Bad Neustadt

Gudrun Hellmuth: 40 Jahre lang im Kindergarten zuhause

Seit 1980 war Gudrun Hellmuth Leiterin des Bad Neustädter Kindergartens Mariä Himmelfahrt. Was sich seitdem alles verändert hat und warum sie trotz Ruhestand doch nicht so ganz geht.
40 Jahre lang ist Gudrun Hellmuth durch diese Tür hindurch in "ihren" Kindergarten gegangen. Nun hat sich die langjährige Leiterin von Mariä Himmelfahrt in den Ruhestand verabschiedet.
40 Jahre lang ist Gudrun Hellmuth durch diese Tür hindurch in "ihren" Kindergarten gegangen. Nun hat sich die langjährige Leiterin von Mariä Himmelfahrt in den Ruhestand verabschiedet. Foto: Christian Hüther

Wie viele Nasen Gudrun Hellmuth, die langjährige Leiterin des Bad Neustädter Kindergartens Mariä Himmelfahrt, wohl in den vergangenen 40 Jahren geputzt, Schnürsenkel gebunden und tröstende Worte in dieser Zeit gesprochen hat. Das hat sich Dekan Dr. Andreas Krefft im Rahmen ihres Abschiedsgottesdienstes am vergangenen Sonntag gefragt

"Das ist einer der schönsten Berufe der Welt."
Gudrun Hellmuth, über die Arbeit als Erzieherin und Kindergartenleiterin

Es werden bei über 800 Kindern, die die 62-Jährige bis zu ihrem Ruhestand, der in dieser Woche offiziell begonnen hat, begleitet und kennengelernt hat, einige gewesen sein. Vielleicht auch gerade deshalb sagte sie in den letzten Tagen vor ihrem Ruhestand im Gespräch mit dieser Redaktion begeisternd: "Das ist einer der schönsten Berufe der Welt."

Anfangs noch "ein Exot"

Dass Hellmuth letztlich über 40 Jahre hinweg so tiefe Spuren hinterlassen hat, war zu Beginn ihrer Leitungstätigkeit im April 1980 noch nicht abschätzbar, wurde sie schließlich auch zunächst vereinzelt mit Argwohn betrachtet. "Als junge Mutter mit zwei Kindern im Alter von 23 Jahren war ich ein Exot. Da gab es nicht nur Aussagen, wie 'Super, was bekommen wir für eine Leitung'", erzählt sie rückblickend. Die kritischen und mit Bedenken behafteten Gedanken unter anderem von der damaligen Elternbeiratsvorsitzenden - bis dato wurde die katholische Einrichtung von einer Nonne geleitet - sollten sich aber schnell legen.

Gudrun Hellmuth war sich auch für einen Spaß nie zu schade, so wie hier beim traditionellen Kartoffelfest.
Gudrun Hellmuth war sich auch für einen Spaß nie zu schade, so wie hier beim traditionellen Kartoffelfest. Foto: Uli Haßelbacher

Nicht gelegt haben sich die Veränderungen, die sich wie ein roter Faden durch die tägliche Arbeit der leidenschaftlichen Kindergartenleiterin bis zuletzt gezogen haben. "Familie ist nicht mehr Familie, wie sie vor 40 Jahren war", sagt sie. Die früheren Öffnungszeiten, dass Eltern ihre Kinder um 11.30 Uhr abholen mussten und erst um 13.30 Uhr wieder bringen konnten, sind mittlerweile undenkbar und überholt. "Da wäre es heutzutage unmöglich für eine Frau, berufstätig sein zu können", so Hellmuth.

"Mir war es immer wichtig und ein Anliegen, nahe dran zu sein, zu beobachten, was eine Familie braucht und damit Rahmenbedingungen zu schaffen, dass Familie möglich ist", beschreibt sie einen ihrer Arbeitsschwerpunkte.

Auch einmal für Eltern auf Wohnungs- und Jobsuche

Der andere ist nach ihrer Ansicht die Teilhabe. Ihr blute manchmal das Herz, erzählt sie offen, wenn manche Kinder bestimmte Zugänge nicht haben können aufgrund ihrer familiären Situation. "Wenn die Familie beispielsweise mit finanziellen Notlagen stark belastet ist, aufgrund eines Zuzugs noch nicht integriert ist oder die Eltern Arbeit suchen, dann kann man mit ihnen nicht darüber sprechen, dass ihr Kind stottert. Das ist dann erst einmal drittrangig", beschreibt sie die Probleme. Dann geht es für Hellmuth nicht nur darum, Kinder zu betreuen, sondern für die Familien auch einmal eine Wohnung oder einen Job zu suchen. "Ich sehe immer das Ganze und das gibt mir auch etwas." 

