Bad Königshofen

Heilige Nacht: Josef und die durchkreuzten Pläne vieler Menschen

Christmette in der Stadtpfarrkirche Bad Königshofen. Pfarrer Karl Feser hielt den Gottesdienst und ging in seiner Predigt auf die aktuelle Situation in der Welt ein. Foto: Hanns Friedrich

 "Mag Maria Gottesmutter sein, aber durch einen wie Josef ist Gott Mensch geworden, hat er erst einen Namen in dieser Welt. Und deswegen mag ich Josef, denn er ist wie wir," sagte der evangelische Pfarrer Lutz Mertten bei seiner Ansprache an Heilig Abend. Dieses Jahr stellte er Josef in den Mittelpunkt. Er sei der einzige, der beim Weihnachtsgeschehen im Hintergrund verschwindet und mit dem eigentlich Wunderbaren dieser Nacht  nicht viel zu tun habe. "Er steht abseits und betrachtet die Erhabenheit dieser Nacht aus der Ferne." Da müsse man sich schon fragen, ob es an Weihnachten eigentlich auch ohne Josef geht.

An der Seite Marias

Pfarrer Lutz Mertten verglich Josef, der an der Seite Marias steht, mit den Menschen heute, die diese Nacht zwar feiern, vielleicht sogar an das Wunder der Heiligen Nacht glauben, in die Kirche gehen, einige, ohne daran zu glauben. Der Kirchenchor gestaltete die Christmette und eine Besonderheit war das "Salve, Jesu parvule"  gemeinsam mit Monika Oser, Harald Dittrich und Hubertus Korb, zum Evangelium, sowie der Taize-Gebetsruf "Adoramus te, o Christe”.

Tina Mertten las zwischen den einzelnen Predigttexten immer wieder Passagen aus dem Weihnachtsevangelium, auf das ihr Mann Lutz dann einging. So auch, als Josef überlegt, ob er Maria nicht heimlich verlassen sollte. Aber ein Engel belehrt ihn, Maria zu sich zu nehmen. Es gab für ihn tausend gute und vernünftige Gründe, sie nicht bei sich aufzunehmen – und nur einen dafür. "Er nimmt das Kind und die Frau an – allein aus gutem Glauben." Gerade diese Gutgläubigkeit, sei es, die Josef zum Heiligen derer macht, die das Leben aus gutem Glauben einfach annehmen müssen wie es ist, ohne dass es gute Gründe dafür gäbe.

Durchkreuzte Pläne

Damit wurde aber auch seine Lebensplanung durchkreuzt, wie auch heute noch die Pläne vieler Menschen. Das einzige was sie treibt ist das Vertrauen, dass Gott doch etwas Gutes daraus wachsen lassen kann. Für sie stehe auch Josef. Viele Menschen würden in die Kirche gehen, ohne zu glauben, aber es tut ihnen allein schon gut die zu sehen, die wie Josef an ihrem guten Glauben, an ihrem Glauben an das Gute festgehalten haben. Weihnachten brauche Menschen, durch die Gott in dieser Welt Heimat finden kann. Pfarrer Lutz Mertten: "Ohne uns geht es wirklich nicht."

Das Pfarrerehepaar Tina und Lutz Mertten gestalteten an Heilig Abend gemeinsam den Gottesdienst in der evangelischen Kirche Bad Königshofen Foto: Hanns Friedrich

In der katholischen Stadtpfarrkirche nahm Pfarrer Karl Feser die aktuellen Geschehnisse der Welt in den Focus und nannte Weihnachten ein Provokation. Er sprach den "Fürchtet-euch-nicht-Engel" an, der bei Maria war, um die Geburt des Gotteskindes anzukündigen, bei  Josef als dieser sich entschloss, Maria in aller Heimlichkeit zu verlassen und er tritt auch an Ostern am offenen Grab von Jesus auf. "Immer in schwierigen Lebensumständen, da wo einem die Hoffnung abhanden gekommen ist."  

Weltliche Herrscher

An Heilig Abend würden in den Lesungen und Evangelien Worte auftauchen wie, der Heiland ist geboren, Gott ist mitten unter euch, das Reich des Friedens beginnt. Ob man daran glauben kann,  fragte der Geistliche die Gottesdienstbesucher in der Stadtpfarrkirche. Er erinnerte an Kaiser Augustus der, als Jesus geboren wurde, die weltliche Macht repräsentierte. "Heute sind es mächtige weltliche Herrscher, Leute wie Trump, Erdogan, Orban, Le Pen; Xi Jingping, die die Menschen und auch die Welt in Angst und Schrecken versetzen.

Pfarrer Karl Feser verwies auf die Natur, in der viele Zeichen auf Unheil stünden. Aber auch in der Welt würden Zeichen auf Krieg und eine ungewisse Zukunft stehen. "Populisten und Extremisten haben wieder das Sagen, die Humanität und das Gute Auskommen sind bedroht durch gemeine Rede und gemeine Tat." Pfarrer Feser prangerte die politische Grobheit, Flegelei und Unverschämtheit an und sagte: "Anstand und Diplomatie werden verhöhnt, Respekt und Achtung missachtet." Trotzdem gebe es Menschen, die etwas tun. Dazu gehöre Greta Thunberg, die vor dem Königspalast in Stockholm mit einem selbst gemalten Schild auftrat, auf dem stand: Schulstreik fürs Klima. Sie sei in ihrer Widerständigkeit weltweit ein Symbol geworden.

Das Thema Frieden sprach der Geistliche an und sagte, dass es Frieden nur gibt, wo Menschlichkeit und die Gerechtigkeit gelebt werden, wo die Liebe einen Platz hat. "Der Friede Gottes, wie er an Weihnachten verkündet wird, ist eine Art Anfangsgeschenk an den Menschen."

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