Bad Neustadt

Glosse Aufgespießt: Großes Lob an alle Pfleger

In Zeiten von Corona zeigt sich, wie wichtig die Arbeit von Pflegekräften ist. Wird das im Bewusstsein bleiben?
Die Aufforderung ist klar: Wer dem medizinischen Personal etwas Gutes tun will, der hört auf die Bitte.  
Die Aufforderung ist klar: Wer dem medizinischen Personal etwas Gutes tun will, der hört auf die Bitte.   Foto: Merita Syla/Rhön-Klinikum

Der Mensch ist ein soziales Wesen. Bis auf wenige Einzelgänger braucht er den Umgang mit anderen. Sonst ist das Leben nicht auszuhalten. Auf der anderen Seite ist der Mensch ein Egoist. Er denkt zuerst an sich. Und je schwächer der Charakter oder je schlechter die Erziehung, desto weniger haben manche Mitmenschen ein Problem damit, über andere herzuziehen.    

Das wird besser, wenn jemand gestorben ist. De mortuis nihil nisi bene, sagte einst schon der Lateiner. Also, über Tote soll man nur Gutes sagen. Gilt heute meistens auch noch. Ist ja auch eine schöne Idee, nur dem Toten nützt das halt nichts mehr. Wäre es nicht schöner, man würde hin und wieder lieber mal was Gutes über die Lebenden sagen und ihnen was Gutes tun?   

Lobeshymnen

Jetzt in den Zeiten von Corona macht man das sogar. Die Lobeshymnen auf die Frauen und Männer in Pflegeberufen reißen gerade überhaupt nicht ab. Zurecht natürlich. Was diese Menschen derzeit überall auf der Welt leisten, ist unglaublich. Arbeit bis zur Erschöpfung und dabei immer die Gefahr, sich im Kontakt mit Corona-Kranken selbst zu infizieren.

Trotzdem finde ich diese Lobhudelei vor allem von offizieller Seite  - pardon - zum Kotzen. Das ist doch scheinheilig. Denn dass Pflegekräfte auch schon vor Corona eine wichtige Arbeit getan haben, ist klar. Oft genug damals schon an der Belastungsgrenze. Nur einen anständigen Lohn – ebenfalls eine Form von Lob – wollte ihnen für den Job keiner zahlen. Könnte ja ein bisschen mehr Geld kosten.    

Ständchen vom Balkon

Schön, wenn den Menschen in den Kliniken jetzt Ständchen von Balkonen gesungen werden. Das mag gut für die Seele sein. Trotzdem gibt es noch eine Menge Vollpfosten, die sich aus purem Egoismus  einen feuchten Kehrricht um Maßnahmen scheren, die die Ausbreitung von Corona verlangsamen und damit Pflegekräfte entlasten. Dummheit ist halt eine unbegrenzte Ressource.    

Es steht außerdem zu befürchten, dass sich nach der Corona-Krise nichts ändern wird. Dass sich das Pflegepersonal den Hintern aufgerissen hat, wird schnell vergessen sein. Und dann reicht bestimmt auch wieder die schlechte Bezahlung. 

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