Kreuzberg

Glaube und Klosterbier: Die Franziskanerbrüder vom Kreuzberg

Personelle Änderung im Kloster Kreuzberg: Pater Georg löst Pater Martin als Guardian ab. Wie lebt man als Mönch auf dem Kreuzberg und welche Aufgaben hat ein Guardian?
Pater Georg (links) übernahm jetzt das Amt des Guardians am Kreuzberg von Pater Martin. Foto: Thomas Pfeuffer

Pater Martin ist ein humorvoller, offener Glaubensmann, Pater Georg wirkt da etwas nüchterner, ist aber kaum weniger zugänglich. So unterschiedlich die beiden Franziskanerbrüder sind, bilden sie doch offensichtlich ein gutes Team und gemeinsam mit Bruder Ludwig den Konvent des Klosters oben auf dem Kreuzberg. In dieser franziskanischen Hausgemeinschaft gab es jetzt einen Wechsel. Pater Georg übernahm das Amt des Guardians von Pater Martin und ist somit der verantwortliche Bruder der denkbar kleinen Gemeinschaft. 

Bruder Ludwig Kiesl kompletiert den aktuellen Konvent des Klosters Kreuzberg. Foto: Archiv Marion Eckert

"Wenn ein Bruder ein Amt aufgibt soll er so traurig sein, als würde ihm das Amt der Fußwaschung entzogen", zitiert Pater Martin den Gründer seines Ordens sinngemäß und mit einem Schmunzeln. Traurig ist er ganz offensichtlich nicht über diese Entwicklung - zumal derartige Änderungen zum einen nicht so sehr bedeutsam, zum anderen normal bei den Franziskanern sind.

Begrenzte Amtszeit

Normal, weil Ordensgründer Franziskus eingeführt hat, dass Ämter zeitlich begrenzt ausgeübt werden und der jeweilige Bruder nach Ablauf der Amtszeit wieder als einfacher Bruder lebt. Ein Guardian wird zunächst für drei  Jahre bestimmt, erläutert Pater Georg. Die Amtszeit könne um weitere drei Jahre und in Ausnahmefällen auf höchstens neun Jahre verlängert werden - während in anderen Orden ein Abt oder ein Prior auch auf Lebenszeit gewählt werde.

Nicht sehr gravierend ist der Ämterwechsel, weil die beiden Patres in den vergangenen Jahren bereits sehr gut zusammengearbeitet haben, wie sie übereinstimmend erklären. Und weil Franziskus eine flache Hierarchie in seinem Orden wollte, in der ein Guardian keine herausragende Stellung oder irgendwelche Vorteile hat. "Höchstens ein besseres Image in den Zeitungen", wie Pater Martin witzelt. Er hat aus Altersgründen darum gebeten, von dem Amt entbunden zu werden. In wenigen Tagen feiert er 79. Geburtstag.

"Die einen zur Kirche, die andern zum Krug": Der berühmteste Eintrag im Gästebuch des Klosters Kreuzberg stammt aus dem Jahr 1901. Der spätere Kardinal Michael Faulhaber fasste seine Gedanken über die Vergänglichkeit weltlicher Dinge und die Konstanz des Göttlichen zusammen.  Foto: Thomas Pfeuffer

Denn natürlich hat ein Guardian eine Leitungsfunktion und durchaus Aufgaben. Zum einen ist er für das Erscheinungsbild des Klosters nach Außen zuständig, zum anderen organisiert er die Abläufe im Inneren, klärt ab, wer welche Wallfahrer empfängt, leitet die Hauskapitel oder bereitet die Ordensfeste vor und er trägt auch für ein harmonisches Klima im Konvent Verantwortung. Auf dem Kreuzberg komme eine weitere Aufgabe hinzu, ergänzt Pater Martin mit schelmischen Blick in Richtung seines Nachfolgers. Er müsse festlegen, wer sich um Bernhardiner Josef kümmert. Wohl wissend, dass der große, gutmütige Hund das Hobby von Pater Georg ist. Gemeinsam mit Ludwig Klebl, dem früheren Braumeister der Klosterbrauerei, betreut er den Liebling vieler Kreuzbergbesucher. Jeden Tag ist der mindestens eine Stunde mit dem Bernhardiner unterwegs. "Auch bei Wetter, bei dem man keinen Hund vor das Haus schicken möchte", so Pater Martin.

