BAD NEUSTADT

Heiße Übung im Container

Ein Flash over ist ein der gefährlichsten Brände, die bei einem Feuer selbst Feuerwehrleute in Gefahr bringen können. Wie man korrekt reagiert, testeten Wehrleute im Brandübungscontainer. Foto: Hanns Friedrich

Meterhohe Flammen, beißende Hitze, die Sicht fast bei Null: das war die Situation, die die Feuerwehrleute aus Rhön-Grabfeld am Brandübungscontainer in Bad Neustadt erwartete. Im Turnus von zwei Jahren haben Feuerwehrleute, konkret die Atemschutzträger, die Möglichkeit, hier den Erstfall zu üben.

Stimmen von Teilnehmern: „Das war schon ganz schön hart. . . Erst keine Sicht, dann plötzlich Flammen an verschiedenen Stellen. . . Da muss man aufeinander abgestimmt sein, denn jeder Handgriff sollte sitzen.“

„Das alles ist sowohl für neue Atemschutzträger, als auch für diejenigen, die es schon einige Zeit machen, wichtig, um für den Ernstfall gerüstet zu sein“, sagt Kreisbrandrat Stefan Schmöger. Ihm liegt viel an der Aus- und Weiterbildung. „Es kann immer etwas sein, was von uns ganz plötzliche Handlungsbedarf erfordert“, sagt der Kreisbrandrat.

In diesem Moment schlägt sein Piepser an: Museumslok gegen Traktor, brennende Heuballen. . . meldet die Integrierte Leitstelle Schweinfurt. „So gehts, sagt Stefan Schmöger“, und schon sitzt er im Auto und fährt mit Blaulicht zum Einsatzort. „Das ist unser Job“, sagen die Wehrleute, die noch kurz die Meldungen am Funk mitverfolgen.

Dann geht es weiter. Florian Bauer ist derjenige, der für die feuertechnischen Aufgaben im Brandübungscontainer zuständig ist. Per Knopfdruck kann er plötzlich an einem Treppenaufgang Flammen lodern lassen, im Keller einen Brand simulieren oder gar einen Flash-Over, ein von Feuerwehrleuten gefürchtetes Flammeninferno, entstehen lassen. Möglich wird dies durch die sogenannte „Heißausbildung der Firma Dräger im „Fire Dragon“.

Solche Übungen sind wichtig, denn im Einsatz müssen Feuerwehrleute mit allem rechnen, erklärt Florian Bauer. Dennoch können nur die wenigsten von ihnen taktische Brandbekämpfung realitätsnah trainieren.

Seit 2002 kommt der Brandübungscontainer im Turnus von zwei Jahren zur Rhön-Grabfelder Feuerwehr und wird hier auch entsprechend angenommen. „Natürlich könnten es einige mehr sein, aber die, die gekommen sind, haben was gelernt“, meint der Kreisbrandrat. Von 32 Wehren von der Rhön bis ins Grabfeld waren Feuerwehrleute am Wochenende zum Üben gekommen, oftmals natürlich mit bangen Gefühlen, was sie wohl erwartet und ob sie alles richtig machen. Kreisbrandmeister Christoph Wohlfart war einer der Ausbilder der jeweiligen Wehren, der neben Florian Bauer die Übung an den Bildschirmen im „Kommandostand“ verfolgte. „Sehr gut gemacht. . . Sie ziehen den Schlauch korrekt nach. . . Aber, warum machen sie die Türe nicht zu. . . Das würde im Ernstfall dazu führen, dass sich der Brand ausbreiten kann“. Kleine Fehler, die aber eine große Wirkung haben können, sagt er den Wehrleuten.

Fünf Brandstellen gibt es im Übungscontainer, erklärt Florian Bauer: einen Kellerbrand, den Brand der Zugangstreppe, den Brand in einem Wohnzimmer mit einer Tischgarnitur und einen Schrank, der Feuer gefangen hat. Genau beobachten er und Christoph Wohlfart das Vorgehen. „Ganz wichtig sind Prioritäten, also den Kellerbrand zunächst vernachlässigen, dafür aber die Flammen an der Treppe löschen, denn dort müssen sie ja wieder raus.“

Besonders das Durchkommen an engen Stellen will beim Tragen eines Atemschutzgeräts gelernt sein. Das zeigte sich auch bei den Übungen in Bad Neustadt, denn der Brandcontainer war nicht nur dunkel und vernebelt, sondern auch recht eng. „Handzeichen waren oftmals als Verständigung angesagt.“

Der mobile Brandcontainer bietet unter anderem variable Flammengröße und Simulation einer Rauchgas-Durchzündung, fixe Brandstellen und eine Wechselbrandstelle sowie die komplette Vernebelung der Räume mit Rauchgeneratoren.

Der Container hat eine direkte Sichtverbindung vom Leitstand und wird zusätzlich mit Wärmebildkameras überwacht. „Sicherheit ist unser oberstes Gebot“, erklärt Florian Bauer, während er den Monitor immer im Blick hat. Er hat damit jederzeit den Übungstrupp auch bei starker Rauchentwicklung vor Augen.

Er lässt sei Trupps im Brandübungscontainer nicht aus den Augen: Florian Bauer, der Herr über die Flammenhölle. Foto: Hanns Friedrich

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