Bad Neustadt

In Zeiten von Corona steht das kirchliche Leben nicht still

Keine Gottesdienste in Rhön-Grabfeld: Wie organisiert sich das kirchliche Leben, wie die Seelsorge? Die Dekane Andreas Krefft und Matthias Büttner haben Antworten.
Licht in der Dunkelheit: Wie viele anderen Kirchen im Landkreis öffnet die Kirche Mariä Himmelfahrt in Bad Neustadt bis spät abends ihre Pforten für eine stille individuelle Andacht.
Licht in der Dunkelheit: Wie viele anderen Kirchen im Landkreis öffnet die Kirche Mariä Himmelfahrt in Bad Neustadt bis spät abends ihre Pforten für eine stille individuelle Andacht. Foto: Andreas Sietz

Wenn die Kirchen nur noch für das individuelle Gebet geöffnet ist und Gemeinden nicht mehr zu Gottesdiensten und anderen Treffen zusammenkommen dürfen, dann wird die individuelle Seelsorge um so wichtiger.

Menschen mit ihren Ängsten oder ihrer Einsamkeit nicht alleine lassen, ist das Ziel der beiden Dekane Matthias Büttner (evangelisches Dekanat) und Andreas Krefft (katholisches Dekanat). "Wir sind da, wir betreuen die, die einsam sind. Wir verzichten auf Besuche, aber wir rufen an", sagte Krefft in einem Gespräch mit dieser Redaktion.

Immer ansprechbar

Es gibt Menschen, die haben Gesprächsbedarf, es gibt Menschen, die brauchen geistlichen Beistand und es gibt Menschen die haben ganz praktische Probleme. Um sie zu betreuen, wollen sich die Dekane mit mit der Caritas und der Diakonie zusammensetzen und Konzepte, etwa für eine Hotline, besprechen. In der Zwischenzeit sind die Pfarrer und ihre Mitarbeiterinnen telefonisch und per Mail zu erreichen (siehe Infokasten).

Ja, die Kirchen sind geschlossen für Gottesdienste, aber sie sind offen für Menschen, die alleine kommen wollen, um zu beten oder eine Kerze anzuzünden. Zu diesem Zweck werden die Kirchen abends offen und beleuchtet sein. Und, man wird versuchen, mit den Gläubigen im Gebet verbunden zu bleiben.

Wie sieht das praktisch aus? Jeden Abend um 19 Uhr, zum Abendgebetsläuten, wird ein Pfarrer in der evangelischen Christuskirche sein und für die Menschen beten. In der Kirche Mariä Himmelfahrt feiert Andreas Krefft  oder ein anderer Priester aus der Pfarreiengemeinschaft zum Abendläuten um 20 Uhr alleine eine Eucharistiefeier.

Trauernde besonders begleiten

Es finden keine Gottesdienste mehr statt. Dennoch sind die Kirchen offen für Menschen die einen Raum der Stille und des Gebets suchen. Im Bild die Dekane Andreas Krefft (links, katholisches Dekanat) und Matthias Büttner (evangelisches Dekanat) vor der evangelischen Christuskirche in Bad Neustadt.
Es finden keine Gottesdienste mehr statt. Dennoch sind die Kirchen offen für Menschen die einen Raum der Stille und des Gebets suchen. Im Bild die Dekane Andreas Krefft (links, katholisches Dekanat) und Matthias Büttner (evangelisches Dekanat) vor der evangelischen Christuskirche in Bad Neustadt. Foto: Martina Harasim

Wen werden die Seelsorger besonders in ihre Gebete einschließen? Es sind die Menschen, die am Coronavirus erkrankt sind, und die Ärzte und Ärztinnen und die Pflegerinnen und Pfleger, die sich um die am schlimmsten Erkrankten kümmern, sagen die Dekane in einem Gespräch mit dieser Redaktion.

Besonders viel Betreuung brauchen neben den alten, einsamen Menschen und denen, die zu Hause in Quarantäne sind, auch diejenigen, die gerade  einen Todesfall in der Familie haben. Da Gottesdienste verboten sind, gibt es kein Requiem in der Kirche. Die Beisetzung wird mit einer Tauerfeier auf dem Friedhof verbunden. Alles darf nur im kleinsten Familienkreis stattfinden. 

Hinterbliebene finden oft Trost, wenn Freunde oder Bekannte ihnen nach ihrem Verlust beistehen, wenn vele Menschen zur Beerdigung kommen und damit ausdrücken, "du bist nicht allein, das Leben geht weiter". All das darf jetzt nicht mehr sein. Solche Menschen sind nun darauf angewiesen, dass ihr Umfeld über Telefonanrufe oder über Briefe Anteilnahme ausspricht und Unterstützung anbietet.

Es gibt viel Gesprächsbedarf

Sie Seelsorger dürfen zwar keine öffentichen Gottesdienste mehr feiern, aber sie dürfen Sakramente spenden. Gestattet sind Nottaufen, die Krankensalbung für Einzelpersonen sowie die Begleitung von Sterbenden.

Bereits am Montag, als auch die Kindergärten in kirchlicher Trägerschaft geschlossen wurden und die Notbetreuung organisiert werden musste, bemerkten die beiden Geistlichen, wie sehr die Mitarbeiterinnen unter der Situation leiden und dass sie viel Gesprächsbedarf haben. "Die gedrückte Stimmung war zu spüren", sagte Büttner. Sein Rat an die Menschen: "Nerven behalten, solidarisch bleiben und sich in seriösen Medien informieren."

Zum Nichtstun verdammt

Hoffnungsvoll stimmt Dekan Krefft, dass seine Mitarbeiterinnen nach dem ersten Schock sehr verständnisvoll auf alle Einschränkungen des öffentlichen und kirchlichen Lebens reagierten. "Es gibt keine Klagen", sagt er, "im Gegenteil, sie denken voraus, wie gewisse  Angelegenheiten nun geregelt werden können". Dieses Vorausdenken wünscht er sich von allen Gläubigen: "Helfen Sie alten und kranken Angehörigen und Nachbarn in diesen Tagen.Übernehmen Sie Erledigungen für sie und nehmen Sie Hilfe auch an."

"Die Welt schüttelt sich gerade durch", sagt Büttner. Er beobachtet, dass viele Menschen aus den gewohnten Abläufen ihrers Alltags gerissen wurden und nun zum Nichtstun verdammt sind. "Das ist für uns nur schlecht auszuhalten. Aber vielleicht liegt ja gerade in dieser Übung der Keim für nötige Neuanfänge?"

Ansprechpartner in der Kirche
Die Pfarrei Mariä Himmelfahrt in Bad Neustadt ist zu erreichen unter der Nummer (09771) 689000 und ber E-Mail unter mariae-himmelfahrt.nes@bistum-wuerzburg.de
Das evangelische Pfarramt hat die Nummer (09771) 6369610. Die E-Mail-Adresse lautet: pfarramt.badneustadt@elkb.de

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