Waltershausen

In 30 Jahren zigtausende Kröten und Frösche bei Waltershausen gerettet

Einen ganzen Vormittag waren die Kinder und Jugendlichen des Technischen Hilfswerks Mellrichstadt damit beschäftigt, einen 230 Meter langen Krötenzaun aufzubauen.
Einen ganzen Vormittag waren die Kinder und Jugendlichen des Technischen Hilfswerks Mellrichstadt damit beschäftigt, einen 230 Meter langen Krötenzaun aufzubauen. Foto: Hanns Friedrich

Fahrzeuge des Technischen Hilfswerks Mellrichstadt standen auf der Straße kurz vor Waltershausen und Hinweisschilder, langsam zu fahren, ließen so manchen Verkehrsteilnehmer neugierig werden. An einem Abhang waren Kinder und Jugendliche damit beschäftigt, Eisenpfähle in die Erde einzuschlagen und daran einen grünen Zaun zu befestigen. Grund für die außergewöhnliche Maßnahme war die Krötenwanderung zu den Laichplätzen am dortigen kleinen Teich. Dieser liegt nur wenige Meter entfernt auf der gegenüberliegenden Straßenseite. "Kröten und Frösche kommen von einem Wald an der Anhöhe und aus den Hecken und wandern eben über die Straße", erklärte Ralf Köhler aus Waltershausen. Die Aktion fand noch vor den Einschränkungen im Zuge der Corona-Krise statt. Glück für die Kröten, möchte man da sagen.

Einen 230 Meter langen speziellen Absperrzaun haben die Kinder und Jugendlichen an einem Vormittag aufgebaut und dabei rund 150 Eisenhalterungen für den Zaun und weitere 1000 Haken, sogenannte Heringe, in die Erde geschlagen und die grüne Absperrung in die Erde gedrückt. "Das ist notwendig, damit die Tiere nicht unter dem Zaun durchschlüpfen und dann auf die Straße kommen, wo viele Autos fahren", so Bernd Müller, der wie Ralf Köhler seit rund drei Jahrzehnten die Hilfsaktion für Kröten, Frösche und Lurche unterstützt.

1000 Erdkröten werden eingesammelt

An die 1000 Erdkröten, etwa 70 Grasfrösche sowie Lurche werden bei solch einer Aktion an den Zäunen eingesammelt und am Teich ausgesetzt. "Wenn man das auf die 30 Jahre hochrechnet, kommen schon zigtausend Tiere zusammen, die wir gerettet haben." Das Einsammeln findet jeweils in den Abendstunden ab 22 Uhr statt, und da haben die Helfer durchaus einiges zu tun.

In der Hauptsaison kommen an einem Abend bis zu 100 Tiere zusammen. Eingesammelt wird in den nächsten zwei bis drei Wochen. Dass in diesem Jahr Kinder und Jugendliche des Technischen Hilfswerkes (THW) mit eingestiegen sind, ist Chris Köhler zu verdanken. Er ist bei der Jugendgruppe des THW in Mellrichstadt und hatte dort die Aktion seines Vaters in Waltershausen angesprochen. "Wir fanden das eine gute Idee und waren alle begeistert", sagte Thorsten Haag vom THW Mellrichstadt. So wurden zwei Fahrzeuge zur Verfügung gestellt, die den Arbeitsbereich absicherten, außerdem Leitkegel an der Straße, in dessen Bereich sich die Kinder bewegen durften. Außerdem wurden die Autofahrer auf die Aktion aufmerksam gemacht und gebeten, langsam zu fahren.

Selbst die Kleinsten waren beim Krötenzaunaufbau an der Straße nach Waltershausen dabei.
Selbst die Kleinsten waren beim Krötenzaunaufbau an der Straße nach Waltershausen dabei. Foto: Hanns Friedrich

Zaun muss etwa 40 Zentimeter hoch sein

Für Ralf Köhler war dieses Angebot des THW natürlich äußerst hilfreich. Der notwendige Zaun wird vom Bund Naturschutz gestellt und vom Ortsverband gekauft. Allerdings fließt dieses Geld als Spende wieder zurück. Die grüne Absperrung hat eine Höhe von etwa 40 Zentimetern, damit die Kröten und Frösche nicht darüber klettern können. "Sie glauben gar nicht, wie einfallsreich die Kröten sind und versuchen, sich an der Absperrung hoch zu hangeln, um darüber zu kommen", so Bernd Müller.

Wie kam es eigentlich zur Hilfsaktion der Krötenwanderung? Ralf Köhler erinnert sich an einen Vortrag Ende der 1980er Jahre in Bad Königshofen und das habe das Interesse geweckt. "Da haben wir halt mal angefangen und es bis heute durch gezogen."

Thorsten Haag vom THW Mellrichstadt freut sich über das Engagement seiner Jugendgruppe, die im Laufe eines Jahres verschiedene Aktionen durchführt. Aktuell sind es 15 Kinder und Jugendliche aus Rhön-Grabfeld, die sich im Abstand von vier Wochen samstags treffen und gemeinsame Aktionen durchführen. "Da war das Aufbauen eines Krötenzaun einmal etwas anderes und passte gut in unser Programm." Schmunzelnd erzählte Ralf Köhler den Kindern, dass die Weibchen der Erdkröten nur zum Laichen an den Teich gehen und dann sofort wieder zurück wandern. "Die Krötenmännchen bleiben oft noch etwas länger, um sich das eine oder andere Krötenweibchen zu suchen."

Einen ganzen Vormittag waren die Kinder und Jugendlichen des Technischen Hilfswerks Mellrichstadt damit beschäftigt, einen 230 Meter langen Krötenzaun aufzubauen. Dazu mussten Eisenhaken und Heringe in die Erde geschlagen werden.
Einen ganzen Vormittag waren die Kinder und Jugendlichen des Technischen Hilfswerks Mellrichstadt damit beschäftigt, einen 230 Meter langen Krötenzaun aufzubauen. Dazu mussten Eisenhaken und Heringe in die Erde geschlagen werden. Foto: Hanns Friedrich

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