Bad Neustadt

Flessabank: Zum Jubiläum gleich drei Torten

Auf den Tag vor 50 Jahren öffnete die Flessabank Bad Neustadt ihre Pforten - damals auf dem Marktplatz. Der persönliche Kundenkontakt steht auch 2019 im Mittelpunkt.
2019: Die aktuelle Mannschaft der Flessabank Bad Neustadt im 50. Jubiläumsjahr mit Niederlassungsleiter Robert Foidl (vorne in der Mitte). Foto: Pixelich Foto & Werbedesign

Wer in diesen Tagen die Flessabank-Filiale in der Bad Neustädter Goethestraße besucht, der kann sich bei einem Gläschen Sekt auf eine kleine Zeitreise begeben. Zurück in eine Zeit, in der beispielsweise ein Sparbuch mit Zinsdynamik von sieben bis gar acht Prozent angepriesen wird.

Warum aber dieser Blick zurück? Das wird schnell klar, wenn man auf die aufgestellte Schautafel mit alten Werbeprospekten und Zeitungsausschnitten sieht. Die Bank feiert in dieser Woche Jubiläum. Auf den Tag genau vor 50 Jahren, am 6. Juni 1969, erblickte die Niederlassung in Bad Neustadt das Licht der Welt - damals noch mitten auf dem Bad Neustädter Marktplatz. Ein männliches Quartett, bestehend aus dem damaligen Leiter Dieter Mögel, Klaus Beck, Peter Englisch und der erste Auszubildende, Paul Back, konnte die ersten Kunden begrüßen. Sie blieben dem Unternehmen letztlich bis zu ihrem Ruhestand treu. "Die vier haben bei Null angefangen", beschreibt es Robert Foidl, der seit 2017 als alleiniger Niederlassungsleiter die Geschicke leitet.

Mit dem Fahrrad auf Kundenfang 

Die neue Bank am Marktplatz 16 bekannt zu machen, das war eine der größten Aufgaben zu Beginn. Peter Englisch sorgte mit seinem Einsatz in den Stadtteilen und im Umland dafür, dass die Einlagen und der Kundenstamm rasch anwuchsen. Paul Back fuhr die ersten Werbeflyer noch eigens mit dem Fahrrad aus, wusste Backs Nachfolger André Härder Skurilles aus der Anfangszeit zu erzählen. Die Zugehörigkeit der Mitarbeiter in den örtlichen Vereinen war für einen wachsenden Bekanntheitsgrad ebenfalls nicht von Nachteil. Nachdem Ende der 70er-Jahre mit Doris Schneyer die erste Frau hinter dem Bankschalter stand, wurden die Räumlichkeiten 1988 umgebaut und modernisiert.

Die Deutsche Wiedervereinigung 1990 war schließlich ein Sprungbrett für die Flessabank. Die Mitarbeiter der Bad Neustädter Niederlassung halfen mit bei der Eröffnung der Filiale in Suhl in Thüringen. Der Ausbau des Ratenkreditgeschäfts über Kreditvermittler und Autohändler in Thüringen wurde vorangetrieben. Im Oktober 1996 folgte schließlich der Umzug in die heutigen Räumlichkeiten in der Goethestraße. 2019 zählt die Flessabank in Bad Neustadt 12 Mitarbeiter und rund 3000 Kunden.

Intensivere Beratung seit der Finanzkrise

Was hat sich seitdem - abgesehen von der Währungsumstellung von D-Mark auf Euro im Jahr 2001 - verändert? Die Finanzkrise vor rund zehn Jahren mit der einsetzenden Niedrigzinsphase habe der Nachfrage nach dem klassischen Sparbuch nicht gut getan, so Foidl. Die Zinsen dafür sind seit Jahren im Keller und quasi kaum noch im messbaren Bereich. Stattdessen müssen Banken immer häufiger gegen Negativzinsen ankämpfen. Privatkredite, Baufinanzierungen oder Beratungen in Wertpapiere würden daher nun vermehrt von den Kunden nachgefragt. "Und die Anlagenberatung ist seit der Finanzkrise auch deutlich intensiver geworden", fügt Härder an.

