drei gerne mit, denn Bewegung ist wichtig, um fit zu bleiben, darüber sind sie sich einig. "Wenn es möglich ist, gehen wir zu Fuß, ob mit Wägele oder ohne." Alle führen noch ihren eigenen Haushalt und nehmen am Gemeindegeschehen teil. Selbstverständlich gehen sie auch zur Wahl oder nutzen die Briefwahl. "Es muss weitergehen in der Gemeinde", ist ihre Meinung. Wer wird nächster Bürgermeister oder gibt es erstmals eine Bürgermeisterin? Das wird knapp, wahrscheinlich gibt es eine Stichwahl, tippen die Drei.

Nach der Schule wartete zuhause die Arbeit auf dem Hof  

Wie bleibt man im Alter rüstig? "Arbeit hält fit", meinen die Saalerinnen, die ein arbeitsreiches Leben hinter sich und "ganz nebenbei" ihre Kinder großgezogen haben. Nach der Dorfschule, die sie gemeinsam besuchten und in der besonders Pfarrer Joseph Roßmann Schläge verteilte, wartete zuhause schon die tägliche Arbeit. Alle mussten mithelfen, jeder hatte seine Aufgaben oder es ging gemeinsam raus aufs Feld, besonders, als viele Männer im Krieg waren. Gegessen wurde, was Garten und Eigenproduktion hergab. Nebenbei gab es Sonderaufgaben wie Kräuter sammeln oder Kartoffelkäfer ablesen.

Zu den Höhepunkten im Jahr zählten Ausflüge, zum Beispiel lief man zu Fuß nach Königshofen, um das Geld für den Bahn-Fahrschein zu sparen, aß dort ein Stück warme Fleischwurst im Weck und bekam eine Limo. Als junge Frauen lernten sie die die Kirchgänge zu schätzen. Während der Messe und beim Rosenkranzbeten konnten sie sich ausruhen und die Arbeit kurz vergessen. Alkohol trinken alle drei nicht. "Mit den Männern ging auch das Bier", scherzen sie, denn die Ehemänner sind alle seit Jahren verstorben. Anna Vatter isst täglich zwei Äpfel und schwört auf Gedächtnistraining. Beim Spielnachmittag ist sie gerne beim Schafkopfen und bei Brettspielen dabei, zuhause spielt sie Schach mit Internet-Gegnern auf ihrem I-Pad.

"Die Drei sind immer lustig, nie schlecht drauf und machen alles mit", berichtet Doris Schön. Vielleicht ist das eine wichtige Komponente für Zufriedenheit im Alter? Am 19. Februar, ab 14 Uhr, wird beim Seniorenfasching in der Festhalle wieder kräftig gefeiert, alle drei werden dabei sein.

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Saal
  • Regina Vossenkaul
  • Brettspiele
  • Ehegatten
  • Enkel
  • Familien
  • Heiraten
  • Kinder und Jugendliche
  • Schachsport
  • Senioren
  • Seniorenfasching
  • Seniorenkreise
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!