Bad Neustadt

In den Schulen wird vieles anders sein

Kommenden Montag beginnt der Schulbetrieb für die Zwölftklässler wieder. Wie gehen Schüler, Eltern und Lehrkräfte im Landkreis mit der Situation um und welche Vorbereitung ist nötig?
Am Montag beginnt für die 12. Jahrgangsstufe der Gymnasien der Vorbereitungsunterricht für die Abiturprüfungen. Unter gänzlich neuen Hygieneanordnungen.
Am Montag beginnt für die 12. Jahrgangsstufe der Gymnasien der Vorbereitungsunterricht für die Abiturprüfungen. Unter gänzlich neuen Hygieneanordnungen. Foto: Stefan Kritzer

Kleinere Jahrgänge als in den vergangenen Jahren machen es den Gymnasien im Landkreis derzeit etwas leichter, am kommenden Montag wieder in den Schulbetrieb überzugehen. Die Zwölftklässler werden zum Unterricht erscheinen, doch in den Schulen wird vieles anders sein als sie es gewohnt sind.

Abstand halten, möglichst Mund-Nase-Maske auf den Fluren und viel Händewaschen sind das Gebot der Stunde. Die Gymnasien in Bad Neustadt, Mellrichstadt und Bad Königshofen richten sich für einen gänzlich andersartigen Schulbetrieb als Antwort auf die Corona-Pandemie ein.

Abiturienten lernen kurz vor dem Abi den Schulalltag nochmal neu

Ein Rechtsgehgebot auf den Gängen des Rhön-Gymnasiums, eine dringliche Bitte der Schulleitung zum Tragen von Mund-Nase-Maske auf den Fluren des Martin-Pollich-Gymnasiums und die Desinfektion von Türklinken im 2-Stunden-Rhythmus im Gymnasium Bad Königshofen.

Wenn am Montag die Schule zumindest für die Abiturienten der 12. Klassen wieder losgeht, wird vieles anders sein als in den zurückliegenden zwölf Jahren. Den Gymnasiasten bleibt kurz vor den Abiprüfungen nichts anderes übrig, als den Schulalltag für die letzten Unterrichtsstunden ihrer Schullaufbahn nochmal komplett neu zu erlernen.

Schüler sitzen an Einzeltischen

Unterricht in Kleingruppen möglichst nur bis 15 Personen in verschiedenen Räumlichkeiten und selbstverständlich in gebührendem Abstand zueinander. Neue Schulpläne nur für die Prüfungsfächer und ohne Restklausuren ergänzt um strenge Hygieneanordnungen. Für die Schulleitungen der drei Gymnasien im Landkreis waren die letzten Tage und Wochen nicht einfach.

Im Martin-Pollich-Gymnasium beginnen am Montag 52 Abiturienten mit den letzten Unterrichtsstunden. Schulleiter Robert Jäger hat Klassenräume so vorbereiten lassen, dass die Schüler in Kleingruppen zwischen drei und 13 Schülern mit jeweils mindestens 1,5 Meter Abstand zueinander unterrichtet werden können. "Die Schüler sitzen selbstverständlich an Einzeltischen", so Jäger. Gruppenarbeit ist verboten, Raumwechsel werden weitestgehend vermieden.

In Mellrichstadt setzt man auf das Händewaschen

"Das alles geht natürlich nur richtig gut, wenn lediglich die Zwölftklässler im Haus sind. Sind mehrere Jahrgangsstufen da, wird es schwieriger, die 'Durchmischung' der Schüler zu unterbinden", so Jäger. Ausreichend Waschmöglichkeiten in den Toiletten und Papierhandtücher sind in den Gymnasien des Landkreises vorhanden. Auch schon in Zeiten vor Corona. Desinfektion muss nicht, wird aber im Rhön-Gymnasium Bad Neustadt und im Gymnasium Bad Königshofen bereitgehalten.

In Mellrichstadt wird erst mal auf das konventionelle Händewaschen gesetzt. Robert Jäger würde am liebsten einen Mund-Nase-Schutz beim Gang durch die Schule als Anordnung vorschreiben: "Vielleicht kommt diese Anordnung noch als Vorgabe aus dem Kultusministerium." Einen solchen Mundschutz erachtet der Schulleiter des Gymnasiums Bad Königshofen Wolfgang Klose als "ein Gebot des Anstandes" gegenüber den übrigen Personen im Schulhaus.

