Hendungen

Hendungen: Wo der Apfel noch gefeiert wird

Leuchtende Früchte und frische Aromen ziehen auch Kinder an. Foto: Eckhard Heise

Während anderswo Apfelmärkte abgesagt werden, ließ sich der Heimatverein von Hendungen von einer weit unterdurchschnittlichen Ernte nicht unterkriegen und feierte auch heuer wieder sein Apfelfest. Das hat seinen Grund, denn der große Baumbestand wird nicht nur aufwendig gepflegt. Jetzt wird er sogar noch durch ein Streuobstprojekt staatlich gefördert. So kam es, dass auch zwei Vertreter des Amts für ländliche Entwicklung zugegen waren.

Früher wurden Äpfel stets in Handarbeit gepresst, was eine ziemlich mühselige Arbeit ist. Dies bekamen die jungen Besuch... Foto: Eckhard Heise

Der Duft frisch gepresster Äpfel empfing den Besucher schon auf dem Weg zur Unterkunft des Kleintierzüchtervereins, wo traditionell das Apfelfest gefeiert wird. Unter dem Dach eines Anbaus mühten sich Kinder an einer handbetriebenen Presse und konnten zusehen, wie der Saft in ein Auffanggefäß floss.

Situation der Streuobstwiesen

Daneben war ein Verkaufsstand für Äpfel, in dem Manfred Escherich die Regie führte. Er kennt sich aus mit der Situation auf den Streuobstwiesen. Auf rund 200 Bäume schätzte er den Bestand rund um Hendungen, ein Großteil gehört der Gemeinde, der vom Heimatverein gepflegt wird. Die Ernte habe erneut deutlich unter dem Durchschnitt gelegen, wofür er in erster Linie die Trockenheit verantwortlich machte. Außerdem habe die Witterung während der Blüte Einfluss gehabt. Etwa 40 Sorten umfasst der Bestand, darunter viele alte Bezeichnungen wie die "Willers Birn", der "Kirchmeßapfel", der "Gelbe Spilling" und der "Hendunger Weißapfel", der inzwischen in der offiziellen Deutschen Apfelsortenliste aufgenommen ist.

Zu sehen waren Proben davon im großen Saal nach der Durchquerung des Vorraums, wo Heimatvereinsvorsitzender Martin Balling gerade mit seiner Küchenmannschaft Fladen mit Schinken und Lauch backten. Säuberlich beschriftet in stilvollen Körbchen leuchteten gelbe, rote, lichtgrüne Exemplare von allen in Hendungen vorhandenen Sorten.

Engagement für den Streuobstbestand

Diese Vielfalt und vor allem das Engagement für den Streuobstbestand hatten das Amt für ländliche Entwicklung aufmerksam gemacht, das durch zwei Mitarbeiter vertreten war. "Streuobstwiesen sind Teil unserer Kulturlandschaft", erklärte Dorit Bollmann, Sachgebietsleiterin Landespflege und Pressesprecherin der Würzburger Einrichtung. "Es wäre schade, wenn ein solches Kulturgut verloren ginge". Daher wurde ein auf drei Jahre angelegtes Streuobstprojekt ins Leben gerufen, das dabei helfen soll, alte Sorten zu fördern und zu verbreiten.

Pomologe Frank Schelhorn bestimmt auch Birnensorten. Foto: Eckhard Heise

Dazu wurden zunächst der Bestand erfasst und schließlich zehn Baumarten ausgewählt und beschnitten, fuhr Projektleiter Heribert Römert fort. In diesem Winter werden dann "Reiser" geschnitten und zur Veredelung an eine Baumschule weitergegeben.  Hendunger Bürger können jetzt Bestellungen aufgeben und sich zu einem äußerst niedrigen Preis die Jungpflanzen reservieren. Es werden aber auch Wünsche von außerhalb entgegengenommen, dann ist der Preis allerdings höher. Im Herbst 2021 werden die Jungpflanzen dann ausgeliefert.

Auch ein ausgewiesener Fachmann war vor Ort

Noch einen Raum weiter saß Pomologe (Obstbaumkundler) Frank Schelhorn. Er bekam mehrere Tüten mit unterschiedlichen Birnen vorgelegt und konnte bei dieser Gelegenheit Auskunft geben, warum in diesem Jahr Birnen besonders prächtig gedeihen während die Äpfel deutlich kleinwüchsiger als gewöhnlich sind. Er hatte zwei Erklärungen: Die besonderen Bedingungen während der Blütezeit und Bestäubung, die für Birnen günstiger gewesen seien als für Äpfel. Vor allem kämen Birnen aber mit der Trockenheit besser klar, weil sie anders als Äpfel Pfahlwurzeln besitzen. Die Wurzeln dringen tief ins Erdreich ein und können dort noch Feuchtigkeit und Nährstoffe aufnehmen, während die Oberfläche schon längst ausgetrocknet ist.

Der letzte Weg führte schließlich am Verkaufsstand für die unterschiedlichsten Marmeladenmischungen vorbei. Apfel mit Birne, Apfel mit Marzipan, Apfel mit Banane aber auch Mispelaufstrich und Birne mit Kokosmilch zeigten, dass der Fantasie bei der Obstverarbeitung keine Grenzen gesetzt sind.  

                         

Schlagworte

  • Hendungen
  • Eckhard Heise
  • Bananen
  • Baumarten
  • Birnen
  • Bäume
  • Heimatvereine
  • Kleintierzuchtvereine
  • Presse
  • Pressesprecher
  • Winter
  • Äpfel
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!