FLADUNGEN

Hausärztemangel bereitet Sorgen

Bereiteten ihrer Parteifreundin Manuela Rottmann (Mitte) beim ersten Grünen-Stammtisch in Fladungen einen herzlichen Empfang: (von links) Markus Beck, Carmen Kronester, die beiden Kreisvorsitzenden Peter Högn und Birgit Zirkelbach, Christopher Riller sowie Tim Milewski.
Bereiteten ihrer Parteifreundin Manuela Rottmann (Mitte) beim ersten Grünen-Stammtisch in Fladungen einen herzlichen Empfang: (von links) Markus Beck, Carmen Kronester, die beiden Kreisvorsitzenden Peter Högn und Birgit Zirkelbach, Christopher Riller sowie Tim Milewski. Foto: Eva Wienröder

Zum ersten Stammtisch in Fladungen hatte der Kreisverband Bündnis 90/Die Grünen am Freitagabend in den Museumsgasthof „Zum Schwarzen Adler“ eingeladen. Dazu war auch die Grünen-Bundestagskandidatin des Wahlkreises, Manuela Rottmann, zu Gast. Knapp ein Dutzend Besucher diskutierte mit der unterfränkischen Politikerin angeregt über Themen aus Bundes- und Landespolitik, aber auch über das kommunale Geschehen.

Manuela Rottmann studierte nach dem Abitur Jura, Politik und Soziologie in Würzburg, Frankfurt und Aix-en-Provence (Frankreich). Nach wissenschaftlichen Tätigkeiten in Frankfurt und Berlin war die Hammelburgerin von 2006 bis 2012 unter der damaligen CDU-Oberbürgermeisterin Petra Roth Stadträtin in Frankfurt und hauptamtliche Umwelt- und Gesundheits-Dezernentin, ab 2011 auch zuständig für Personal und Organisation. Seit 2012 arbeitet Rottmann als Unternehmensjuristin bei einer Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn. Bei den Grünen ist sie seit 25 Jahren engagiert, sie war unter anderem Mitglied im Bundesparteirat und 2002 schon einmal Bundestagskandidatin in einem Frankfurter Wahlkreis. Für die anstehende Bundestagswahl wurde die 44-jährige promovierte Juristin von den bayerischen Grünen auf Listenplatz sieben nominiert.

Leben auf dem Land

Bei ihrem Besuch in Fladungen ging Rottmann, die für eine „ökologische, liberale und weltoffene Politik“ warb, ausführlich auf den ländlichen Raum ein. Auf dem Lande aufgewachsen, habe sie den Draht zu ihrer fränkischen Heimat nie verloren, die Probleme seien ihr hinlänglich bekannt. Sie griff Themen im Zuge des demografischen Wandels auf, etwa Alt werden auf dem Land und das Fehlen junger Leute wie auch die Verödung der Ortskerne. Was Letzteres betrifft, sind auch zunehmend Siedlungen aus den 60er und 70er Jahren von Leerständen betroffen. Senioren, die sich zusammentun, Mehrgenerationen-Wohnen oder auch Wohnraum für Flüchtlinge – Rottmann gab Beispiele für denkbare neue Wohnmodelle. Zum Kontext der Probleme gehören ebenso die Aspekte Mobilität und Gesundheitsversorgung, die neben dem Thema Nachhaltigkeit Schwerpunkte in Rottmanns politischem Engagement bilden, wie die Hammelburgerin erklärte.

Was die Gesundheitsversorgung in der hiesigen Region angeht, machte Rottmann eine deutliche „Abwärtsspirale“ aus. Besucher des Stammtisches quittierten dies mit regem Kopfnicken und äußerten ihre Befürchtung über einen zunehmenden Hausärztemangel in der oberen Rhön, da hier immer mehr Allgemeinmediziner kurz vor dem Ruhestand stehen. Dass es für drei Landkreise nur noch eine Kindernotfallambulanz in Schweinfurt gibt, wurde als beunruhigend gewertet – auch im Hinblick auf die allgemeine klinische Versorgung. Angesichts der Privatisierung von Krankenhäusern stellte die Juristin heraus, dass die Sicherstellung einer verlässlichen medizinischen Versorgung trotzdem eine öffentliche Aufgabe sei. Die Landkreise seien auch nach der Privatisierung verpflichtet, eine angemessene stationäre Versorgung und die Versorgung mit Hebammen zu gewährleisten.

Damit das Leben auf dem Land Zukunft hat, müssen nachhaltige Konzepte her, waren sich die Teilnehmer des Stammtischs einig. „Wir müssen Ideen für den ländlichen Raum entwickeln“, sagte Rottmann und monierte, dass das flache Land derzeit nicht in der Aufmerksamkeit der Landes- und schon gar nicht der Bundespolitik stehe. Dabei könnten ihrer Ansicht nach von diesen Ebenen viele Impulse, zum Beispiel über Innovationen zur Forschungsförderung und Städtebaumittel, gesetzt werden.

Neue Programme auflegen

Programme wie „Die soziale Stadt“ zur Stabilisierung und Aufwertung städtebaulich, wirtschaftlich und sozial benachteiligter und strukturschwacher Stadt- und Ortsteile könnten auch für das Land dienlich sein. „Ökologische, soziale und ökonomische Fragen muss man zusammendenken“, befand die Grünen-Politikerin, die zur Verbesserung der Lebensverhältnisse Erfahrungen ihrer Arbeit aus den Ballungsräumen mit einbringen möchte.

Manuela Rottmann ist am Sonntag, 12. März, noch einmal zu Besuch im Landkreis. Zusammen mit der ehemaligen Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth wird sie zum politischen Frühschoppen um 10.30 Uhr im kleinen Kursaal in Bad Königshofen erwartet.

Mehr Infos: www.gruene-rhoen-grabfeld.de

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