Hendungen

Hendunger Kapelle bringt die Wüste zum Beben

"Die 6 vom Durf" mit ihrer Gastfamilie vor Alpenpanorama in Riad: Die Hendunger spielten in der Deutschen Botschaft in Saudi-Arabien beim Oktoberfest zünftig auf. Im Bild (von links): Manfred Reußenzehn, Christoph Bach, Daniel Molitor, Frederik Masur, die Gastgeber Ute, Carmen un... Foto: Die 6 vom Durf

Eigentlich sind sie eine Feuerwehrkapelle. "Die 6 vom Durf", wie sie sich nennen, sorgen seit 2014 beim Hendunger Weinfest mit zünftiger Blasmusik für Stimmung. Üblicherweise spielt die Truppe diesen einen Auftritt im Jahr. Nun haben die Hobby-Musiker einen ordentlichen Karrieresprung gemacht: Beim Oktoberfest der Deutschen Botschaft in Riad in Saudi-Arabien waren die sechs Hendunger die Stars auf der Bühne. Und rissen ihr internationales Publikum mit dem Blasmusik-Kracher "Auf der Vogelwiese" derart mit, dass sich am Ende alle zu einer großen Polonaise vereinten.

Ihr fünftägiges Abenteuer werden die sechs Hendunger Musiker so schnell nicht vergessen. Christoph Bach (Bariton), Lorenz Bach (Trompete/Flügelhorn), Frederik Masur (Tuba), Daniel Molitor (Schlagzeug), Manfred Reußenzehn (Trompete/Flügelhorn) und Martin Reußenzehn (Tenorhorn) alias "Die 6 vom Durf" stehen noch so unter dem Eindruck des Erlebten, dass die Worte nur so aus ihnen heraussprudeln. Der Flug mit Spontankonzert über den Wolken, das imposante Botschaftsviertel in der saudischen Hauptstadt, die Auftritte in Riad und ein Abstecher in die Wüste waren die Höhepunkte einer Reise, die sie sehr kurzfristig planen mussten, aber auf keinen Fall verpassen wollten. 

Wie die Hendunger Kapelle nach Riad kam 

Zustande kam der Kontakt in den Wüstenstaat durch den Hendunger Gerhard Reußenzehn. Er arbeitet als Technikchef an der Deutschen Botschaft in Riad, auch seine Frau Ute und Tochter Carmen leben dort. Seiner Heimat ist er noch eng verbunden, zuletzt war die Familie am 30. Mai beim Brauhausfest in Hendungen. Dort spielte die Musikkapelle zünftig auf, und Gerhard Reußenzehn, Onkel von Musiker Martin Reußenzehn, hatte die zündende Idee: Solch eine zünftige Blasmusik wäre was fürs Oktoberfest an der Deutschen Botschaft im saudischen Königreich. Und wer würde sich da besser eignen als "Die 6 vom Durf"?

Vor der Deutschen Botschaft in Riad: (von links) Manfred Reußenzehn, Gerhard Reußenzehn, Martin Reußenzehn, Frederik Mas... Foto: Die 6 vom Durf

Die Hendunger Combo als Kulturträger, wenn das nicht ein Top-Prädikat ist. Was die Musiker zunächst als Schnapsidee abtaten, wurde am 10. September Realität. Den sechs Männern flatterte eine Einladung von Rafael Heinisch, Referent für Kultur und Presse der Botschaft Riad, ins Haus. "Wir sollen die fränkische Kultur nach Saudi-Arabien bringen" – die Musikanten waren baff. Und stolz. Und ganz schnell entschlossen: "Da wollen wir hin!"