Letzte Unterrichtsstunden in Kleingruppen

Wohlgemerkt nur beim Gang durch die Schule oder über den Pausenhof, nicht im Unterricht. Dort sind die Abstandsregelungen ja gewahrt. In Bad Königshofen machen in diesem Jahr 57 Schüler Abitur. In Gruppen mit bis zu 19 Schülern, allerdings in einem Raum mit mehr als 90 Quadratmetern Größe. Bei einem Raumwechsel gibt es zudem vorgeschriebene Lüftungszeiten. "Selbst im Büro des Schulleiters können bei Besprechungen die notwendigen Abstände gewahrt bleiben", sagt Wolfgang Klose.

Im Rhön-Gymnasium legen in diesem Jahr 60 Schüler ihr Abitur ab. Die letzten Unterrichtsstunden natürlich auch hier in Kleingruppen mit bis zu 16 Schülern. Besonderheit im größten Gymnasium des Landkreises: Die Gruppen wechseln durch verschiedene Räume. "Jeder Raum wird pro Tag nur einmal benutzt", sagt Schulleiterin Dr. Kerstin Vonderau. Nach Benutzung wird der Raum gereinigt, gelüftet, wo nötig desinfiziert.

Wie geht es weiter, wenn auch jüngere Schüler zurückkehren?

"Wir empfehlen dringend die Nutzung einer Mund-Nase-Maske im Schulgebäude", sagt Vonderau. Auf den Gängen herrscht ein Rechtsgehgebot um auch hier möglichst viel Abstand zu halten; eine angedachte Einbahngehregelung ließ sich im Schulgebäude nicht in die Tat umsetzen. In den Pausen stehen vier Räume zur Verfügung, die stets nur von denselben Schülern besucht werden dürfen. Vier Eingänge zum Rhön-Gymnasium sollen ebenfalls für Abstand beim Betreten wie Verlassen der Schule sorgen.

Und wenn Schüler oder Lehrer zu einer der sogenannten Risikogruppen gehören? Lehrer aus Risikogruppen wollen zumindest die 12. Jahrgangsstufe unterrichten, betonen die Schulleitungen. Wenn alle Schüler an Bord sind, muss hier teilweise neu entschieden werden, je nach Risiko. Mancher Lehrer wählt stattdessen die Möglichkeiten des Fernunterrichts per Internet. Ob Schüler aus Risikogruppen in die Schule kommen können oder nicht, entscheiden Schüler, Eltern und Hausärzte.

Ein mulmiges Gefühl beim Gang in die Schule

Die Elternbeiratsvorsitzende des Rhön-Gymnasiums Michaela Scherer geht von viel Rücksichtnahme unter den Zwölftklässlern aus. "Ich sehe das positiv, dass die Abiturienten bei ihren Lehrern auf die Prüfungen vorbereitet werden können", sagt Michaela Scherer. Wie ein Schulbetrieb im Rhön-Gymnasium für alle Schüler ab Mitte Mai aussehen soll, darüber ist sich der Elternbeirat aber noch nicht im Klaren.

Und was sagen die Schüler zur Wiederaufnahme des Unterrichts kurz vor dem Abi? Leah Schneider (Jahrgangssprecherin am Martin-Pollich-Gymnasium) ist genauso wie viele Schulkameraden erleichtert, dass der Unterricht nur noch in den Prüfungsfächern stattfindet. "Ein mulmiges Gefühl beim Gang in die Schule bleibt aber trotzdem", sagt Leah Schneider.

Der kleine Abijahrgang dürfte aber viel Abstand zueinander möglich machen, zeigt sich die Jahrgangssprecherin überzeugt. Einen Vorteil durch all die Maßnahmen sieht die Schülerin obendrein: Die Kleingruppen machen konzentriertes Lernen kurz vor dem Abitur möglich. Einen gewaltigen Wermutstropfen hält die gegenwärtige Situation für die Abiturienten aber auf jeden Fall bereit: Die Abifeiern, der Abistreich, die Zeugnisübergabe und der Abiball, all das muss in diesem Jahr ausfallen. "Wie sollen wir denn unser Abi feiern?", fragt Leah Schneider. "Per Videokonferenz?"

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