WALTERSHAUSEN

Gnadenlos veräppelt und skrupellos abkassiert

„Wo bleiben die inneren Werte?”, fragt Inka Meyer und nimmt in ihrem Programm „Der Teufel trägt Parka” den Gesundheits- und Schönheitswahn gekonnt auf die Schippe. Foto: Regina Vossenkaul

Schön, gesund und immer jung – die Frauen stehen unter Druck und merken nicht, dass sie von der Industrie gnadenlos veräppelt werden. Zum Beispiel in Frauenzeitschriften, in denen „Geheimtipps“ wie Collagen-Trinkampullen für horrende Summen empfohlen werden und Diättipps gleich neben Tortenrezepten stehen. „Collagen wird aus Schlachtabfällen gewonnen – sie bekommen es also viel preiswerter“, ist eine der Aussagen von Inka Meyer, Kabarettistin, Schauspielerin und Designerin, die auf Einladung der „Flotten Bühne“ im Bräustüble in Waltershausen gastierte.

Seit 2014 ist Inka Meyer als Kabarettistin unterwegs, zunächst mit der Ein-Frau-Dramödie „Kill me Kate! Die gezähmte Widerspenstige“, seit 2017 mit dem zweiten Programm „Der Teufel trägt Parka“, mit dem sie in Waltershausen das Publikum begeisterte. Ihre Texte schreibt sie selbst und lässt sich dabei von dem, was das Leben so bietet, anregen.

Die Reste des Arschgeweihs

Wem ist zum Beispiel schon mal aufgefallen, dass 95 Prozent der Straßennamen, inklusive „Sackgasse“, männlich sind?„Oder, wer weiß, dass Frauen seltener reanimiert werden, weil sich Männer scheuen auf einem fremden Busen zu drücken? Wer denkt schon beim Aussuchen eines Tattoos daran, dass die Farbpigmente reisefreudig sind und sich in den Lymphknoten ablagern? „Es ist kein Tumor, sondern die Reste ihres Arschgeweihs“, kann der Doktor dann mitteilen.

Viele Gedanken zum Schönheits- und Gesundheitswahn hat sich Inka Meyer gemacht und bringt diese bissig und witzig, teilweise sogar gereimt auf die Bühne. Dabei bezieht sie auch Männer mit ein, vor allem ihren „kleinen Mann“, ihren Ehemann, der von geringerer Körpergröße ist als sie selbst, ihre Spitzfindigkeiten aber mit Humor aufnimmt, wie sie in einem Gespräch versicherte. „Schön ist oft nicht praktisch und geht auf Kosten der Gesundheit“, teilte sie am Beispiel „High Heels“ mit. Hammerzehen und Hallux valgus sind die Folgen dieser „Spargelstecher“. „Wenn die so geil wären, würden sie auch Männer tragen“, stellte Meyer fest und begutachtete das flache Schuhwerk von Alice Weidel.

Politische Seitenhiebe

Politische Seitenhiebe waren ins Programm eingestreut, aber nicht vorherrschend. „Ich will das Publikum vor allem unterhalten und nicht erziehen“, sagt Meyer. Sie setzt darauf, dass sich das überwiegend weibliche Publikum teilweise selbst erkennt und über die Gags herzlich lachen kann – das ist ihr bestens gelungen.

Wer hat nicht schon mal beim Shoppen überlegt, ob für den Pelzbesatz an der Kapuze oder die Bommel an der Mütze einem Marderhund oder einem Kaninchen das Fell abgezogen wurde, oder ob das wirklich Synthetik ist? Über den allen Frauen bekannten Ausspruch „Ich habe nichts anzuziehen“ kam Inka Meyer zum Thema irreführende Kleidergrößen und Spandex-Teile, die Frauen in Sanduhr-Formen pressen.

Sixpacks vom Lachen

Da drängt sich das Thema Diäten auf, auch hier ist die Welt voller Irrtümer und falscher Versprechen. „Vom Übergewicht der Menschen lebt eine milliardenschwere Industrie“, stellt die Kabarettistin fest und fordert, die Kirche im Dorf und die Dicken ans Buffet zu lassen. Nur bei wirklich an Adipositas Erkrankten sei die Lebenserwartung kürzer. Superfood soll Gesundheit bringen, aber wenn Amaranth so gesund wäre, würden dann die Nachfahren der Inkas uns in den Fußgängerzonen mit ihren Panflöten nerven? Smoothie („würgt beim Schlucken“), wirkungslose Detox-Produkte, hormonell wirkende Parabene und Algenschlamm mit Schönheitsversprechen ziehen den Leuten das Geld aus der Tasche, so Inka Meyer. Falten auf der Stirn sind für sie „ein Sixpack vom Lachen“ und wahre Schönheit die Natürlichkeit.

Am Ende des unterhaltsamen Abends, bei dem das Publikum oft herzhaft lachte, aber auch mit interessanten Fakten konfrontiert wurde, bedankte sich die Kabarettistin beim Team der „Flotten Bühne“ für die Organisation.

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