Keine Änderung in der Seelsorge

Eine förmliche Amtsübergabe an den neuen Guardian sollte es nicht geben. Er werde Pater Georg das Konventssiegel und einige Schlüssel übergeben, kündigt Pater Martin an. Zudem wurde am Sonntag im 11-Uhr-Gottesdienst die Ernennungsurkunde verlesen. Ansonsten plant der bisherige Guardian einen Umzug innerhalb des Hauses. Sobald dorthin ein Internetanschluss verlegt ist, will er seine bisherige Zelle gegen eine neue tauschen. Das sei psychologisch sinnvoll, um sich bewusst zu machen, dass man nicht mehr alles regeln müsse, erklärt der Ordensmann.

An den seelsorgerischen Aktivitäten werde sich nichts ändern, stellt Pater Georg fest. Während Bruder Ludwig sich als Mesner um Kirche, Sakristei und Kerzenkapelle kümmert, werden die beiden Patres die Gottesdienste zu den gewohnten Zeiten abhalten. Der sonstige Tagesablauf der Brüder ist von je her genau strukturiert. Nach der "Laudes" genannten Morgenandacht um 7 Uhr und dem anschließenden Frühstück wird um 9 Uhr und am Sonntag noch um 11 Uhr  ein Gottesdienst zelebriert. Vor dem Mittagessen treffen sich die Brüder um 12 Uhr in der kleinen Hauskapelle um die "Sext" zu beten. Um 18.20 Uhr beginnt die Vesper genannte Abendandacht. Ein Rückgang des Kirchenbesuchs könne am Kreuzberg kaum festgestellt werden. Eine treue Gemeinde fülle Sonntag für Sonntag das Gotteshaus. Geschätzt werden die festen verlässlichen Zeiten der Gottesdienste, sind sich die Patres einig.

Schafkopf am Krankenbett

Ansonsten sind die Tage der Franziskaner oft gut gefüllt, obwohl sie ja alle weit "jenseits aller Pensionierungsgrenzen sind", wie Pater Martin das nennt. Ihr Besuch ist bei offiziellen Einladungen der Diözese, von Kirchengemeinden oder umliegenden Kommunen erwünscht. Dieser Tage steht sogar ein Bundeswehr-Biwak auf ihrem Terminplan. Auch seelsorgerische Gespräche und Beichte hören, gehört zu den Aufgaben. Bei entsprechenden Anfragen aus dem Bruder-Franz-Haus stehen sie hierfür zur Verfügung. Wenn "sehr viel Not am Mann" ist, halten sie auch einen Gottesdienst oder eine Trauung in einem Nachbarort ab. Dieser Tage leisteten sie zum Beispiel auch einmal einen "sehr angenehmen Gottesdienst". Mit diesen Worten beschreibt Pater Martin einen Krankenbesuch bei einem geschätzten Nachbarn des Klosters. Das besondere dabei: Es wurde Schafkopf gespielt.

"Es gibt für Bier keinen schöneren Zweck, als Leute zur Kirche zu holen"
Pater Martin

Und dann sind da noch die Wallfahrten. Gut 70 führen noch in jedem Jahr hoch zum Kreuzberg. Und alle diese Wallfahrergruppen sollen schließlich würdig empfangen werden. Eine Aufgabe, die oft recht anstrengend ist, den beiden Patres aber besonders am Herzen liegt. Die Wallfahrt sei oft Familientradition und schaffe eine enge Bindung an den Kreuzberg. Die Zahl der Wallfahrten ist konstant, so Pater Georg, während er die Zahl der Wallfahrer als leicht rückläufig schätzt. Nicht nur die 25 bis 30 Gruppen, die dann auch im Kloster übernachten, auch alle anderen Kreuzberg-Pilger sollen nach ihrem anstrengenden Weg gut bewirtet werden. Und das ist der Ursprung des berühmten gastronomischen Betriebs im Kloster mit seiner nicht minder berühmten Brauerei.

