Flexen für das Gipfelkreuz

Heimatverbundener Freundeskreis aus Oberwildflecken und Oberbach arbeitet mit viel Fleiß

und großem Aufwand am neuen Wahrzeichen für den heiligen Berg der Franken

Da fliegen die Funken: Horst Kimmel bereitet einen der Stahlrohr-Querbalken für das neue Gipfelkreuz auf dem Kreuzberg zu. Foto: Thomas Pfeuffer

Wer an den Kreuzberg denkt, denkt an das Kloster-(Bier), den Sendemast, vielleicht an die drei Kreuze des Kreuzwegs oben auf dem Berg oder auch an das älteste von Menschenhand geschaffene Wahrzeichen auf dem heiligen Berg der Franken, das große Gipfelkreuz. Im Jahr 686 schon soll der Legende nach der heilige Kilian hier das erste christliche Symbol in einer heidnischen Kultstätte errichtet haben. Vielen jedoch, die in den vergangenen Monaten auf das Gipfelplateau kamen, ist aufgefallen: Das Kreuz ist verschwunden.

Auch das ist in den vergangenen Jahrhunderten vorgekommen. Unter anderem deshalb, weil das Kreuz immer einmal wieder erneuert werden muss. Die Witterung in den Höhenlangen der Rhön ist schließlich reichlich rau. So wurde das 30 Meter hohe Kreuz im Frühjahr 2012 abgebaut. Es hatten sich mehrere dicke Holzteile abgeschält, die Vorbeikommende möglicherweise hätten gefährden können.

Doch Freunde der Tradition auf dem Kreuzberg müssen sich keine Sorgen machen. Nicht weit entfernt, fast in Sichtweite des Gipfels entsteht in diesen Tagen im Hof vor der Schmiede und dem Schlossereibetrieb von Horst Kimmel im Gewerbepark Am Kreuzberg bei Oberwildflecken das neue Kreuz.

Da wird gehämmert, gebohrt, geflext, geschraubt, diskutiert und, wenn die Baustelle zu trocken ist, auch mal ein Bierchen getrunken. „Wir sind ein Freundeskreis von neun Leuten aus Oberwildflecken und Oberbach“, erzählt Horst Kimmel in einer Pause, für die ein Regenschauer sorgt. Und diese Freunde haben sich zum Ziel gesetzt, das neue Gipfelkreuz für den Kreuzberg in ihrer Freizeit und natürlich umsonst herzustellen. Anfallende Kosten zum Beispiel für einen Autokran übernimmt das Kloster.

„Wir sind keine Leute, die dauernd in die Kirche gehen, aber der Kreuzberg, das ist unsere Heimat“, erklärt Kimmel, der auch der „Haus- und Hofschmied“ am Kloster ist, warum er und seine Freunde sich an diese Aufgabe gemacht haben. Und dafür gilt es nicht nur, einiges an Freizeit zu opfern, es ist auch viel Fachwissen und einiges an technischem Gerät erforderlich, was nicht „irgendein Stammtisch“ aufbringen kann. Beides steht den Freunden aber zur Verfügung. Zum einen von Berufs wegen, zum andern haben Horst Kimmel und Armin Ziegler mit anderen Helfern schon das 1997 aufgestellte Gipfelkreuz für den Kreuzberg gebaut und wissen daher, welche und wie viele Arbeiten dafür anfallen.

Wie Horst Kimmel und seine Frau Irmgard berichten, startete ihr zweites Kreuz-Projekt bereits vor mehr als zwei Jahren. Noch während das alte Kreuz stand, zog die Truppe, zu der auch noch Karl-Heinz Kessler, Egon Fuß, Rainer Rüttiger, Thomas Heinle, Willi Hahner und Klaus Vogt zählen, im Januar 2012 in den Oberbacher Forst.

