Fladungen

Fladungen: Kleine Kirche mit großer Strahlkraft

In gelöster Stimmung fand man sich nach derm Gottesdienst vor der Statue des "Guten Hirten" am Eingang der Christuskirche zu einem Gruppen-Erinnerungsfoto ein. Von links: Orgelbaumeister Günter Hoffmann, Dominik Schindler und Orgelbaumeister Christoph Schindler. Davor Vertrauensfrau Angelika Schmitt, Pfr. i.R. Konrad Schellenberger, Dekan Dr. Matthias Büttner, Bürgermeisterin Agathe Heuser-Panten, Pastoralreferentin Iris Will-Reusch, stellv. Landrat Peter Suckfüll und KMD Thomas Riegler. Foto: Gerhard Friedrich Kupfer

Die evangelische Kirchengemeinde Fladungen feierte den 40. Jahrestag der Einweihung ihrer Christuskirche. Vor genau 40 Jahren, am 2. Dezember 1979 wurde das Gemeindezentrum mit Pfarrhaus von Kreisdekan OKR Rudolf Meiser offiziell an die Gemeinde übergeben. Das Jubiläum feierte man am ersten Adventssonntag in einem Festgottesdienst mit Dekan Dr. Matthias Büttner. Gleichzeitig war im Gottesdienst die neu erworbene Orgel erstmals zu hören, gleichsam aufgeweckt in ihrer Klangfülle durch den Dekanatskantor KMD Thomas Riegler, der neben eigenen Kompositionen auch ein Orgelstück seines Nördlinger Kollegen Udo Knauer im Gepäck hatte.

Seit etwa hundert Jahren wird in Fladungen evangelischer Gottesdienst gefeiert. Ab 1924 wurde den evangelischen Christen ein Raum im alten Amts-und Centhaus der Stadt zur Nutzung als Betsaal überlassen. Ende der 1950er Jahre kam der Wunsch nach einer eigenen Kirche auf, den man schließlich 1979 verwirklichen konnte. Nach eineinhalb Jahren Bauzeit konnte man am 1. Advent in das neue evangelische Gemeindezentrum einziehen, das auf dem ehemaligen Kindergartengrundstück errichtet wurde.

Thomas Riegler an der neuen Orgel. Foto: Gerhard Friedrich Kupfer

Die 1981 für die Kirche beschaffte Orgel wurde 2016 durch einen Starkregen, der auch das ganze Untergeschoss des Gemeindezentrums überschwemmte, so in Mitleidenschaft gezogen, dass sie nicht mehr bespielbar war. Hohe Gebäudesanierungskosten machten der Gemeinde überdies zu schaffen - eine große zweckgebundene, anonyme Spende machte es aber möglich, dass heuer die Orgel aus der mittlerweile entwidmeten Hösbacher Kreuzkirche erworben werden konnte. Die Ostheimer Orgelbaufirma Hoffmann und Schindler setzte das Instrument schließlich fachmännisch und rechtzeitig zum Jubiläum um. So konnte der Gottesdienst auch musikalisch eine angemessen festliche Note erhalten.

Viele Gäste waren der Einladung zum Mitfeiern gefolgt. Mit einem „Advents-Walzer“ ließ Thomas Riegler die Orgel und den Zimbelstern erklingen und eröffnete so den Gottesdienst. Vertrauensfrau Angelika Schmitt gab einen kurzen Abriss der historischen Entwicklung der evangelischen Gemeinde. Sie übermittelte Grüße von Else Reuter, die jahrzehntelang in der Gemeinde die Orgel spielte, aber mit 101 Lebensjahren nicht mehr persönlich teilnehmen konnte und brachte schließlich Genesungswünsche für Christel Kupfer zum Ausdruck, denn die amtierende Pfarrerin der Fladunger Gemeinde konnte krankheitsbedingt ebenfalls nicht mitfeiern.

Dekan Dr. Büttner rückte in den Mittelpunkt seiner Predigt über das Pauluswort aus dem Römerbrief, Kap. 13 die Umsetzung des Textes durch Felix Mendelsohn Bartholdy in seiner Sinfonie Nr. 2 D – Dur („Lobgesang“) "Die Nacht ist vergangen, der Tag aber herbeigekommen..." Eine Einspielung nahm die Zuhörer eindrucksvoll mit in diese Spannung zwischen der Nacht und der Hoffnung auf das Morgenlicht. Der Gewandhauskapellmeister sei beauftragt worden, zum Jubiläum 400 Jahre Erfindung des Buchdrucks durch Gutenberg, und damit der Verbreitung der Bibel, eine Sinfonie zu schreiben. Ähnlich wie die Bibel durch die Buchdruckerkunst Öffentlichkeit bekam, sei die evangelische Gemeinde mit dem Bau der Christuskirche sichtbar geworden. Sie habe ein steingewordenes Glaubenszeugnis abgelegt und Strahlkraft erhalten, so Büttner.

Im Anschluss an den Gottesdienst gab es Gelegenheit zu Grußworten. Zunächst ergriff Pfr. i.R. Konrad Schellenberger das Wort und freute sich, mitfeiern zu können. Er war ab 1982 der erste Stelleninhaber der Pfarrstelle Fladungen und gleichzeitig auch der letzte, denn mit seinem Eintritt in den Ruhestand 2012 wurde Fladungen der Pfarrei Sondheim zugeordnet. Schellenberger zeigte sich besonders berührt von der Statue des „Guten Hirten“, die vor dem Eingang steht und vom Portal des ehemaligen Kindergartens stammt. Das Bild des Hirten, aber auch des Schäfleins habe ihn lebenslang begleitet und auch im Beruf getragen. Die Kirche sei der Raum, wo man die Stimme des „Guten Hirten“ vernehmen könne.

Stellvertretender Landrat Peter Suckfüll betonte die besondere Rolle der Kirchen als Orte der Begegnung und der Vermittlung von Werten. In dieser Hinsicht sei in Fladungen mit der Christuskirche „ein Leuchtturm evangelischen Glaubens“ entstanden. Bürgermeisterin Agathe Heuser-Panten hob die gute ökumenische Zusammenarbeit und das breite Engagement vieler Ehrenamtlicher hervor, die Aktionen wie ein Kirchenasyl etc. erst ermöglichten. Für die katholische Kirche überbrachte Pastoralreferentin Iris Will-Reusch herzliche Geburtstagsgrüße. 

Der anschließende Empfang bot nicht nur reichlich Gelegenheit, miteinander persönliche Erinnerungen wachzurufen und zu teilen, sondern auch, so manchen Ausblick in die Zukunft zu wagen. Kirchenvorsteher aus Hösbach, die ihre Kirche wegen sinkender Gemeindegliederzahlen aufgeben mussten, freuten sich, dass ihre Orgel nun einen so würdigen Platz gefunden habe und wünschten der Gemeinde eine positive Entwicklung und dass sie ihre Strahlkraft, wie Büttner in der Predigt formulierte, behalte möge.

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