Münnerstadt/Bad Neustadt

Gehören Smartphones und Tablets in Kinderhände oder nicht?

Mit Trommelklängen der Percussion-Gruppe der Fachakademie für Sozialpädagogik unter Leitung von Jennifer Schneidawind begann im Berufsbildungszentrum (BBZ) Münnerstadt der Informationstag "Gesundheitsförderung im Kindergarten". Foto: Dieter Britz

Die Gretchen-Frage "Gehören Smartphones und Tablets in Kinderhände oder nicht?" haben der ärztliche Psychotherapeut Arno Remmers und der Sozialpädagoge Frank Findeiß nicht abschließend mit einem klaren Ja oder Nein beantworten können. Doch sie gaben den Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen (einige wenige Herren waren auch dabei) bei der Fortbildungsveranstaltung im Berufsbildungszentrum (BBZ) Münnerstadt wichtige Fingerzeige. Organisiert wurde dieses Treffen zum Thema "Zukunft bilden! Was Kinder heute für morgen brauchen" von den Sozialpädagoginnen Maria Reichert-Härder und Isabelle Bühner (beide Gesundheitsamt Bad Neustadt) sowie ihrem Kollegen Rainer Müller (Gesundheitsamt Bad Kissingen).

Die Gesundheitsämter der beiden Landkreise veranstalteten dieses Jahr das 17. Treffen der Reihe "Gesundheitsförderung im Kindergarten". Der Tag begann mit Trommelklängen: Die Eröffnung gestaltete die Percussion-Gruppe der Fachakademie für Sozialpädagogik unter Leitung von Jennifer Schneidawind. Der stellvertretende Leiter des BBZ, Christian Zintl, konnte neben Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen aus beiden Landkreisen auch Schüler des BBZ sowie Landrat Thomas Bold (Bad Kissingen) und den stellvertretenden Landrat Josef Demar (Rhön-Grabfeld) begrüßen. "Ihre Arbeit ist sehr wichtig, deshalb wird das BBZ neu gebaut", betonte Bold. Vor 17 Jahren, als die erste Veranstaltung dieser Reihe stattfand, habe niemand über Smartphones gesprochen. Die Kommunikation habe sich durch die Digitalisierung rasant entwickelt. Einige der wertvollsten Dax-Unternehmen seien in diesem Bereich angesiedelt. Er forderte, sich intensiv mit diesem Thema zu beschäftigen und die Entwicklung in die richtigen Bahnen zu lenken. Demar ergänzte: "Die 30 Millionen Euro, die im BBZ investiert werden, sind bestens angelegt."

80 Prozent der Jugendlichen nutzen das Smartphone in guter Weise

Remmers berichtete von seinen Erfahrungen, die er bei langen Aufenthalten in einer chinesischen Großstadt gemacht hat. Dort sei das Smartphone ein selbstverständlicher Bestandteil des Lebens, "so wie in Berlin in acht bis zehn und in der Rhön in zehn bis 15 Jahren". Es sei zu einem neuen Körperteil geworden, "dort bezahle ich damit ohne Scheckkarte. Das meiste, was privat oder geschäftlich passiert, wird über das Smartphone geplant". Man spreche nicht mehr miteinander, sondern suche den Weg zum Hotel über das Smartphone. Wegen der chinesischen Schrift mit ihren Schriftzeichen gehe die Eingabe viel schneller als bei uns. Dazu komme, dass der Empfang ausgezeichnet sei, sogar in der U-Bahn habe man stets WLAN-Zugang. "95 bis 98 Prozent der Chinesen in der Großstadt sind ständig am Smartphone und nicht in direktem Kontakt miteinander. Man schaut sich nicht an".

Wie sieht es bei uns aus? "Hier nutzen 80 Prozent der Jugendlichen das Smartphone in guter Weise und verstärken damit ihre Kontakte", sagte Remmers. Es sei eine Verstärkung der realen Beziehungen. Andererseits: "Wenn die Eltern am Handy sind, ist die Aufmerksamkeit für die Kinder weg. Es sollte genutzt werden, wenn die Kinder gerade nicht da sind". Für über 80 Prozent der Kinder und Jugendlichen sei das Smartphone ein wichtiges Kommunikationsmittel ohne Nachteile, das die Intelligenz fördere. Bei manchen Gruppen könne es allerdings Konflikte mit dem Selbstwertgefühl geben durch die Bewertungen in den sozialen Medien.

Nach zwei Impuls-Referaten konnten sieben Workshops besucht werden

"Digitale Medien in Kindergarten und Hort - Möglichkeiten und Grenzen" war das Thema des Impulsreferates des Sozialpädagogen Frank Findeiß. Er ist Medienpädagoge für das Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis und betreut in Unterfranken acht Kindergärten eines bayerischen Modellprojektes. Für die Kinder sei ein begleiteter Zugang zu den Medien wichtig, den sie aber oft nicht bekommen würden. In den Kindergärten dürften sie nicht allein vor dem Tablet sitzen und immer nur ausgewählte Programme bekommen. Die Kinder sollten nicht nur drinnen mit dem Tablet hantieren, sondern auch draußen. Findeiß betonte, "durch Tablets verschwindet kein Buch aus dem Regal, es kommen neue Medien dazu".

Nach diesen beiden Impuls-Referaten, die die Teilnehmer auf den Tag einstimmen sollten, gab es sieben Workshops mit Themen wie "Für Kinder präsent sein in Zeiten des Smartphones" oder "Medienerziehung im Kindergarten oder Hort - Ideen für die Elternarbeit".

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