Bad Neustadt

Glosse: Hoffnung

Glosse: Hoffnung

Die Heimat im Corona-Modus. Wer hätte das an Fasching für möglich gehalten? Schulen, Geschäfte und Gaststätten - alles dicht. Eine Katastrophe! Sogar das Kloster Kreuzberg musste schließen. Vor gar nicht allzu langer Zeit saßen dort noch ganze Horden von Besuchern dicht gedrängt an den Biertischen. Ein Schlauberger, der möglicherweise schon ein paar Maß intus hatten, lallte auf Nachfrage eines Lokalreporters die gewagte Theorie in die fröhliche Runde, dass Klosterbier auf wundersame Weise zur "Immunisierung" beitrage. Na denn Prost!

So ist er, der Ureinwohner: Immer zu Späßchen aufgelegt. Wobei den meisten das Lachen mittlerweile schon vergangen ist. Wenn sogar die Kirchen mehr oder weniger ihre Pforten schließen, muss es schlimm stehen. Sehr schlimm. Dabei wären die Gotteshäuser jetzt wahrscheinlich rappelvoll. Not lehrt bekanntlich beten!

Eine andere verstörende Konsequenz der Seuche besteht darin, dass Menschen, die in Krisenzeiten ja gerne zusammenrücken, ausgerechnet jetzt auf Distanz gehen sollen. Aber glaubt man den Zahlen des seriösen Robert Koch-Instituts, verdoppelt sich die Zahl der Infizierten in Deutschland etwa alle drei Tage. Das würde bedeuten, dass in nur dreißig Tagen mit einer Vertausendfachung (!) zu rechnen ist. Wow! Kalte Mathematik. Vor uns liegen harte Zeiten, da gibt's nichts zu beschönigen.

Gegen solche Aussichten treten andere Attraktionen fast ein wenig in den Hintergrund. Wie heißt doch gleich der neue Bürgermeister unseres schönen Industriestädtchens? Wie viele Prozente hat unser "Dauer-Landrat" eingebüßt? All das interessiert zurzeit niemanden. Auf der anderen Seite: Der Mensch ist belastbar. Er gewöhnt sich an alles. In zwei, drei Monaten regt sich keiner mehr über Opfer auf, die er nicht persönlich gekannt hat. Und wer weiß, vielleicht steckt in der oft überstrapazierten Phrase von der "Krise als Chance" ja ein Fünkchen Wahrheit.

Nehmen Sie nur unseren Landesvater Markus Söder (CSU). Er macht gerade einen "Bombenjob". Sogar eingefleischte Kritiker der "Schwarzen" müssen ihm das neidlos zugestehen. Jetzt begreifen vielleicht auch die Münchener "Seppl", was sie an den Franken haben! Und wenn wir dieses blöde Corona-Virus irgendwann besiegt haben - und wir werden es besiegen! – tönt von den Stammtischen der Heimat, ja, den Stammtischen der ganzen Nation, unüberhörbar die Forderung, den ganzen überkommenen CDU/CSU-Mist endlich über Bord zu schmeißen, wo er hingehört. Stattdessen sollte man die Schwesterparteien "zammlegen" und Markus Söder - einen Franken! - zum Kanzlerkandidaten küren. Hundertprozentig! Es gibt zurzeit einfach keinen besseren

Vielleicht wird man "hinterher" ja sogar ein wenig über unsere "Heiligen Kühe" nachdenken: Lebensstandard, Globalisierung, Wachstum. Und über die Kommerzialisierung des Gesund-heitswesens. Von wegen "Der Markt wird‘s schon richten"! Profitiert nicht auch die Umwelt von der Krise? Schauen Sie doch bloß einmal in den strahlend blauen Himmel: Keine Kondensstreifen! Der Flugverkehr liegt buchstäblich am Boden. Im nächsten Sommer bleiben wir Reiseweltmeister schön brav daheim, wetten? "Malle" war gestern; die fetten Jahre sind vorbei. Eine Zäsur. Noch in 50 Jahren werden sich Menschen an die Fastenzeit 2020 erinnern.

Vielleicht gefällt uns die allgemeine Entschleunigung ja sogar. Die Birkhuhnzählung fällt auf jeden Fall aus. Und der Neuschter Marktplatzsommer? Was ist wichtig? Wichtig ist, dass wir jetzt zusammenhalten. Unsere Granden haben es zurzeit nicht leicht. Dass wir jetzt nicht an ihnen herumnörgeln, ist Ehrensache. Sie haben gewissermaßen "Schonzeit". Aber nur bis Juni. Genau wie die Wildsäue. Man muss sich das vorstellen.

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