Dass innerhalb des Kindergartens bei Eltern Freundschaften oder auch Männerstammtische entstanden sind und bis heute bestehen, freut Gudrun Hellmuth sehr und sei ein Beispiel für gelungene Integration. Und Integration ist auch täglich ein Stichwort bei der Arbeit im Kindergarten Mariä Himmelfahrt, in dem bei 77 Plätzen aktuell Kinder mit 18 verschiedenen Nationalitäten untergebracht sind. Nicht nur in Bezug auf das Essen, das täglich frisch für die Kinder in der Einrichtung zubereitet wird, zeigt sich laut Hellmuth, dass nicht alle Kinder das gleiche brauchen und dementsprechend die Verschiedenheit nicht gleich behandelt werden dürfe.

Mut an die Eltern zurückgeben, Verantwortung zu übernehmen

Aber auch wenn die Kinder viel Zeit eines Tages in der Einrichtung verbringen, könne diese Institution laut Hellmuth niemals die Leistung einer Familie übernehmen. "Bestimmte Dinge kann ich auslagern, aber die wichtige Familienzeit können wir trotz der erweiterten Öffnungszeiten nicht abdecken. Was wir den Eltern zurückgeben müssen, ist der Mut, selbst Verantwortung zu übernehmen. Wir müssen sie ermutigen und unterstützen, ihre Probleme selbst zu lösen", so Hellmuth.

"Sei frech und wild und wunderbar", ruft sie getreu eines Zitats von Astrid Lindgren den Kindern zu. "Man darf Kinder nicht in eine Schiene pressen, sondern muss das Einzigartige in ihnen sehen, ihnen den Glauben mitgeben, dass sie ihren Weg gehen werden. Das sind die Basics, die leben wir hier und das ist super." 

Was Gudrun Hellmuth auch erfüllte, war die Tatsache, die nächste Generation erlebt zu haben. "Alte Kindergartenkinder kommen mit ihren Sprösslingen zurück und wollen einen Platz hier haben. So schlecht kann es hier also nicht gewesen sein, wenn sie freiwillig wieder kommen", witzelt sie nicht ohne eine Portion Stolz.

Was wird ihr fehlen und was nicht? 

Was der Stadträtin jetzt zum Start ihres Ruhestandes fehlen wird? "Mir werden sicher die Kinder in ihrer Echtheit fehlen,wie sie einfach sind und auch das großartige Team mit dem tollen Miteinander." Sie gibt aber auch offen zu, was sie nicht vermissen wird: "Und zwar das hohe Maß an Verantwortung in allen Richtungen, in Bezug auf die Kinder und die Mitarbeiter. Und auch, dass der Betrieb in eine gute Zukunft geführt werden muss."

Und auch wenn sie nun deutlich seltener als in den vergangenen 40 Jahren durch die große Kindergartentüre in der Hedwig-Fichtel-Straße gehen wird, so ganz geht Gudrun Hellmuth doch nicht." Beim Neubau des Kindergartens, der seit vier Jahren in Planung ist, kann ich mich im Gegensatz zur Pädagogik nicht ganz raushalten", wirft sie einen Blick in die Zukunft.

"Meinen Mund lasse ich mir nicht verbieten"

Auch ihre langjährige Arbeit in der Katholischen Erziehergemeinschaft (KEG), in der sie sich für die Wertschätzung und Verbesserung der Arfbeitsbedingungen der Erzieher eingesetzt hat, will sie nicht komplett ruhen lassen. "Ich werde weiter neugierig bleiben, mich informieren und meinen Standpunkt beziehen. Meinen Mund lasse ich mir nicht verbieten", sagt sie in ihrer typischen Art. 

Mut und Zuversicht hat Gudrun Hellmuth in den vergangenen 40 Jahren nicht nur Kindern oder Eltern mitgeben wollen, sondern nun auch ihrer Nachfolgerin Christina Wolf. "Sie passt ins Team, die wird das rocken."

1980 ging es los für Gudrun Hellmuth im Kindergarten.
1980 ging es los für Gudrun Hellmuth im Kindergarten. Foto: Repro Christian Hüther

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