OSTHEIM

Historientheater mit Hexenwahn und Hinrichtung

Der historische Kirchhof mit dem sogenannten Malerwinkel bildete die schmucke Kulisse für das Theaterstück „Die Schandgeige”, mit dem die Laienspielgruppe der Kirchenburgfreunde am Wochenende ihre zahlreichen Besucher zu begeistern wusste. Foto: Eva Wienröder

Dank der Laienspielgruppe des Vereins Freunde der Kirchenburg wurde am Wochenende in den alten Gemäuern rund um St. Michael Ostheimer Vergangenheit wieder lebendig.

Drei Vorstellungen der „Schandgeige“ waren anberaumt. Es war ein spannendes, dramatisches und gleichsam vergnügliches Stück, mit dem die rührige Darsteller-Truppe unter der Leitung von Sonja Kovacevic und Ingrid Metz ihr Publikum zu begeistern wusste. Der Kirchhof als Originalschauplatz Ostheimer Geschichte bot dabei wieder die perfekte Theaterbühne.

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Die Schandgeige

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Uesthemer Dramödie

Unvergesslich dürften die beiden großen Landsknecht-Feste von 2014 und 2016 sein, als die Laienspielgruppe die gewaltsame Einnahme Ostheims durch die Kroaten im Dreißigjährigen Krieg eindrucksvoll nachgestellt hatte. Erfreulicherweise hat sich ein fester Stamm an Theaterleuten aus Ostheim und Umgebung gehalten und glänzte nun mit einem neuen Stück, einer „Uesthemer Dramödie“, und die hatte es ganz schön in sich.

Unzählige Geschichten haben sich in Ostheim in den letzten Jahrhunderten ereignet. Liebevoll zusammengetragen finden sie sich in den zahlreichen Aufzeichnungen fleißiger Heimatpfleger. Und daraus hatte man nun eigens eine kleine Erzählung gesponnen, nach wahren Begebenheiten – „wie sie sich einst wirklich einmal so zugetragen haben“, wie Regisseurin Kovacevic bei der Begrüßung der Theaterbesucher versicherte. Für die „Schandgeige“ hatte Kovacevic Ereignisse aus verschiedenen Zeitepochen zusammengefügt. „Geschichtliche Geschichtlich“, wie man in Ostheim sagen würde, sind so entstanden.

Rollen auf den Leib geschneidert

Das knapp einstündige Stück mit gut 30 Mitwirkenden spielte zu Lebzeiten von Friedrich Martin von Bodenstedt (1819-1892). „Jedes Menschen Fuß im Lebenslauf wirbelt den Staub von Jahrtausenden auf. Der eine schüttelt ihn ab mit Verachtung, dem anderen dient er als Stoff zur Betrachtung“, griff Sonja Kovacevic ein Zitat Bodenstedts, seinerzeit Intendant am Meininger Hoftheater, auf, welches sich in den Ostheimer Chroniken findet. „Die Laienspielgruppe hat mit sehr viel Freude ordentlich Staub aufgewirbelt“, wie die Regisseurin schmunzelnd dazu bemerkte.

Und die Darsteller gingen in ihren Rollen richtig auf, die ihnen zum Teil regelrecht wie auf den Leib geschneidert waren. Die historische Kulisse tat ihr Übriges und so wurde das Ganze zu einem überaus gelungenem Event.

Zurück in die Vergangenheit

Wie der Alltag in dem kleinen Rhönstädtchen einmal gewesen sein und was für menschliche Schicksale es hier gegeben haben mag, das wurde sehr authentisch und anschaulich dargestellt. So konnte man sich wahrlich in frühere Zeiten zurückversetzt fühlen.

Mehrere Handlungsstränge waren zu einer spannenden Geschichte verwoben, die von einer anfänglichen Komödie in eine „Dramödie“ mündete. Dabei ging es um Neid, Missgunst, Quacksalberei, harmlose Kräuterweiblein, die als Hexen angeprangert wurden, unglücklich Verliebte, kleine Betrügereien, Unfälle, die vielleicht gar keine waren, bis hin zu einer schrecklichen Mordtat, die schließlich – wie vor 200 Jahren in Ostheim letztmals geschehen – mit einer Hinrichtung gesühnt werden sollte.

Begeistertes Publikum

Beim Publikum kam das Stück sehr gut an, die Theaterleute hatten sich den begeisterten Beifall redlich verdient. Nach den Vorstellungen äußerten sich die Besucher durchweg anerkennend. Sie nahmen sicherlich viele nachhallende Eindrücke mit nach Hause, mit der Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen mit der Laienspielgruppe der Kirchenburgfreunde.

In längst vergangene Zeiten konnten sich die Zuschauer beim Theaterspiel der Kirchenburgfreunde zurückversetzen lassen. Foto: Eva Wienröder
Die Theaterleute zeigten sich in Höchstform und gaben drei sehenswerte Vorstellungen in der Ostheimer Kirchenburg zum Be... Foto: Eva Wienröder

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