BAD KÖNIGSHOFEN

Gegenwind für den blauen Dunst

Schwindende Akzeptanz und Rauchverbote, schlechter Atem, riechende Hände und die Tabaksteuer: Deutschlands Raucher haben es gewiss nicht leicht.

Jetzt weht neuer Gegenwind aus Berlin gegen das rauchende Volk. Ein absolutes Rauchverbot während der Arbeitszeit steht zur Debatte. Die aktuelle Lage für die qualmenden Arbeitnehmer in Bad Königshofen sieht so schlecht bisher nicht aus - ein Lagebericht.

Von einem volkswirtschaftlichen Schaden unvorstellbaren Ausmaßes sprechen Arbeitgeberverbände und sie zeigen mit erhobenem Zeigefinger in Richtung Berlin. „Schluss mit dem blauen Dunst während der Arbeit“, sagt der Präsident des Bundesverbandes mittelständischer Wirtschaft, Mario Ohoven, bei einer Pressekonferenz. Die Zeiten für Raucher waren zu keinem Zeitpunkt härter. Erst vor kurzem wurde die Tabaksteuer erhöht. Die Anliegen der Verbände könnten einleuchtender nicht sein: Wer raucht, arbeitet nicht. Wer nicht arbeitet, ist unproduktiv. In der Öffentlichkeit argumentiert man anders: Nichtraucher dürften nicht bestraft werden, wenn sie währenddessen die Arbeit der Raucher mit erledigen müssten. „Im Zweifel könnte dadurch ein gesamter Betrieb lahmgelegt werden.“

Die Stechuhr läuft

Die Betriebe in Bad Königshofen haben eigene Wege gefunden sich mit der rauchenden Belegschaft zu arrangieren. „Schon alleine aus versicherungstechnischen Gründen ist es in der Kunststoffspritzerei nicht möglich zu rauchen“, erklärt Karin Erhard von der gleichnamigen Firma. Im Freien zu rauchen ist der Belegschaft allerdings freigestellt. „Die Raucherpause wird über die Stechmaschine registriert und als Pause festgehalten“, erklärt die Geschäftsführerin. Nur im Bereich Werkzeugbau können die Mitarbeiter der Kunststoffspritzerei auch während der Arbeit rauchen. „Vorausgesetzt ist allerdings die Rücksichtnahme auf die nicht rauchende Belegschaft“, betont Erhard. Durch die Abzugsanlagen in der Halle sei das aber kein Problem. „Der Rauch zieht sofort nach oben.“ Ein allgemeingültiges Regelwerk mit einem generellen Rauchverbot, so wie es Arbeitnehmerverbände fordern, lehnt sie ab. „Die Mitarbeiter und wir sind mit der hausinternen Lösungen sehr zufrieden.“

Absolut rauchfrei innerhalb aller Räumlichkeiten geht es in der Möbelwerkstatt Ress zu. „Wir sind ein holzverarbeitender Betrieb,“ erklärt Annette Schmitt aus der Buchhaltung. Rauchen für die Belegschaft ist im dafür konzipierten Aufenthaltsraum und im Freien zwar erlaubt. „Aber nur zwei Mal täglich während der Pausen“, so Schmitt. Während der Arbeitszeit darf jedoch nicht geraucht werden. „Dies ist vertraglich mit den Mitarbeitern vereinbart und gilt seit Jahren. Handlungsbedarf seitens der Regierung sieht man aufgrund der eigenen Lösung bei der Möbelwerkstatt Ress nicht.

Hinter den Rauchern steht auch Bad Königshofen Bürgermeister Thomas Helbling, der nach eigenem Bekunden noch nie in seinem Leben eine Zigarette geraucht hat. „Die meisten Mitarbeiter sind Nichtraucher“, erklärt das Stadtoberhaupt. Den wenigen Rauchern ist es gestattet, während der Arbeitszeit Raucherpausen zu nehmen. „Auf den ersten Blick erscheint es vielleicht so, dass Nichtraucher dadurch benachteiligt sind“, gibt Helbling zu, entgegnet aber: „Wer aber eine kurze Pause im Freien braucht - ob Raucher oder Nichtraucher - der soll sich die nehmen.

Auch den Mitarbeitern vom Bauhof ist das Rauchen während der Arbeitszeit erlaubt. Ob das zukünftig so bleibt, damit wird sich die Bundesregierung in Berlin beschäftigen. Dass die Zeiten für Raucher zunehmend härter werden, scheint jedenfalls außer Frage zu stehen.

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