Sulzfeld

In Sulzfeld vor dem Fernseher: Biathlon-Experten unter sich

Biathlon-Experten unter sich im Haus des Gastes in Sulzfeld. Hier kommen sie regelmäßig zu Übertragungen von Weltcup-Rennen zusammen.  Foto: Rudi Dümpert

Es ist Samstagvormittag, kurz nach elf. Sternförmig aus allen Straßen und Gassen Sulzfelds kommen gut 20 Männer und Frauen, vorwiegend mittleren und gesetzteren Alters, zum Haus des Gastes am Dorfplatz. Es ist Biathlon-Zeit. Der „Fanclub Biathlonfreunde Sulzfeld“ trifft sich zur Liveübertragung der ARD von der Damen-Staffel beim Weltcup in Hochfilzen. Der österreichische Ort in Tirol zieht die in roten Club-Westen und -Polohemden Gekleideten deshalb besonders an, weil sie dorthin ihren von der Medaillen-Ausbeute her erfolgreichsten gemeinsamen Ausflug, zur WM 2017, unternommen hatten. Sieben Goldmedaillen und eine silberne gab es zu feiern. Norwegen, Frankreich und Russland waren weit abgeschlagen. Doch das ist Schnee von gestern. Jetzt haben die das Sagen und die Deutschen hinken weit hinterher.

Das Gemeinschaftserlebnis macht den Spaß aus

Doch die Sulzfelder rennen nicht nur dem Erfolg hinterher, sondern dem „Gemeinschaftserlebnis, der Stimmung in der Arena und vor dem Beamer.“  Der über 100 Mitglieder zählende, von der IBU (Internationale Biathlonunion) anerkannte offizielle Fanclub genießt das Privileg, problemlos an die benötigten Karten-Kontingente zu kommen und hat bisher seit seiner Gründung 2010 Weltcups und Weltmeisterschaften in Oberhof, Ruhpolding, Antholz, Nove Mesto und Pokljuka  bereist.

Sie kommen natürlich nicht alle aus Sulzfeld, sondern aus dem ganzen Landkreis, aus Nachbarlandkreisen, und ein Ehepaar aus Bremen ist auch immer dabei. Ehrenmitglied ist der Olympiasieger Ricco Groß, der schon mal zu Gast in Sulzfeld war. Der Vorsitzende Michael Solf, inzwischen zum Biathlon-Experten gereift, hat fast ein Jahr im Voraus wieder Bus und Hotel gebucht. „Innerhalb von zwei Tagen waren die Plätze vergeben“, verrät er. „Im  Januar geht’s wieder auf die Pokljuka“, eine Hochebene bei Bled in Slowenien.

Die Stimmung steigt, wenn die Weltmeisterin Denise Herrmann beim Liegendschießen alle fünf Scheiben trifft. Und ein enttäuschtes „Oooh“ ist zu hören, wenn sie beim Stehend-Anschlag alle fünf verfehlt. Norbert Steiche, ein Reporter vom Bayerischen Rundfunk, hält an diesem Tag ein Mikrophon über den Tisch. Natürlich waren sie doppelt gespannt: Auf das Schießen und auf die Ton-Aufnahme.  Denn bereits vor dem Wettkampf hatte Steiche Interviews geführt. In denen gaben ihm die Damen und Herren, unter anderem Michael Solf, Bürgermeister Jürgen Heusinger, Anna Kleinhenz, Willi Stingl, Hilmar Heusinger und Erwin Then Auskunft darüber, warum gerade in Sulzfeld, „nicht gerade ein Schnee-Ort mit Wintersport-Tradition“, eine solche Biathlon-Begeisterung herrscht und was sie an der Sportart so fasziniert.

Treue Fans in guten wie in schlechten Tagen

Anna Kleinhenz war sogar jahrelang Einlass-Kontrolleurin bei den Weltcups in Oberhof. Willi Stingl, ein Mitt-Siebziger, hat sich bei einem Sturz in Hochfilzen zwei Wirbel gebrochen, wurde im Akia abtransportiert. Der Reporter hat auch eingefangen, als vor dem Rennen die Tipps die Runde machten, die später alle über den Haufen geworfen wurden. Weil nichts, aber auch gar nichts ging bei den Deutschen an diesem Tag. Einen Nachteil, im Vergleich zum Solo-Fernsehen daheim auf dem Sofa, hat dieses Public Viewing bei den Sulzfeldern doch: Wenn die Athleten auf der Strecke sind, wird gefachsimpelt und analysiert, was das Zeug hält. Dass die Bundestrainer nur gut zuhören müssten bei diesen 20 Sulzfelder „Co-Trainern.“ 

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