Hofierte Gäste im Wüstenstaat

Vom 9. bis 13. Oktober waren die Hendunger hofierte Gäste im Wüstenstaat, doch bis dahin hatten die Männer noch einige Hürden zu bewältigen. "Gut, dass es einen Express-Service für Reisepässe gibt, denn zwei Drittel der Mannschaft hatte keinen." Einen Tag verbrachten die Musiker in Frankfurt, um Visa zu beantragen. Auslandsreiseversicherung, Instrumentenversicherung und Informationen über die fremde Kultur galt es ebenfalls zu beschaffen. Und natürlich mussten die Arbeitgeber mitspielen und den Reisewilligen eine Woche Urlaub genehmigen. Daniel Molitor jonglierte zudem noch mit einem privaten Termin, bei dem seine frisch Angetraute mitspielen musste: Der Hendunger, der am 28. September geheiratet hat, verschob für den Musikanten-Trip seine Hochzeitsreise. Wenn das nicht voller Einsatz ist!

Gute Laune vor dem Abflug am Flughafen Frankfurt: Die Musiker der Gruppe "Die 6 vom Durf" freuten sich auf ihren Abenteu... Foto: Die 6 vom Durf

Am 9. Oktober trafen sich die Männer kurz vor 7 Uhr in der Früh in Hendungen, verluden ihre Instrumente in einen Kleinbus und starteten ihr Reiseabenteuer. Um 13 Uhr hob das Flugzeug in Frankfurt ab, und dass der sechsstündige Flug nach Riad ausgesprochen kurzweilig wurde, verdanken Crew und Passagiere den Hendunger Musikern.

Spontankonzert in 11 000 Metern Höhe

"In über 11 000 Metern Höhe haben wir die Instrumente ausgepackt und die Vogelwiese gespielt", berichtet Daniel Molitor lachend. Die Crew hatte beim Anblick der Blasinstrumente um ein Ständchen gebeten, da waren die Hendunger natürlich gleich dabei. Mit Lottchen- und Fuchsgraben-Polka wurden die 150 Mitreisenden beim Abendessen bestens unterhalten – "und wir waren die Stars im Flieger", sagen die Musiker strahlend.

Quad-Ausflug in die Wüste: Die Hendunger Musiker ließen sich den Freizeitspaß in Saudi-Arabien nicht entgehen. Foto: Die 6 vom Durf

Am Flughafen in Riad fühlten sich die Franken sofort in eine andere Welt versetzt. Nicht nur die Kleidung der Passanten trug dazu bei, sondern vor allem der orientalische Geruch, der ihnen in die Nase stieg. Bis ihr Blick auf Gerhard Reußenzehn fiel, der die Truppe am Flughafen abholte. "Wir hatten uns so viele Gedanken über unsere Kleidung gemacht, extra lange Hosen und Hemden angezogen, und dann stand Gerhard in kurzer Lederhose und mit Seppelhut vor uns", erzählt Martin Reußenzehn grinsend. Was für ein Stilbruch in einer Halle voller Scheiche. Und doch respektiert: "Die Saudis mögen Tracht", erfuhren die Hendunger.

Botschafter begrüßt die Gäste aus Rhön-Grabfeld

Untergebracht im Diplomatenviertel in Riad, lebten die Musiker im Haus von Gerhard Reußenzehn und seiner Familie. Klar, dass die Gastgeber mit einem Ständchen begrüßt wurden. Am nächsten Tag traf die Gruppe den Deutschen Botschafter Jörg Ranau, der sie herzlich willkommen hieß und ihnen auch den Empfangssaal zeigte, in den üblicherweise nur Staatsgäste Zutritt haben. "Wir hier im Saal, wo sonst Angela Merkel sitzt, das war schon beeindruckend", reflektieren die Männer.

Gruppenfoto vor dem Goetheinstitut in Riad: (von links) Martin Reußenzehn, Lorenz Bach, Daniel Molitor, Christoph Bach, ... Foto: Die 6 vom Durf

Am Nachmittag bauten sie auf dem Festgelände unter freiem Himmel ihre Technik auf, gefolgt vom Soundcheck, und am Abend ließen es die Musiker dann krachen. Bei noch knapp 30 Grad heizten die Hendunger den Gästen des Oktoberfests in der Deutschen Botschaft ein. "Das war richtig stilecht aufgezogen", erinnert sich Christoph Bach, Tischdecken mit weiß-blauem Rautenmuster und bayerische Spezialitäten (wenn auch ohne Schweinefleisch) gehörten dazu. Das Buffet war so reich bestückt, dass die Hendunger aus dem Staunen gar nicht mehr herauskamen. "Nach uns war das Buffet das Beste", sagt Daniel Molitor lachend.

