BAD NEUSTADT

Hand ertastet, was das Auge nicht sieht

Erste Hilfe für Blinde: Ein Pilotprojekt startete der BRK-Kreisverband in Bad Neustadt mit dem Bayerischen Blindenbund. Blinde müssen den vor ihnen liegenden Menschen ertasten, um helfen zu können. Thomas Hofmann führte deshalb die Hände des Ersthelfers.
Erste Hilfe für Blinde: Ein Pilotprojekt startete der BRK-Kreisverband in Bad Neustadt mit dem Bayerischen Blindenbund. Blinde müssen den vor ihnen liegenden Menschen ertasten, um helfen zu können. Thomas Hofmann führte deshalb die Hände des Ersthelfers. Foto: Hanns Friedrich

Was tun, wenn in einem Haushalt ein Unfall passiert und der Partner blind ist? Kann er überhaupt Erste Hilfe leisten? Beim Erste Hilfe-Kurs für Blinde beim BRK Kreisverband Rhön-Grabfeld in Bad Neustadt wurde diese Frage mit einem klaren „Ja“ beantwortet. Dieter Fischer, Blinden- und Sehbehindertenberater aus Mellrichstadt, hatte den Kurs gemeinsam mit Petra Weber vom BRK-Kreisverband angeregt und war über die rege Teilnahme überrascht. Immerhin hatten sich acht Teilnehmer aus dem Landkreis Rhön-Grabfeld dafür interessiert.

Ausbilder Thomas Hofmann, verstand es ausgezeichnet, den blinden Menschen die wichtigsten Maßnahmen der Ersten Hilfe nahezubringen. Er nahm die Blinden an die Hand und zeigte, wie man zum Beispiel den Puls messen kann.

Einmal habe er seiner Frau beim Verbinden geholfen, als diese sich in den Finger geschnitten hatte. „Man muss halt alles ertasten und erfühlen“, sagt Dieter Fischer, der erst seit zwölf Jahren blind ist.

Was tut man, wenn man zu einem Unfall kommt, der vor der Haustüre passiert ist? „Wichtig ist es, Ruhe zu bewahren“, sagt Thomas Hofmann. „Ob ihr zuerst den Notruf absetzt und dann Erste Hilfe leistet, ist eigentlich unwichtig. Wichtig ist, dass dies geschieht.“

Schließlich waren die Teilnehmer selbst an der Reihe – der Unterricht war auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten. Thomas Hofmann nahm die Hand von Dieter Fischer und legte die eine auf den Bauch des „Verunglückten“, um die Atmung zu spüren. Dann führte er den Kopf Fischers in Richtung Mund und Nase des am Boden liegenden. „Schnauft mir ganz schön ins Ohr“, lacht Fischer und meinte „er lebt also noch!“

Dann führte er die Hände des blinden Helfers, der ja den vor ihm liegenden Menschen nicht sehen, sondern nur ertasten kann. Die eine Hand ging zum Knie, um es aufzustellen, die andere zu Arm und zur Hand des Verunglückten. Langsam drehte Dieter Fischer die am Boden liegende Frau zu sich und brachte sie in die stabile Seitenlage. Danach erfuhren die Blinden, dass es wichtig ist, mit dem Verunglückten zu sprechen und ihm damit zu zeigen, dass er nicht alleine ist, bis der Rettungsdienst vor Ort ist.

Oft ging es beim Kurs um ganz banale Fragen: Was tun bei einem Insektenstich, wie kann ich das erkennen, wie kann ich als blinder Mensch helfen? Was ist, wenn ein Kind Spülmittel getrunken hat, was soll ich tun, wenn meine Frau von der Leiter gefallen ist? Diese und viele andere Fragen galt es zu beantworten und immer zeigte sich, dass auch blinde Menschen schnell und kompetent Erste Hilfe leisten können.

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