FLADUNGEN

Im Sattel zum Schwarzen Moor

Radtour: Das Schwarze Moor in der Rhön ist ein beliebtes Ausflugsziel für Wanderer. Aber warum nicht mal hinradeln? Mit dem E-Bike auf ehemaligen Streifenwegen der Grenzer.
Zugegeben, diese Perspektive aufs Schwarze Moor hat man als Radfahrer natürlich nicht. Hinradeln lohnt trotzdem.ANAND ANDERS Foto: Foto:

Die Höhen der Langen Rhön waren bislang ja meist nur den Rennradlern und den Mountainbikern vorbehalten. Das E-Bike aber erschließt nun auch den „Normalos“ unter den Radlern die Schönheiten der Langen Rhön, ohne dass man sich dabei verausgaben muss. Und die folgende Tour ist so gewählt, dass man nicht befürchten muss, der Akku würde unterwegs den Geist aufgeben. Wer den Akku vor der Tour sicher geladen hat, dem ist ein einmaliges Landschaftserlebnis garantiert. Und ja, etwas sportlich ist das Ganze schon auch. Denn man muss ja schließlich auch mit dem E-Bike noch treten . . .

Der Beginn unserer Tour ist in Fladungen am Radler-Infopunkt vor dem Maulaffenturm. Dort folgt man dem Fahrradwegweiser Richtung Melpers und fährt erst einmal auf der Straße, dann auf dem Radweg nach Oberfladungen. Dort biegt man – ohne Fahrradwegweiser – links in die Hauptstraße ein und nach 200 Metern geht's rechts (wieder ohne Zeichen) in den Huflaer Weg. An der Verzweigung nach 300 Meter dann rechts halten und immer weiter auf dem asphaltierten Weg.

Bei einer Baumgruppe nach zwei Kilometern hält man sich links und bleibt nun immer auf dem asphaltierten Weg, der in einer großen Serpentine gemächlich bergan führt. Es geht an ein paar einzelnen Häusern vorbei, und nach fünf Kilometern zweigt der beschilderte Weg zur Schwedenschanze rechts ab. Dort, auf der Rhönhut, dem Hochplateau des Salkenberges, befinden sich die Reste einer Schanze aus dem Dreißigjährigen Krieg und die der alten Landwehr, die in der Rhön Höhl, Hahl oder auch Gebück genannt wird.

Faszinierende Fernsicht

Doch es ist nicht nur das alte Bodendenkmal, weswegen es sich lohnt, diesen Abstecher zu machen. Faszinierend ist die tolle Fernsicht weit in das fränkische Rhönvorland hinein bis zu den Gleichbergen und hinüber zum Thüringer Wald. Und wenn man dann schon mal da ist, fährt man auf dem Wiesenweg auch zum 300 Meter abseits der Route gelegenen Heimatblick (Hinweisschild, Schutzhütte). Von dort reicht der Blick weit in die Südthüringer Rhön.

Zurück am obigen Abzweig (km 9,1) führt der Weg nun rechts weiter zur Staatsstraße (km 11,4), wo man sich rechts hält und nach 100 Metern in den links abzweigenden Weg einbiegt. Am „Oberen See“ (km 12,3) trifft man auf die von Leubach heraufziehende markierte Fahrradroute mit dem Ziel „Schwarzes Moor“. Und auf bleibt man nun bis zum beliebten Ausflugsziel (km 15). Dort geht es nun zu einem Relikt aus der Zeit der deutschen Teilung: Am ehemaligen Todesstreifen steht noch der alte DDR-Wachturm (km 16). Auch ein Abschnitt des Streckmetallzaunes sowie der Hunde-Laufgraben ist erhalten, auf Infotafeln erfährt man mehr über die ehemalige deutsch-deutsche Grenze.

Absteigen und Rad abschließen

Sicher bleibt noch Zeit für die rund ein- bis anderthalbstündige Besichtigung des Schwarzen Moors. Das lohnt sich. Allerdings muss man absteigen – ins Moor geht es nur zu Fuß und ohne Fahrrad. Doch kein Problem, es ist vorgesorgt: In der Nähe des Verkaufskiosks wurden abschließbare Bike-Boxen aufgestellt, in denen man sein Rad samt Gepäck sicher einschließen kann. Nach dem Spaziergang im Moor geht unsere Fahrt für drei Kilometer auf der Panoramastraße weiter, auf der Hochrhönstraße in Richtung Bischofsheim.