Auf der Bühne beim Oktoberfest in der Deutschen Botschaft in Riad: (von links) Martin Reußenzehn, Christoph Bach, Freder... Foto: Die 6 vom Durf

Das sahen die 400 geladenen Gäste wohl genauso – bei dem dreistündigen Programm mit böhmischer Blasmusik sowie flotter Stimmungsmusik sang und schunkelte das internationale Publikum begeistert mit. Saudis, Deutsche, Inder, Schweizer, alle ließen sich mitreißen und schlossen sich am Ende sogar einer fröhlichen Polonaise an. 

Geschenke für den Botschafter im Gepäck

Natürlich hatten die Männer auch ein Geschenk aus der Heimat mit nach Riad gebracht. Hendungens  Bürgermeister Florian Liening-Ewert ließ das Gemeindewappen aus Holz anfertigen, das die Musiker beim Oktoberfest mit launigen Worten dem Deutschen Botschafter überreichten – zusammen mit einem Bild von der Gruppe. 

Botschafter Jörg Ranau präsentiert den Gästen des Oktoberfestes stolz die Geschenke der Hendunger Musiker. Foto: Die 6 vom Durf

Einen Tag später sorgten "Die 6 vom Durf" dann noch einmal im Goethe-Institut mitten in der Stadt für Gaudi. Rund 180 Gäste ließen sich 90 Minuten lang vom flotten fränkischen Sound mitreißen, einige Saudis legten dazu ein Tänzchen aufs Parkett. Großes Interesse galt auch den Blasinstrumenten – "so etwas hatten die noch nie gesehen und gehört", grinst Frederik Masur. Nach dem Konzert fühlten sich die Männer wie umjubelte Stars: Alle Gäste wollten unbedingt ein Foto mit den Musikern in Tracht haben, fast eine Stunde posierten sie auf dem roten Teppich.  

Zum Abschied Geschichte geschrieben

Natürlich wollten die Musiker auch Land und Leute kennenlernen, unternahmen einen Ausflug in die Wüste und zeigten sich beeindruckt von der rasant wachsenden Sieben-Millionen-Metropole Riad, wo laut Lorenz Bach "an allen Ecken und Enden gebaut wird". Rafael Heinisch, Referent für Kultur und Presse der Botschaft Riad, nahm sich viel Zeit für die Gäste und brachte ihnen die Geschichte des Königreichs nahe. Die Zeit verging wie im Flug, am 13. Oktober ging es zurück in die Heimat. Natürlich nicht ohne Musik.

Mit dem Standkonzert am Flughafen in Riad haben die Hendunger Musiker Geschichte geschrieben. Denn Musik in der Öffentli... Foto: Die 6 vom Durf

Als erste Gruppe überhaupt durften "Die 6 vom Durf" am Flughafen in Riad öffentlich musizieren. "Wir haben Geschichte geschrieben: Das hat es in Saudi-Arabien so noch nicht gegeben", sagen die Hendunger. Denn Musik in der Öffentlichkeit war im Land der Scheiche bislang tabu. 

Die Botschaft twitterte ein Video von diesem Auftritt, das schnell 7000 Mal angeklickt wurde. Und auch die anderen Konzerte, vor allem das Oktoberfest, werden der Gruppe noch lange in Erinnerung bleiben. "Die 6 vom Durf" sollten dem saudischen Publikum laut Botschaft ein authentisches Bild bayerischer Blasmusiktradition vermitteln. "Wir haben eine Rakete gezündet", so nennen es die Musiker. Und auch von offizieller Seite kam schnell ein dickes Lob: "Das war das beste Oktoberfest seit langem", hieß es, das war den Musikern natürlich nochmal einen Tusch wert.

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