Oberelsbach

Heiße Zeiten: Wie kann sich die Rhön dem Klimawandel anpassen?

Alana Steinbauer steht vor einer Mammut-Aufgabe: Sie muss die Rhön fit für eine warme, trockene Zukunft machen. Ob sie diese Herausforderung in drei Jahren bewältigen kann?
An trockenen Buchen wie hier im Wald bei Oberelsbach sind die Auswirkungen des Klimawandels deutlich erkennbar. Alana Steinbauer will den Forstwirten im Biosphärenreservat helfen, den Wald an ein wärmeres Klima anzupassen. Foto: Carolin Schulte

Wie sieht der Wald der Zukunft aus? Wie kann man Felder vor Starkregen schützen? Die Antworten auf diese Fragen sucht die Geoökologin Alana Steinbauer: Seit Februar ist sie als Projektmanagerin für Klimaanpassung beim Biosphärenreservat Rhön in Oberelsbach.

Deutschland- und bayernweit gibt es natürlich schon Pläne dafür, wie wir uns an ein heißeres, trockeneres Klima anpassen können. "Diese Strategien sind aber sehr allgemein gehalten", erklärt Steinbauer. Ihre Aufgabe wird es deswegen sein, konkrete Maßnahmen für die Rhön auszuarbeiten. Für die 30-Jährige macht das auch den Reiz dieser Stelle aus: "Bei meinem vorherigen Job am Landesamt für Umwelt in Hof musste ich ganz Bayern im Blick haben. Jetzt freue ich mich darauf, endlich vor Ort etwas umzusetzen." 

Wissenschaftliche Grundlage schaffen

Vor Steinbauer liegt nun erstmal noch viel Theorie: "Im Moment trage ich den aktuellen Forschungsstand zusammen, um eine Prognose für die Rhön zu erstellen", erklärt sie. Das ist gar nicht so leicht, denn Klimamodelle sind in der Regel für Quadrate von elf mal elf Kilometern berechnet. Für Landwirte sind solche Modelle wenig hilfreich, denn der Niederschlag kann schon auf einem Feld sehr unregelmäßig sein. 

"Hier in der Rhön ist es nochmal wichtiger, dass wir hochauflösende Modelle bekommen", erklärt Steinbauer. "Denn hier haben wir durch den Höhenzug der Hohen Rhön einen besonders starken Niederschlagsgradienten." Das heißt der Regen, der von Westen nach Osten zieht, regnet sich dort ab. In Ostheim ist es deswegen zum Beispiel besonders trocken. 

An der Uni Würzburg forscht das Team um Klimaforscher Professor Heiko Paeth deshalb an einem Modell, das das Klima auf ein Raster von einem mal einem Kilometer genau herunterrechnet. Außerdem kooperiert Steinbauer mit ihren ehemaligen Kollegen am Landesamt für Umwelt. "Das LfU arbeitet mit einem Ensemble von Klimamodellen. So können sie Szenarien für den besten und den schlimmsten Fall ausrechnen", so Steinbauer.

Klima-gleiche Orte bieten Orientierung

Wenn wir weitermachen wie bisher, rechnen sie mit einem Temperaturanstieg von 3,5 Grad Celsius. Dazu kommt eine andere Niederschlagsverteilung: Trockene Sommer, feuchte Winter und Starkregen im Frühjahr.

Sobald Steinbauer eine konkrete Prognose für die Rhön hat, beginnt Schritt zwei: "Dann können wir mit klima-gleichen Orten rechnen, die jetzt schon das Klima haben, das uns hier erwartet", erklärt Steinbauer. Welche Bäume wachsen dort, was bauen die Landwirte an? So will Steinbauer zu Handlungsempfehlungen kommen, die sie im dritten Schritt mit den Forstwirten, Landwirten und allen anderen Betroffenen im Biosphärenreservat diskutieren will. 

Dem Wald bleibt nicht mehr viel Zeit

Besonders dringend ist die Situation für die Forstwirte, denn Fichten und Buchen kämpfen jetzt schon mit extremer Trockenheit. Das Erntealter einer Buche liegt bei rund 140 Jahren, das einer Eiche bei 240 – die Förster müssen also in extrem langen Zeiträumen rechnen. Das ist bei dem schnellen Tempo des Klimwandels schwierig: "Wir müssen eigentlich jetzt schon Baumarten anpflanzen, für die die Bedingungen hier im Moment noch nicht ideal sind, in der Zukunft aber schon", erklärt Michael Geier, Leiter der Biosphärenreservats. "Wenn wir so weitermachen, gibt es in 140 Jahren keine Buchen mehr."

Die Landwirtschaft hat es da einfacher, sie kann Jahr für Jahr das Klima bewerten, andere Pflanzen wählen und neue Methoden ausprobieren. Aber besonders der Starkregen macht den Landwirten zu schaffen, er schwemmt den guten Boden von den Feldern. 

Anpassung darf Klima nicht schaden

Steinbauer muss also vermitteln: zwischen Wissenschaft und Praxis und zwischen den Bedürfnissen von Wasser-, Wald- und Landwirtschaft, die regelmäßig kollidieren. Das extrem heiße und trockene Jahr 2018 hat ihr die Arbeit in gewisser Weise erleichtert: "Die Leute haben jetzt verstanden, dass sich etwas ändern muss und wollen wissen, wie das geht", sagt sie. 

"Wichtig ist, dass Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel immer Hand in Hand gehen müssen", erklärt Steinbauer weiter. Zum Beispiel könne sich der Mensch an den Klimawandel anpassen, indem er Klimaanlagen einbaut – der erhöhte Stromverbrauch wäre aber wiederum schädlich für das Klima.

Ihre Arbeit ist zunächst begrenzt auf die Bereiche Forst-, Land- und Wasserwirtschaft. Dennoch hat sie viel zu tun in dem Zeitraum von nur drei Jahren, auf die Steinbauers Stelle vorerst befristet ist. Michael Geier hat jedoch schon einen Plan: "Wir müssen uns in dieser Zeit einfach unentbehrlich machen, damit die Stelle verlängert wird."

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