Hier hatte die Bayerische Staatsforsten, bei der Egon Fuß als Haumeister tätig ist, einen Baum zur Verfügung gestellt. Und nicht irgendeinen Baum, sondern, wie Horst Kimmel lobt, eine gerade gewachsene, stattliche 43 Meter hohe Lärche, die rund 120 Jahre alt ist und durchaus einen Wert hat.

Auf das Fällen des Baumes folgte bei einem zweiten Arbeitseinsatz der Abtransport aus dem Wald. Kein einfaches Unterfangen, für das Traktor, Radlader und Gabelstapler erforderlich waren, die aus Armin Zieglers Gartenbaubetrieb kamen. Nach so einigen Rangierarbeiten zog der überlange Transport dann durch den Ort in den Gewerbepark, wo die Spedition Witzel eine Lagerfläche zur Verfügung stellte.

Mit einem speziellen Bauhobel aus Stahlträgern, den das Team um Horst Kimmel selbst konstruiert und gebaut hatte, wurde der Baum dann geschält. Es folgte eine nicht geplante Pause. Eigentlich hätte das Kreuz schon im vergangenen Jahr aufgestellt werden sollen, doch dann fiel in Kimmel's Schmiede so viel Arbeit an, dass das „nicht zu schaffen war“.

Inzwischen ist der jetzt rund 30 Meter lange Stamm in seinem Gewerbehof aufgebockt. Wenn es das Wetter zulässt, erhält das Holz – das übrigens nicht imprägniert wird – seinen letzten Schliff. Spezialdübel werden angebracht, an denen die beiden drei mal drei Meter großen und je 200 Kilo schweren Tragekreuze befestigt werden. An diesen sollen wiederum die Querbalken des Kreuzes angebracht werden.

„Zieh an Kalli, das ist gut für den Bizeps“
Thomas Heinle, während Karl Heinz Kessler mit einer Schraube kämpft

Dieser Querbalken wird diesmal nicht aus Holz sein. Statt dessen kommen zwei jeweils fünf Meter lange Stahlrohre zum Einsatz. Die Witterung setzt den Querbalken nämlich weitaus stärker zu als Stamm, so die Erfahrung von Horst Kimmel.

Der Blitzableiter muss ebenso angebracht werden wie die Halterung für die drei Abspannseile. Bei all den Arbeiten ist Fingerspitzengefühl, aber auch jede Menge Kraft erforderlich. Manches passt nicht ganz, manches muss angepasst werden, dazu kommen Bohrer und Flex zum Einsatz. „Wir montieren das ganze Kreuz vor, damit beim Aufbau oben auf dem Kreuzberg nichts schiefgehen kann“, erklärt Horst Kimmel. Wenn alles passt, wird das Kreuz wieder zerlegt und in Einzelteilen auf den Berg gebracht.

Wann der Konvoi zum Kreuzberg fährt, der große Autokran kommt und das Kreuz aufgestellt wird, steht noch nicht fest. Schließlich sind die noch ausstehenden Arbeiten wetterabhängig. Auch das bisher schon genutzte Blendkreuz, mit dem die Tragekreuze überdeckt werden, befindet sich noch in Unterweißenbrunn bei Egon Fries, der die Vergoldung überarbeitet. Zwei bis drei Wochen haben die Helfer noch zu tun, bis alles fertig ist, schätzen sie.

Auch wenn der Tag des Aufstellens noch nicht feststeht, der Termin der offiziellen Segnung ist klar. Am 3. Mai wird der Vertreter von Papst Franziskus in Deutschland, der Apostolische Nuntius, Kurienerzbischof Nikola Eteroviæ eigens zu diesem Anlass auf den Kreuzberg kommen. In der Vergangenheit wollten stets Tausende Gläubige bei diesem Anlass dabei sein.

-> ein Bericht über die Geschichte des Gipfelkreuzes folgt in der morgigen Ausgabe
*buDie Rettungsgrabungen von 2012 sollen in diesem Jahr in Salz fortgesetzt werden. Foto Heise

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