BISCHOFSHEIM

„Gestohlen“ und nicht gerettet

(top) Mit heftigen Vorwürfen gegen Verantwortliche des Vereins Windhundhilfe setzt sich der Bischofsheimer Hundezüchter zur Wehr, dem von dem Verein wiederum vorgeworfen wurde, einige Hunde ohne Futter und Wasser in den Zwingern zurückgelassen zu haben. Wie berichtet, hatten die Tierschützer angegeben, die Tiere unterernährt, in teils völlig ausgetrocknetem und lebensbedrohlichem Zustand aufgefunden und gerettet zu haben.

Unter der Überschrift „Wir sind von der Windhundhilfe e.V. bestohlen worden“, stellt der Züchter im Internet (www.windhundwelt.com/firstdynasty.html) die Geschehnisse aus seiner Sicht und völlig anders dar. „Wir mussten sehr kurzfristig geschäftlich nach Spanien und suchten eine drei bis vierwöchige Unterbringung für fünf unserer Hunde“, heißt es auf der Seite. Die Windhundhilfe habe ihre Hilfe zugesagt. Die Verantwortlichen hätten dann aber die Tiere nicht, wie vereinbart, am gleichen, sondern erst zwei Tage später abgeholt. Das sei „tragisch für die Hunde, liegt jedoch außerhalb meiner Verantwortung“, so der Züchter.

Dabei hätten die Tierschützer nicht nur die Hunde mitgenommen, sondern seien auch „...in unser Haus eingedrungen, haben sämtliche Schränke durchwühlt und etliche Gegenstände entwendet unter anderem auch Schmuck und Pelze.“ Entsprechend sei Anzeige wegen Diebstahl, Hausfriedensbruch, übler Nachrede, Sachbeschädigung und Nötigung erstattet worden.

Der Verein weigere sich nun, die Hunde zurückzugeben und habe zudem einen Kater „gestohlen“, lautet der nächste Vorwurf verbunden mit der Warnung, die Hunde vom Verein zu kaufen, da sie gestohlen seien.

Der Züchter verweist darauf, neun Weltsiegertitel, 28 Europasiegertitel und zahlreiche weitere Titel mit seinen Hunden gewonnen zu haben, was dokumentiere, dass mit seinen Hunden alles in Ordnung sei. Zudem seien seine Anlagen von wichtigen Verantwortlichen des Zuchtverbands abgenommen worden.

Der Rüde Gomez, dessen schlechten Zustand die Windhund besonders hervorgehoben hat, sei vor zwei Jahren überfahren und nur durch zig Notoperationen gerettet worden. Er habe sich noch in intensiver tierärztlicher Behandlung befunden, die keine Besserung gebracht hätten, so der Züchter. Der Zustand sei bei der Windhundhilfe bekannt gewesen.

Als „absolut absurd und schlichtweg gelogen“ bezeichnet der daher die Darstellung der Windhundhilfe, Gomez habe kein Wasser und kein Futter bekommen. Die entsprechenden Bilder im Internet „sind durch ein Bildbearbeitungsprogramm manipuliert – so hat der Hund zu keiner Zeit ausgesehen.“ Weitere Angaben der Tierschützer zum Gewicht der Tiere bezeichnet er als „Lügengeschichten um den Diebstahl meiner Hunde zu rechtfertigen und Spendengelder abzukassieren.“

Untätigkeit wirft der Züchter der Bad Neustädter Polizei nach seiner Anzeige vor. Ihr Verhalten sei „typisch unterfränkisch rustikal“, erklärt er gegenüber dieser Zeitung und zitiert einen Verantwortlichen der Inspektion, der gesagt haben soll „Ich kann das Gejammer um Ihre Hunde nicht mehr hören“. Er habe nun per Eilverfahren über das Amtsgericht Hilfe angefordert, da sich die Verantwortlichen der Windhundhilfe weiterhin weigern, die Hunde und den Kater herauszugeben.

Tiefergehende Einlassungen zu dem Fall will der Leiter der Polizeiinspektion Bad Neustadt Heinz Wilm nicht machen. Er erklärt lediglich, dass die Anzeige hier anhängig sei, mit der gebotenen Sorgfalt bearbeitet werde und die Ergebnisse dann an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet würden. Weitere Auskünfte gebe er nicht.

Dass der Zuchtverband ein Disziplinarverfahren gegen ihn eingeleitet habe, bestätigt der Züchter. Er habe sofort Widerspruch dagegen eingelegt. Einerseits habe der Verband vorher keinerlei Rücksprache mit ihm genommen, zweitens sei das Verfahren nur eine Art „Reinwascherei“ für den Fall, dass an dieser Sache etwas dran sein sollte. Auch hier werde den so genannten Tierschützern grundsätzlich mehr geglaubt als den Züchtern.

Dass die Vorwürfe des Einbruchs und des Diebstahls jeglicher Grundlage entbehren, erklärt Helge Wenger von der Windhundhilfe in einer Stellungnahme. Die Initiative sei telefonisch beauftragt worden, fünf Windhunde abzuholen und zu übernehmen. Der Hausschlüssel liege unter der Fußmatte. Zwei Helfer seinen nach Bischofsheim gefahren und hätten die Hunde auf verschiedenen Pflegestellen des Vereins untergebracht. Rüde Gomez sei zur Erstversorgung in eine örtlich Tierklinik gebracht worden.

„Sämtliche Befunde aller Hunde liegen vor. Die Initiative Windhundhilfe erstattete Strafanzeige wegen Tierquälerei und Bedrohung gegen die Zuchststätte“, heißt in der Stellungnahme weiter. Der Hausschlüssel sei als Einschreiben mit Rückschein retour zurückgegangen.

Zur Bekräftigung ihres Vorwurfs, dass der Züchter die Tiere nicht mehr wollte führt die Windhundinitiative an, dass in der 18. Kalenderwoche die Windhunde im Tierheim Wannigsmühle zur Abgabe angekündigt wurden. Sie seien dann aber dort nicht erschienen. Das bestätigt Tierheimchefin Ursula Böhm. Für fünf Tiere sei kein Platz in der Wannigsmühle gewesen. So haben man dem Züchter zwei Plätze angeboten.

Dass man seit den umstrittenen Vorfällen beim Veterinäramt nicht untätig blieb, erläutert der zuständige Abteilungsleiter am Landratsamt, Stefan Helfrich. Es habe erneut zwei Kontrollen in Bischofsheim gegeben, dabei seien die Hunde aber nicht so schlecht ernährt gewesen, dass akuter Handlungsbedarf bestanden hätte und man sie dem Züchter hätte wegnehmen müssen. Der Vorgang, so Helfrich, sei aber noch nicht abgeschlossen. „Wir bleiben weiter am Ball.“

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