Schweinfurt

In Bad Neustädter Klinik als Sissis Ururenkel ausgegeben

Zehnmal ließ sich ein 41-Jähriger wegen Herzproblemen als Privatpatient in Kliniken behandeln – stets ohne zu zahlen. Die Rechnung präsentierte jetzt das Gericht.
Suite in der Klinik, Chefarztbehandlung: Ein Betrüger prellte Krankenhäuser mit falschen Abgaben in zehn Fällen um insgesamt knapp 13 000 Euro. Foto: Oliver Berg

Im Herbst 2018 weilt der 41-Jährige, wie drei Jahre zuvor schon einmal, als Patient in der Herz- und Gefäßklinik in Bad Neustadt. Er nimmt Privatleistungen in Anspruch, die seine AOK-Krankenkasse niemals zahlen würde: eine Luxus-Suite hatte er gebucht und Chefarztbehandlung – angemessen für einen Ururenkel der legendären Kaiserin Sissi aus der österreichischen Habsburger-Dynastie. Als solcher hatte er sich ausgegeben.

Krankenschwester schöpft Verdacht

Als der angebliche Sissi-Nachkomme fordernd und unfreundlich wird und sich Kleider von der Caritas in einer Plastiktüte in seine Suite bringen lässt, wird die Leitende Krankenschwester misstrauisch. Sie findet heraus, dass der Mann keineswegs privatversichert ist, sondern mutmaßlich ein Hochstabler und Betrüger. Sie ruft die Polizei, die den 41-Jährigen in Gewahrsam nimmt. Seither sitzt er in Schweinfurt in Untersuchungshaft.    

Mindestens zehnmal hat sich der Mann im letzten Jahr mit echten oder vorgegebenen Herzproblemen in verschiedene deutsche Krankenhäuser begeben oder als Notfall einliefern lassen und vorgetäuscht, Privatpatient zu sein. Er nahm Zusatzleistungen in Anspruch und verließ die Klinik jeweils ohne zu zahlen. Als fast Mittelloser, kurz davor aus der Haft entlassen, wäre er dazu gar nicht in der Lage gewesen. Der Schaden, den er auf diese Weise angerichtet hat, beträgt knapp 13 000 Euro.

Richterin mit "Erwürgen" gedroht

Als er in Untersuchungshaft saß, ließ er der zuständigen Ermittlungsrichterin durch einen psychiatrischen Sachverständigen sein Schreiben übergeben, in dem er dieser ankündigte, er werde sie erwürgen, sobald er wieder draußen ist. Er hatte von ihr verlangt, statt zur U-Haft ins Gefängnis in die Psychiatrie eingewiesen zu werden, was ihm die Richterin nicht gewährte.

Die zehn Betrügereien an den Krankenhäusern wie auch die schriftliche Morddrohung an die Richterin hat der Angeklagte in seinem Prozess vor der Großen Strafkammer des Landgerichts Schweinfurt gestanden. Sie waren außerdem durch Zeugen problemlos nachweisbar. Die Kammer verurteilte den 41-Jährigen am Freitag zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten und ordnete seine Unterbringung in einer psychiatrischen Anstalt an.   

Ein Blender mit falschen Namen 

Der Mann sei zwar in der Lage zu unterscheiden, was richtig und falsch sei, sagte die Vorsitzende in der Urteilsbegründung. Er leide aber unter einer schwerwiegenden Persönlichkeitsstörung, die zu einer Einschränkung seiner Steuerungsfähigkeit führe. Schon 2015 sei er wegen Betrugs nach demselben Muster in Haft gekommen. Keine vier Monate nach seiner Entlassung im Januar 2018 habe der Angeklagte weitergemacht und zur Täuschung der Krankenhäuser über seine Identität teils falsche Vornamen, den Mädchennamen der Mutter oder eine falsche Adresse angegeben, beziehungsweise sich als solventen Selbstzahler ausgegeben. Einmal habe er sich in einer reinen Privatklinik behandeln lassen, für die seine AOK nicht einen Cent gezahlt hätte.  

Die Unterbringung in der Psychiatrie ordnete die Kammer an, weil laut Gutachter vom Angeklagten, sobald er in Freiheit sei, erneut Straftaten mit wirtschaftlichen Schäden zu Lasten von Krankenhäusern zu erwarten seien. Der Angeklagte nahm das Urteil an.   

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