FLADUNGEN/SALZ

Großes Herz für eine kleine Welt

Drei Männer, ein Ziel: Anton Cornely, Willi Schellenberger und Tobias Unrein haben in einem guten halben Jahr Arbeit das Fladunger Bahnhofsgelände samt dem ehemaligen Basaltwerk im Modell rekonstruiert. Zum Jubiläumswochenende im Fladunger Freilandmuseum wird die Modelllandschaft vorgestellt. Das Geheimnis der kompletten fünf Quadratmeter Miniaturlandschaft wird am Samstag gelüftet. Foto: Gerhard Fischer

Wer mit Willi Schellenberger, Anton Cornely und Tobias Unrein spricht, versteht derzeit immer nur Bahnhof. Für die Männer, leidenschaftliche Modelleisenbahner alle drei, gibt es derzeit aber auch kein anderes Thema.

Denn in den Räumen der ehemaligen Gaststätte Kaiserburg in Salz haben sie mehr als ein halbes Jahr an einem großen Traum gebastelt, der am Wochenende endlich Wirklichkeit wird. Sie haben das Bahnhofsareal vor dem Fladunger Freilandmuseum im Maßstab 1:87 rekonstruiert. Mitsamt dem alten Basaltwerk. Altlandrat Fritz Steigerwald hat schon eine Modellbahn beigesteuert. Und sogar aus Berlin hat sich bedeutungsvoller Besuch angekündigt.

„Von dem Bahnhofsmodell träume ich schon zehn Jahre“, sagt Willi Schellenberger aus Sondernau. Der gebürtige Ostheimer hat schon aus Kindertagen Beziehung zum Fladunger Bahnhof. Er kennt das Areal mit dem Lokschuppen, in dem heute das Atelier des Restaurationsbetriebs Wald untergebracht ist, sowie das eigentliche Bahnhofsgebäude, heute Sitz der Verwaltung des Freilandmuseums. Und er kennt noch das ehemalige Basaltwerk, von dem aus bis Mitte des letzten Jahrhunderts Basalt-Pflastersteine verladen worden sind. All das findet sich in dem Modell wieder.

„Bei unseren Recherchen haben wir Interessantes erfahren“, plaudert Kollege Anton Cornely aus Salz aus dem Nähkästchen. Zum Beispiel haben sie beim Basaltwerk gedacht, dort sei Schotter für den Straßenbau produziert worden, so wie beim Pendant in Nordheim. „Tatsächlich wurden aus den Quadern Pflastersteine gebrochen, die in Donaustädten verlegt wurden oder zum Deichbau an der Nordsee genutzt wurden“, weiß der Modelleisenbahnfreund.

Viel Recherche-Arbeit

Recherchen waren tatsächlich ein beträchtlicher Teil der Vorarbeit, im Archiv des Museums, im Staatsarchiv in Würzburg oder persönlich bei den Fladungern. Beim Stadtfest 2009 haben die drei Bastler nach Zeitzeugen gesucht, die sich an die Verhältnisse auf dem Bahnhofsgelände erinnern. „Wir hatten zwei ältere Herrschaften an unserem Stand, die haben sich richtiggehend gestritten“, erinnert sich Willi Schellenberger, der die treibende Kraft hinter dem Modellbauprojekt war und ist.

„Wir haben nur ein einziges Foto vom Basaltwerk gefunden“, sagt Schellenberger. Daraus den Komplex zu rekonstruieren, war nicht einfach. Aber der erste unvollständige Blick, der dem Reporter gewährt wird, ist vielversprechend. Man sieht die mit Bretterzäunen abgetrennten Halden, auf denen aus den Basaltsäulen die Pflaster gebrochen wurden. Der kleine Schuttplatz ist zu sehen, auf dem nach Einheimischen-Berichten Fladunger Kinder mit ihren Rädern herumgefahren sind. Nebenan fließt ein Bächlein, an dem Korbweiden stehen. „Es soll den Zusammenhang mit dem alten Handwerk im Freilandmuseum darstellen“, erklärt Cornely zu diesem Detail.

Auf einer anderen Fläche sind kleine Parzellen dargestellt, Äckerchen mit der unterschiedlichsten Bepflanzung. „Das soll die Realteilung über Jahrhunderte zeigen“, erklärt Anton Cornely.

Nach ihren Vorrecherchen werkelten die drei Männer, die Mitglieder des Modelleisenbahnklubs Mittelschmalkalden sind, ein halbes Jahr praktisch jedes Wochenende an dem Projekt. Immerhin sechs Meter mal 1,80 Meter misst die gesamte Anlage, für deren elektrischen Teil Tobias Unrein verantwortlich zeichnet. „Mittlerweile läuft das meiste digital, das erspart viele Verkabelungen“, so der Hobby-Techniker.

Werbung für das Museum

Den Modellbauern über die Schultern geschaut hat auch schon Altlandrat Fritz Steigerwald, der in Salz wohnt. Er ist offenbar begeistert von dem Modell und will gar eine Modellbahn zur Verfügung stellen. Nach dem Wochenende im Freilandmuseum geht die Anlage als Werbeträger für das Freilandmuseum auf Reisen: zum Dampflokwerk Meiningen, nach Schlüsselfeld und nach Bad Salzungen. Und weil die drei Modellbauer mit viel Sinn fürs Detail sich schon so viel Arbeit gemacht haben, wollen sie mit ihrem Wissen noch ein Buch füllen, das über die Geschichte des Bahnhofs und seine Nutzung informiert.

Die Enthüllung des Bahnhofsmodells findet am Samstag nach dem Festakt statt, der um 13.45 Uhr beginnt.

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