WILLMARS

Große Wertschätzung für ein 500 Jahre altes Ehrenamt

Im Bild die anwesenden geehrten Feldgeschworenen für 25 Jahre, 40 Jahre und 50 Jahre. Für diese Leistung bedankten sich Kreisobmann Günter Langenbrunner (hinten links), der Vertreter des Vermessungsamtes, Andreas Stanzel (hinten rechts), und Landrat Thomas Habermann (Mitte rechts).
Im Bild die anwesenden geehrten Feldgeschworenen für 25 Jahre, 40 Jahre und 50 Jahre. Für diese Leistung bedankten sich Kreisobmann Günter Langenbrunner (hinten links), der Vertreter des Vermessungsamtes, Andreas Stanzel (hinten rechts), und Landrat Thomas Habermann (Mitte rechts). Foto: Fotos (2): Tanja Heier

Als Gastgeber der Jahrestagung der Feldgeschworenenvereinigung des Altlandkreises Mellrichstadt stand das sonst eher beschauliche Willmars am Sonntag im Fokus. Rund um die Festhalle parkten Autos dicht an dicht, nahezu alle Bürgermeister, Vertreter diverser Ämter und zahlreiche Ehrengäste waren der Einladung von Kreisobmann Günter Langenbrunner gefolgt.

Der Tag begann festlich. Gemeinsam mit dem Musikverein Willmars zogen rund 80 Gäste in die Kirche, um die Zusammenkunft unter Gottes Segen zu stellen. Nachdem anschließend von freiwilligen Helfern bestens für das leibliche Wohl gesorgt worden war, begann um 13 Uhr die Tagung.

Grenzen müssen erkennbar sein

Dazu begrüßte Kreisobmann Günter Langenbrunner. Nach dem Totengedenken trat Bürgermeister Reimund Voß als Gastgeber ans Mikrofon und stellte in einer launigen Rede seine Gemeinde vor. Voß lobte das Engagement der Feldgeschworenen im ältesten kommunalen Ehrenamt Bayerns und bedankte sich bei allen, die sich zu diesem Dienst verpflichteten. Mit den Worten „Grenzen sind nur dann etwas wert, wenn sie erkennbar sind und eingehalten werden“, wünschte er der Versammlung einen guten Verlauf.

Landrat Thomas Habermann war vorbeigekommen, um sowohl die Ehrungen langjähriger Feldgeschworener als auch sechs Neuverpflichtungen durchzuführen. Er bezeichnete die Würdenträger als „wichtige Kulturträger unserer Heimat“ und freute sich darüber, dass es innerhalb der Vereinigung gelinge, harmonische Generationenwechsel zu vollziehen. Die Herren seien unverzichtbar für Ämter und Kommunen, bedankte sich der Landkreischef für deren unermüdlichen und verantwortungsvollen Einsatz. Aus gesundheitlichen Gründen konnten einige nicht dabei sein, für die Anwesenden wurde es jetzt feierlich.

25 bis 50 Jahre dabei

Stellvertretend für Markus Söder, den Minister für Finanzen, Landesentwicklung und Heimat, überreichte Habermann im Rahmen der Ehrung die Urkunden. Feldgeschworene seit 25 Jahren sind Georg Orf, Michael Horsch, Werner Richter, Johann Bayer, Rudolf Kraus und Rainer Kohl. Auf 40 Jahre zurückblicken können Wolfgang Pfeffermann, Egon Keller, Willy Schnupp, Ludwig Wetzel und Herbert Wirsing. Ein halbes Jahrhundert lang engagieren sich Fridolin Bach, Norbert Dietz, Edgar Landgraf, Gerhard Ritz und Ludwig Gottwalt als Feldgeschworene. Dazu gratulierte der Landrat und wünschte weiterhin eine glückliche Hand für kommende Aufgaben. Nicht minder wichtig sei bei einer solchen Vereinigung der Nachwuchs. Hieran mangelt es nicht. So konnte Thomas Habermann sechs neue Feldgeschworene vereidigen. Dies sind Norbert Bozóki, Rainer Fiedler, Volker Karwanek, Harald Lieder, Bernhard Mühlfeld und Heinz Streck. Sie sollen ab sofort Sorge dafür tragen, dass die öffentliche Ordnung nicht ins Wanken gerät, bat der Landrat, und freute sich über deren Entscheidung, sich ehrenamtlich zu engagieren.

