EUßENHAUSEN

Im Elmbachtal auf Spurensuche

Die Elmbachkapelle im Elmbachtal bei Eußenhausen. Sie erinnert heute noch an das Dorf, Elmbach oder auch Ellenbach genannt, das seit dem 16. Jahrhundert als Wüstung bekannt ist. Geblieben sind Mauerreste und Reste des Turms mit einer Marienkapelle. Foto: Hanns Friedrich

Auf historischen Spuren wanderte die Katholische Erziehergemeinschaft im Kreisverband Rhön-Grabfeld. Sowohl in Eußenhausen selbst als auch im Elmbachtal und der dortigen Kapelle sowie am Skulpturenpark an der Schanz wurde Geschichte wieder lebendig.

Gertrud Reinwand, Vorsitzende der KEG Rhön-Grabfeld, begrüßte an diesem Nachmittag mit Kurt Herbert, ehemaliges Stadtratsmitglied und Ortssprecher von Eußenhausen, einen kompetenten Geschichtsforscher. Immer wieder konnte er durch seine eigenen Forschungen im Kirchenarchiv Interessantes berichten. So erfuhren die KEG-Mitglieder, dass Eußenhausen schon immer ein Grenzort war. Die „Schanz“ erinnert zum Beispiel an den Schwedenkrieg, ebenso die Elmbachkapelle und das ehemals dort liegende Dorf. In neuerer Zeit wurde Eußenhausen im Rahmen der deutschen Teilung zum Grenzort mit Grenzübergang.

Eußenhausen war einst evangelisch

Eußenhausen war ursprünglich geschichtlich eng mit der Ortschaft Henneberg und den dort herrschenden Grafen von Henneberg verbunden. So kam es, dass Eußenhausen 1544 evangelisch wurde. 1589 wurde der Ort dem Hochstift Würzburg zugeschlagen und unter dem damaligen Fürstbischof Julius Echter wieder zum katholischen Glauben geführt. Daran erinnern heute noch Steintafeln an der Ortskirche. Eußenhausen selbst wurde 788 erstmals urkundlich erwähnt, so Kurt Herbert. Es gibt sogar ein Heimatspiel, das aber schon lange nicht mehr aufgeführt wird, weil es gut viereinhalb Stunden dauert. Es erzählt die Geschichte des Dorfes bis in die 1950-er Jahre. 20 Höfe gab es im 16. Jahrhundert und bis zu 150 Einwohner. Die Kirche wird zur Zeit grundlegend saniert und beherbergt Kunstwerke des Barockbildhauers Johann Joseph Keßler. Er hatte in der Festungsstadt Königshofen seine Werkstatt.

Die Kirche war einst eine Wehrkirche, mit Mauern und Gaden umgeben. Der Friedhof war einst an der Kirche angelegt, befindet sich nun aber schon lange außerhalb des Dorfes. Das Gotteshaus ist dem heiligen Bartholomäus geweiht. Die entsprechende Figur findet man am Hochaltar, geschaffen von dem Königshöfer Barockbildhauer Johann Joseph Keßler. Die ursprüngliche Erbauungszeit der Kirche ist nicht bekannt. 1590 wurde Eußenhausen durch Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn zur Pfarrei erhoben. Beeindruckend das Innere der Kirche, die prachtvoll ausgestattet ist. Ins Auge fallen vor allem der Hochaltar, die beiden Seitenaltäre sowie die Kanzel und die Deckengemälde.

Schmucke Marienkapelle im Elmbachtal

Dann führte Kurt Herbert seine Gäste ins idyllische Elmbachtal, wo einst die Wüstung Elmbach lag. Lehmhütten und wenige gemauerte Häuser prägten das Dorf, von dem noch Mauerreste zu finden sind. In der Flur finde man immer wieder Steine und Scherben. Vermutet wird, dass im Dreißigjährigen Krieg, als die Kapelle zerstört wurde, auch das Dorf dem Erdboden gleichgemacht wurde.

Seit dem 16. Jahrhundert ist die Wüstung Ellenbach bekannt. Die Kirche, das kann man heute noch erkennen, diente den Bewohnern zugleich als Schutzburg. Sie verfiel im 16. Jahrhundert gemeinsam mit dem Ort. Erzählt wird, dass Reste der Kirche Landsknechten und Wegelagerern einen Unterschlupf geboten haben. Von der Kirche sind noch Reste der Mauer und des Turms aus dem 13. Jahrhundert erhalten. Im Stumpf des Turms befindet sich eine Marienkapelle.

Sie wird zu Mai- und Abendandachten genutzt, an Maria Himmelfahrt führt eine Prozession hierher. Die Madonna stammt aus der Kapelle der einstigen Schwestern im Eußenhäuser Kindergarten. Vorhanden sind eine Schnitzarbeit und Erinnerungstafeln.

Skulpturenpark auf der Schanz

Weiter ging es dann zum ehemaligen Grenzübergang Eußenhausen und zum Skulpturenpark Deutsche Einheit. Kurt Herbert zeigte die „Goldene Brücke“, die Darstellung des „Erschossenen“ und gab Einblick in die Absichten des Künstlers Herbert Fell aus Niederlauer, der in Berlin lebt, und was er mit seinen Kunstwerken veranschaulichen will. Fell liegt dieser einzige Skulpturenpark, der an die Teilung Deutschlands erinnert, am Herzen. Aktuell ist er dabei die „Golden Brücke“ neu zu streichen (wir berichteten).

Kurt Herbert (Mitte) führte die Mitglieder der Katholischen Erziehergemeinschaft, Kreisverband Rhön-Grabfeld, auf historischen Spuren durch Eußenhausen. Besichtigt wurde auch die Ortskirche. Foto: Hanns Friedrich

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