Jener intensive, persönliche Kundenkontakt ist laut der Flessabank-Philiosophie auch ausdrücklich gewollt und erwünscht. "Wir sehen uns nicht als Privatbank im elitären Sinne", so Foidl. Beim Service mache man demnach keinen Unterschied, egal ob es um einen Kredit für den kleineren Handwerksbetrieb oder die größere Industrie geht. Und diese Konstanz wird geschätzt. Daran hat auch das immer weiter fortschreitende digitale Zeitalter nichts geändert - im Gegenteil. "Unsere Kunden kommen immer noch gerne an den Schalter und diesen Markt sehen wir auch in den nächsten zehn bis 20 Jahren noch", erklärt der Niederlassungsleiter, der pünktlich zum Jubiläum die Schalterzeiten der Bank ausgebaut hat.

Bank schwimmt gegen den Strom

Die Flessabank schwimmt damit in Zeiten, in denen immer mehr Bankfilialen geschlossen werden und vielerorts wenn überhaupt nur noch Geldautomaten vorhanden sind, gewissermaßen gegen den Strom. Man will auch die Zielgruppe bedienen, die ihre Bankgeschäfte noch auf die klassische Art und Weise und nicht ausschließlich online erledigen will. Entgegen kommt Foidl und seinen Kollegen für diesen gewünschten persönlichen Kontakt auch, dass diese frei und ohne einen Vertriebsdruck arbeiten können und dass es nur eine einzige Filiale am Standort Bad Neustadt gibt. Auch wenn sich die "jungen Wilden" nach dem Abschied des letzten Alteingessenen - Paul Back ging im Juli 2017 in Ruhestand - erst einmal durchbeißen mussten und keine Vorschusslorbeeren bekamen, wie Foidl anmerkte.

Abgesehen von diesem personellen Generationswechsel ist sich die Flessabank über die vergangenen 50 Jahre in ihrer familiär anmutenden Philosophie treu geblieben. Da passt es gewissermaßen ins Bild, dass zum Geburtstag verschiedene Kunden insgesamt gleich drei Torten in die Goethestraße brachten.

Geschichte und Daten der Flessabank
Das private Bankhaus Max Flessa KG wurde 1924 in Schweinfurt gegründet und hat dort auch bis heute seinen Hauptsitz. Die Wachstumsphase wurde 1964 mit der Eröffnung der ersten Niederlassung in München eingeläutet. 1969 folgte Bad Neustadt, nach der Wiedervereinigung wurden die Aktivitäten auch nach Thüringen ausgeweitet. Inzwischen verfügt die Bank über 30 Niederlassungen in Bayern, Thüringen und Sachsen, der jüngste Neuzugang ist Leipzig. Im Jahresdurchschnitt 2018 waren 470 Mitarbeiter für das Bankhaus beschäftigt. Die Unternehmensleitung besteht aus Mathias und Fritz Ritzmann sowie Dr. Gerd Sachs. Zum 31. Dezember 2018 beliefen sich die gesamten Kundeneinlagen des Bankhauses laut Zahlen des Unternehmens auf 2.083 Millionen Euro, die Spareinlagen betrugen 453 Millionen Euro, die Bilanzsumme wurde um rund fünf Prozent auf 2.433 Millionen Euro erhöht.

Mitten im Herzen des Bad Neustädter Marktplatzes fing für die Flessabank 1969 alles an. Foto: Archiv Flessabank
Ein Männerquartett war die Starttruppe der Flessabank Bad Neustadt 1969. Foto: Archiv Flessabank
Nostalgischer Blick zurück in eine Zeit, in der es auf ein Sparbuch noch sieben oder gar acht Prozent Zinsen gab. Foto: Archiv Flessabank

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