Ein Wermutstropfen: An Wochenenden fahren hier einige Autos. Vor einem Nadelwäldchen (km 19,5) biegt man links nach Hillenberg ab. Man fährt nun auf dem Koppelhutweg – einem der historischen Rhönüberquerungswege, im Tal des Aschelbaches, der hier Eisgraben heißt – hinunter nach Hausen. Der Fernblick ist grandios, die Weidelandschaft rechts und links des Weges wirkt fast archaisch.

Zurück über den Streuobstgarten

Am Beginn des Waldes wird wieder einmal die alte Landwehr gekreuzt. Hier befand sich einst ein Schlag, ein von Wächtern bewachter Schlagbaum. Bei km 21,8 zweigt rechts ein Stichweg zum Weiler Hillenberg (Einkehr) ab. Dort befinden sich die Reste der uralten Hildenburg, die bereits im achten Jahrhundert erwähnt und in den Bauerkriegen im 15. Jahrhundert zerstört wurde (km 22,5). Zurück auf dem Asphaltsträßchen (km 23,2) geht es weiter talwärts. Mit großen Serpentinen erreicht es den unteren Teil der Schlucht des Eisgrabens.

In Hausen (km 26,7) trifft man dann wieder auf eine Fahrradroute und folgt ihr (links) mit Ziel Fladungen über Rüdenschwinden zurück zum dortigen Maulaffenturm (km 31,4). Interessant ist allerdings in Hausen auch der Streuobst-Lehrgarten: Wer schnell unterwegs war und noch Zeit hat, fährt dort am Rathaus und der Kirche vorbei (300 m) und kann dann einiges über die Vielfalt an alten Obstsorten in der Rhön erfahren.

Der Autor Jochen Heinke beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit Radwegen und auch der historischen Verkehrsgeografie, insbesondere in Unterfranken, Südthüringen und Osthessen. Für uns hat der Radwege-Fachmann spezielle Routen in der ganzen Region zusammengestellt – für Sportliche oder Genießer, fürs Mountainbike oder das E-Fahrrad. Wir veröffentlichen sie in diesem Sommer in lockerer Folge.

ONLINE-TIPP

Alle erschienenen Touren-Tipps von Jochen Heinke und mehr Routen-Vorschläge finden Sie unter www.mainpost.de/radtouren

Infos und Tipps zur Tour

Der Start: Infopunkt am Maulaffentor in Fladungen (Hochrhönstraße/Ludwigstraße)

Die Strecke: Fladungen – 0,7 – Oberfladungen – 5 – Abzweig zum Salkenberg – 6,8 – Schwedenschanze – 11,4 – St2265 – 12,3 – Wegweiser am Oberen See – 14,4 – 15,3 – Parkplatz Schwarzes Moor – 16 – Grenzinformationsstelle – 19,5 – Abzweig Koppelhutweg – 21,3 – Abzweig nach Hillenberg – 26,7 – Wegweiser in Hausen – 29 – Rüdenschwinden – 31,4 – Fladungen

Die Kategorie: E-Bike-Tour mit großen Höhenunterschieden

Tiefster und höchster Punkt: 417 Meter / 803 Meter

Summe der Steigungen: 630 m

Wege: Die Tour verläuft zum Teil auf den Streifenwegen, die von der damaligen westdeutschen Grenzkontrolle – Zoll und Bayerische Grenzpolizei – bis zur Wende täglich genutzt wurden. Die Oberfläche ist asphaltiert. Es gibt weiß-grüne Wegweiser mit Ziel- und Entfernungsangaben und Richtungswegweiser, auf manchen Strecken auch die Zeichen der MTB-Routen. Es gibt aber auch Abschnitte ohne Beschilderung.

Einkehr: Möglichkeiten gibt's in Fladungen, im Gasthof Sennhütte am Schwarzen Moor, am Kiosk am Schwarzen Moor, im Weiler Hillenberg und in Hausen.

Sehenswertes: Grenzinformationsstelle, Schwarzes Moor, Ruine der Hildenburg, Streuobstlehrgarten in Hausen, Fränkisches Freilandmuseum in Fladungen

Literaturtipp: Fritsch Radwanderkarte Rhön 1: 50 000 Jochen Heinke: „Neue Radwandertouren in der Rhön“ und „Mit dem Fahrrad wandern in der Rhön“, erschienen in Parzellers Buchverlag Fulda, erhältlich in Buchhandlungen und Fahrradläden.

Bikeboxen am Schwarzen Moor. JOCHEN HEINKE Foto: Foto:

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