SCHWEINFURT/OBERSTREU

GPS verrät den Dieb der Solarmodule

Wer nächtens mit dem Auto auf Diebestour gehen will, sollte aufpassen, nicht zu viel Überwachungstechnik an Bord zu haben. Einem 40-jährigen Polen wurde die GPS-Ortung des Leihtransporters zum Verhängnis.

Frühjahr 2014: Die brandenburgische Polizei stoppt einen polnischen Kleintransporter bei Frankfurt/Oder, überprüft Fracht und Fahrer. An Bord: 180 Solarmodule. Ein in Dänemark ausgestelltes Dokument soll die Herkunft der Fracht als rechtmäßig ausweisen, aber die Beamten stellen fest, dass die Leistung der Solarzellen nicht mit dem Papierwert übereinstimmt, außerdem sind die Module auch noch nass.

Bei so vielen Widersprüchen denken die Polizisten gleich mal an Hehlerei, sagt jetzt als Zeuge vor dem Schweinfurter Schöffengericht der Leiter einer brandenburgischen Sonderkommission, die sich damals mit nichts anderem als Solarzellendiebstahl beschäftigt hatte.

Die 180 Module im Auto stammen aus Hildesheim. Der 40-Jährige wird als Fahrer des Transporters – also als Tatbeteiligter – festgenommen und von einem dortigen Gericht zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und fünf Monaten verurteilt. Aber: Der polnische Miettransporter, den der Mann – wohl zusammen mit einigen anderen Unbekannten – für die Tat benutzt hatte, ist mit GPS-Ortung ausgestattet. Der Autovermieter kann wohl systematisch sehen, wo sich sein Gefährt wann genau befindet – und schon befunden hat.

Bei Oberstreu geortet

Und siehe: Derselbe Transporter wurde in der Nacht vom 8. auf den 9. Januar 2014 in einer Funkzelle geortet, in der Bergrheinfeld liegt und aus einem Solarpark 126 Solarmodule im Wert von knapp 40 000 Euro geklaut wurden. Hinzu kommt laut Anklage ein Sachschaden von 6700 Euro. Drei Wochen später, vom 28. auf 29. Januar, befand sich dasselbe vom Angeklagten angemietete Auto in einer Funkzelle bei Oberstreu (Rhön-Grabfeld), wo in diesem Zeitraum 300 Solarmodule im Wert von 51 000 Euro verschwanden.

Erst bei Tagesanbruch wurde der Diebstahl entdeckt. Die genaue Tatzeit sei deshalb nicht anhand eines Spannungsabbaus feststellbar, so ein Fachmann als Zeuge, „weil Solarzellen nachts keinen Strom produzieren“. Dem Angeklagten kamen die Ermittler als zumindest mutmaßlich Beteiligten trotzdem auf die Schliche, weil er laut Autovermieter jeweils den fraglichen Transporter angemietet habe. Am Tatort Oberstreu sei ferner seine DNA gefunden worden und sein Handy in der Funkzelle eingelockt gewesen. So kommt es, dass der 40-jährige Pole, den die Polizei vor gut zwei Jahren bei Frankfurt/Oder mit noch nassen, frisch demontierten und geklauten Solarmodulen aus dem Verkehr gezogen hatte, bezüglich der bis dato ungeklärten Solarzellen-Diebstähle in Bergrheinfeld und Oberstreu in Polen festgenommen und an die hiesige Justiz ausgeliefert wurde. Seit rund zwei Monaten sitzt der in der JVA „Villa Rosa“ in der Hadergasse und wartet auf sein Urteil. Angeklagt ist der Mann wegen Bandendiebstahls. Zum dritten Verhandlungstag am 11. Juli erwartet das Gericht den Transportervermieter als Zeugen. Dann könnte auch das Urteil fallen.

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