Oberstreu

Gemeindewald: Ein Pflege- und kein Erntebetrieb

Man müsse sich längerfristig beim Gemeindewald von der reinen Holznutzung lösen, hieß es in der Sitzung des Gemeinderates. Der Wald (Symbolbild) erhalte als Ökosystem, als Naherholungsgebiet, als Lebensraum oder für den Wasser- und Bodenschutz einen anderen Stellenwert.
Man müsse sich längerfristig beim Gemeindewald von der reinen Holznutzung lösen, hieß es in der Sitzung des Gemeinderates. Der Wald (Symbolbild) erhalte als Ökosystem, als Naherholungsgebiet, als Lebensraum oder für den Wasser- und Bodenschutz einen anderen Stellenwert. Foto: Johannes Kiefer

Zur jüngsten Gemeinderatssitzung konnte Bürgermeister Matthias Liebst den Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft Obere Rhön (FBG), Andree Link, den Betriebsleiter Otfried Pankratius und den Revierleiter Michael Merkel begrüßen. Sie seien hier, um im ersten Jahr, nachdem sie den Gemeindewald Oberstreu als Dienstleister übernommen haben, den Rückblick auf 2019, aber auch die Vorschau auf die Holzvermarktung und den Forstbetriebsplan 2020 vorzustellen, führte Andree Link in das Thema ein.

Michael Merkel begann mit dem Rückblick auf das Forstwirtschaftsjahr 2019. In der Altdurchforstung wurden 491 Festmeter (Soll 43 fm) eingeschlagen, die Pflegefläche betrug 4 Hektar (Soll 8,9 ha). Bei der Jungdurchforstung lag der Einschlag bei 60 fm (Soll 140), Pflegefläche (Soll 4,5 ha) fiel keine an. In der Endnutzung betrug der Einschlag 792 Festmeter (Soll 600), im Gemeindewald wurden 1343 Festmeter (1200) und 2019 gesamt 1774 Festmeter (geplant 2.460) eingeschlagen. Neukulturen wurden 2019 wegen Trockenheit und fehlender Unternehmerkapazitäten keine gegründet.

Massiv gespart worden

Bei Einnahmen von 107 708 Euro und Ausgaben von 114 700 Euro kam die Gemeinde mit einem Minus von 6992 Euro noch glimpflich davon. Das war guten Altverträgen und einer Vielzahl geplanter, aber nicht realisierter Maßnahmen geschuldet. Das Ergebnis konnte nur realisiert werden, weil massiv gespart wurde, meine Otfried Pankratius dazu, der mit dem Ergebnis Hiebsatz und Einschlag im Gemeindewald fortfuhr. Mengen seien in der Endnutzung und Altdurchforstung gekommen, in der Jungdurchforstung fast nichts. Die Endnutzung stammte im Wesentlichen aus Holz aus Kalamitäten.

Insgesamt sehe es sehr gut aus. In der Jungbestandspflege sei das Soll zu 100 Prozent erfüllt worden, in der Jungdurchforstung sei in den letzen zwei bis drei Jahren nichts mehr gelaufen. In der Altdurchforstung sehe es gut aus.

Vermarktung des Gemeindewaldes

Die Vermarktung des Gemeindewaldes Oberstreu brachte bei einem Volumen von 2100 einen Gesamtpreis von 103 179 Euro und einen durchschnittlichen Erlös pro fm von 49,14 Euro. An unverkauftem Holz (der Zahlungsfluss ist noch nicht gelaufen) liegen noch 386 fm. Auch 2020 treibt die Förster die Frage um „Was macht der Käfer und wie schlimm wird es?“ Das gleiche dem Blick in die Glaskugel. Nach einer amtlichen Anordnung muss alle vier Wochen durch die Bestände gelaufen und jeder Baum kontrolliert werden. Man müsse sich längerfristig in allen Betrieben (auch im Gemeindewald) von der reinen Holznutzung, die auch als Teil des Ökosystems Wald eingezeichnet ist, lösen. Der Wald als Ökosystem, als Naherholungsgebiet, als Lebensraum, Freizeiterholung, Wasser- und Bodenschutz bekomme gesellschaftspolitisch einen anderen Stellenwert. Es werde nicht der Gradmesser sein, wie viel Ertrag und Gewinn rauszuholen ist. Aufgabe sei es, gut darauf aufzupassen und es zu verwalten. Für die Zukunft werde das etwas wert sein müssen.

Bürgermeister Liebst wusste dazu, dass in früheren Zeiten mit 500 ha Gemeindewald der Gemeindehaushalt finanziert wurde, das sei in den letzten Jahrzehnten immer schlechter geworden. Der Wald hätte das Potential, auch wieder gute Zahlen zu schreiben, nur sehe es momentan nicht so aus, bestätigte Andree Link. „Der Gemeindewald ist ein Pflege- und Aufbaubetrieb, kein Erntebetrieb“, beendete Andree Link seine Ausführungen.

Die Planung für dieses Jahr

Michael Merkel stellte dann die Jahresbetriebsplanung 2020 vor, die einen geplanten Einschlag von 1670 Festmetern vorsieht bei einem durchschnittlichen Erlös von 46 Euro pro Festmeter und Holzeinnahmen von 76 946 Euro. Die Ausgaben für die Holzernte werden mit 40 088 Euro bzw. 24 Euro pro Festmeter angesetzt. Geplant sind 1300 neue Pflanzen mit Schwerpunkt Rotenberg (1500 Euro), Wegeunterhaltung 2500 Euro, Forstschutz 6150 Euro. Als realistisches Ergebnis bei Einnahmen von 86 044 Euro und Ausgaben von 95 238 Euro sieht Michael Merkel ein Minus von 9194 Euro. Otmar Pankratius schlug vor, ein Benchmark durchzuführen und damit einen Vergleich mit anderen Betrieben zu bekommen. Damit werde der Gemeinde ein Werkzeug an die Hand gegeben, um die Arbeit der Forstleute beurteilen zu können, es schaffe Transparenz. Der Gemeinderat nahm einstimmig das Forstergebnis 2019 zur Kenntnis und genehmigte den Forstbetriebsplan für das laufende Jahr 2020.

Andree Link bedankte sich im Namen der FBG für das aktive Mitwirken von Bürgermeister Liebst, der auch ihn und seine Kollegen geprägt habe. Er habe auch die Entwicklung der FBG vorangetrieben, Mellrichstadt und Oberstreu hätten sich dem Konzept angeschlossen. Matthias Liebst bedankte sich seinerseits bei den Forstleuten.

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