Krug und Kirche

Auch wenn Kloster und Gastronomie juristisch schon seit Jahren voneinander getrennt sind, kommen die Franziskaner natürlich doch mehrfach täglich mit den Besuchern im Biergarten oder den Gaststuben in Berührung. "Sie sind in franziskanischer Gastfreundschaft alle willkommen", betont Pater Martin, auch wenn sie "eher zum Krug als zur Kirche" kommen. Lediglich Junggesellenabschiede oder irgendwelche Gelage sind nicht gern gesehen. Dass der eine oder andere auch mal über den Durst trinkt, sei bei der Masse an Besuchern aber nicht zu vermeiden. "Es gibt für Bier keinen schöneren Zweck, als Leute zur Kirche zu holen", beschreibt Pater Martin in einem für ihn typischen Satz die Tatsache, dass der ein oder andere Kreuzbergbesucher sich vielleicht doch dazu entschließt, doch einmal das Gotteshaus oder die Kerzenkapelle zu besuchen und so mit dem Glauben in Berührung kommt - auch wenn ihm das Gefühl für das Sakrale fehlt und er mit dem Bierkrug in der Kirche oder vor dem Freialtar steht. 

"Der Kreuzberg hat einfach was", beschreibt Pater Martin die Faszination, die der Heilige Berg der Franken jährlich auf zahllose Besucher ausübt und sie hoch zum Kloster lockt. "Und er ist schön zu jeder Jahreszeit", ergänzt Pater Georg. Entscheidend sei der "Dreiklang von Frömmigkeit, Naturschönheit und Gastronomie". Entsprechend wäre es für Pater Martin ein "riesiger Verlust", wenn hier eines Tages nur noch eine Gastronomie existieren würde.

Teuere Investitionen

Er spricht damit eine seit dem Provinzkapitel im Frühjahr ins Gespräch gekommene mögliche Schließung des Konvents auf dem Kreuzberg an. Auch wenn das letztlich "Kaffeesatz-Leserei" sei, gehen die beiden Patres nicht von einer solchen Schließung aus. Die Zeichen deuten nicht darauf hin, sich in nächster Zeit vom Kreuzberg zu trennen, sind sie überzeugt. Im Gegenteil sei derzeit geplant, sehr viel Geld in den Erhalt des Klosters zu investieren. Das Dach und die Außenwand der Sakristei müssen erneuert werden und auch der Kirche sehe man an, dass sie sehr gut genutzt werde. Die Kosten schätzt Pater Martin auf 1,2 Millionen Euro. Das Geld würde man wohl nicht ausgeben, wenn man beabsichtige, das Kloster zu schließen, sagt auch Pater Georg. 

Das Ausführen von Bernhardiner Josef, dem Liebling vieler am Kreuzbergs, teilen sich Pater Georg und der frühere Braumeister Ludwig Klebl. Foto: Thomas Pfeuffer

Beim Thema Geld möchten die beiden Klosterbrüder mit einem Gerücht aufräumen, nämlich, dass das Kloster eine Goldgrube sei. Die Gewinne aus der Gastronomie fließen in den Haushalt der Franziskanerprovinz, die dann über die Verwendung entscheide. Und der Erhalt einer Anlage wie die auf dem Kreuzberg sei nicht billig. Alleine um die Kosten für die anstehende Sanierung zu tragen, müsse man auf dem Kreuzberg "ganz schön viel essen, trinken und schlafen", so Pater Martin. Dazu kämen weitere Modernisierungen die im Übernachtungsbereich anstehen.

Wie lange Pater Georg der neue Kreuzberg-Guardian sein wird, weiß er nicht. Das Ziel des auch schon 76-Jährigen ist es, das Amt vielleicht in einem Jahr wieder abzugeben. Denn die beiden Patres hoffen, dass durch die anstehende Schließung einige Klöster "Verstärkung" auf den Kreuzberg kommt und der "vorübergehende Notstand" beendet wird.

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