Nicht vom Computer zu ersetzen

Als Vertreter des Amtes für Digitalisierung, Breitband und Vermessung Bad Kissingen sprach Andreas Stanzel ein Grußwort. Er betonte die Wichtigkeit der Feldgeschworenen auch in moderner Zeit, denn mit ihrer Orts- und Personenkenntnis käme kein Computer an sie heran.

Richard Öchsner vom Amt für Ländliche Entwicklung Unterfranken würdigte die lange Tradition und hervorragende Zusammenarbeit mit den Feldgeschworenen und freute sich über die daraus entstandene enge, kollegiale und teils freundschaftliche Verbundenheit. Auch in Zukunft seien die Herren unverzichtbare Partner beim Ablauf von Flurneuordnungen, versicherte Öchsner.

Wilhelm Schmalen vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten schloss sich inhaltlich seinen Vorrednern an. Er erklärte, dass seine Behörde in letzter Zeit zwar technisch aufgerüstet habe, die Grenzerkennung in den Wäldern ohne die Hauptpersonen des Tages dennoch nicht funktionieren würde. Zudem hob Schmalen hervor, dass Feldgeschworene angesehene Bürger seien und somit das Vertrauen der Bevölkerung genießen. Daher müssten sie ab und zu auch als Mittler zwischen Privatwaldbesitzern und seinem Amt tätig werden. Dies habe in der Vergangenheit hervorragend funktioniert, so Schmalen.

Willibald Mültner trat ans Mikrofon, um Dank und Anerkennung des Bayerischen Bauernverbandes zu überbringen. Er setzte die Anwesenden darüber in Kenntnis, dass die Feldgeschworenen zum humanitären Kulturerbe zählen, was sowohl für den Freistaat Bayern als auch für die Bundesrepublik eine enorme Wertschöpfung darstelle. Gerade in diesen Zeiten müsse man das Eigentum gut vertreten, schloss Mültner seine Ausführungen.

Amt auf Lebenszeit

Kreisobmann Günter Langenbrunner bedankte sich bei allen Rednern und gab Informationen zur Arbeit der Vereinigung bekannt. Gruppen von typischerweise sieben Feldgeschworenen (genannt „Siebener“) wachen seit Jahrhunderten über die Einhaltung von Grundstücksgrenzen und sorgen durch Grenzsteinsetzung für deren Sicherheit. Wie mehrfach erwähnt, sind diese Dienste auch im Digitalzeitalter von enormer Wichtigkeit. In Bayern gibt es rund 24 000 Feldgeschworene, davon sind 15 000 in Franken beheimatet. Ein Feldgeschworener übt sein Amt auf Lebenszeit aus.

Vor der Kaffeepause übergab der Kreisobmann das Wort an Gerhard Schätzlein, der die Gäste mit seinem Vortrag zum Thema „Verschwundene Dörfer im Sulzgrund“ bestens unterhielt.

Gemeinsam mit Andreas Stanzel vom Vermessungsamt (hinten links) freuten sich über die Neuverpflichtung von (ab Zweiter von links) Rainer Fiedler, Bernhard Mühlfeld, Volker Karwanek, Heinz Streck, Norbert Bozóki, Harald Lieder, der Kreisobmann Günter Langenbrunner (hinten rechts) und Landrat Thomas Habermann (vorne rechts).
Gemeinsam mit Andreas Stanzel vom Vermessungsamt (hinten links) freuten sich über die Neuverpflichtung von (ab Zweiter von links) Rainer Fiedler, Bernhard Mühlfeld, Volker Karwanek, Heinz Streck, Norbert Bozóki, Harald Lieder, der Kreisobmann Günter Langenbrunner (hinten rechts) und Landrat Thomas Habermann (vorne rechts). Foto: Tanja Heier

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